Film TV Video
All 0-9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Frame Mode

Im Einstellmenü mancher Camcorder findet sich eine Möglichkeit, das Gerät von Interlace-Scan auf Frame-Modus um zu stellen. Die üblichen Beschreibungen des Frame-Modus erwecken manchmal den Eindruck, als sei Frame-Mode nur ein anderes Wort für 25P (oder 30P in NTSC-Ländern). Das ist aber nicht der Fall, der Frame Mode unterscheidet sich eindeutig von wirklich progressiver Bildabtastung.

Ist der Frame-Mode nicht aktiviert, wird das auf die CCD-Chips fallende Bild im Interlace-Mode gescannt. Jeder CCD-Chip in einem aktuellen 3-Chip-PAL-Camcorder nimmt gleichzeitig 576 Zeilen auf. Wieso nur 576 und nicht 625? Weil von den 625 Zeilen des PAL-Systems nur 576 auch tatsächlich für den Bildinhalt genutzt werden.

Alle 576 Zeilen werden also ausgelesen und in einem zweiten Arbeitsschritt werden dann jeweils zwei aufeinander folgende Zeilen addiert. Aus den so errechneten 288 Zeilen wird ein Halbbild erzeugt.

Diese Vorgehensweise bringt eine höhere Lichtempfindlichkeit bei gleichem Rauschabstand und reduziert den Flicker-Effekt, der bei Interlace-Bildern an horizontalen Objektkanten im Bild auftreten kann. Das Addieren der Zeilen hat aber auch einen Nachteil: Es reduziert die vertikale Auflösung, in vertikaler Richtung wird also nicht die eigentlich mit dem Chip maximal mögliche Abbildungsschärfe erreicht.

Ist das erste Halbbild verarbeitet, wird der Chip erneut ausgelesen und nach dem gleichen Schema das zweite Halbbild erzeugt. Die beiden Halbbilder entstehen also nicht gleichzeitig, sondern nacheinander. Das ist die Ursache dafür, dass Interlace-Bilder »ausgefranste« Objektkanten aufweisen, wenn man sie etwa auf einem Computerschirm im Standbildbetrieb betrachtet: Der Bildinhalt zwischen der Entstehung des ersten und des zweiten Interlace-Halbbildes kann sich eben verändern.

Schaltet man auf den Frame-Mode um, werden einige der genannten Interlace-Probleme gelöst und es wird zudem eine etwas größere vertikale Auflösung des Bildes erreicht.

Realisiert wird das, in dem man bei der Zeilenaddition mit dem Grünsignal anders verfährt als mit Rot und Blau. Vereinfacht sieht das so aus: Während bei Grün die zweite Zeile der dritten zugeschlagen wird, wird bei Rot und Blau die zweite Zeile zur ersten addiert. Für alle weiteren aktiven Bildzeilen wird entsprechend verfahren.

Beim Auslesen der CCDs werden bei einem 3-Chip-Camcorder also in jeder der drei Grundfarben 288 Zeilen Bildinformation gewonnen, genau wie beim Interlace-Modus. Weil aber im Additionsschritt unterschiedliche Zeilen zusammengefasst wurden, enthalten diese mehr Information über das Ausgangsbild. Die Menge der Farbinformation ist zwar gleich, aber die Menge der damit erfassten Helligkeitsabstufungen oder Grauwerte ist beim Frame-Mode höher. Zunächst könnte man glauben, die sei doppelt so hoch, das ist aber aus verschiedenen mathematischen, physikalischen und letztlich auch wahrnehmungsphysiologischen Gründen nicht so. Die vertikale Auflösung steigt im Frame-Mode gegenüber dem Interlace-Modus um rund ein Viertel an.

Aus der unterschiedlichen Behandlung von grünem Signal einerseits, sowie rotem und blauem Signalanteil andererseits, resultiert auch eines der Probleme, die im Frame-Mode auftreten können: Besonders bei sehr hellen Objekten stimmt unter Umständen die Farbwiedergabe nicht, es können Farbsäume auftreten.

Frame-Mode-Aufnahmen sind kompatibel mit den üblichen Fernsehsystemen, sie können ganz regulär wie Interlace-Aufnahmen verarbeitet werden. Allerdings wird im Frame-Mode zweimal hintereinander der exakt gleiche Bildinhalt aufgezeichnet, einmal als gerades, und einmal als ungerades Halbbild: Es gibt also keine »ausgefransten« Objektkanten, die Kompatibilität zu Computer-Welt ist verbessert. Gleichzeitig ist aber im Frame-Mode die Bewegungsauflösung reduziert, weil ja nicht 50 unterschiedliche Halbbilder pro Sekunde aufgenommen werden, sondern nur 25 unterschiedliche.

Letztlich lässt sich zusammen fassen: Der Frame-Mode ist nicht 25P und auch nicht wirklich Interlace, er steht dazwischen und erlaubt es, »computer-freundlichere« Videoaufnahmen mit etwas besserer vertikaler Auflösung zu erreichen.

Siehe auch:

Interlace
Progressive
25P