Editorial, Kommentar: 10.11.2016

Clickbaiting — die Krätze des Internets

Auch wenn Ihnen der Begriff Clickbaiting nichts sagen sollte: Sie sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit schon zum Opfer dieser Internet-Seuche geworden. Beim Clickbaiting geht es darum, die Leser mit einer reißerischen Überschrift oder einem sonstigen Teaser neugierig zu machen und so auf die eigene Seite zu locken, um dort die Besucherzahlen und dadurch die eigenen Werbeeinnahmen zu erhöhen. Man legt einen Köder aus, um Internetnutzer einzufangen.

Clickbaiting — die Krätze des Internets …

Klassiker: »Erfahren Sie hier, wie sie mit drei einfachen Fitnessübungen einen Traumkörper bekommen«, »98 Prozent können dieses Rätsel nicht lösen«, »Was dieser Promi getan hat, wird Sie schockieren«, »Diese Bilder werden Sie nie wieder vergessen«, »Erst dachten alle dies, aber dann passierte das ….« — und so weiter und so weiter.

Eigentlich überflüssig zu sagen, dass die Fitness-Infos völlig sinnlos sind und das Rätsel absolut billig, dass sie den angeblichen Promi entweder gar nicht kennen, sein vermeintlich schockierendes Verhalten komplett erfunden oder in Wahrheit gar nicht skandalös ist — und die Bilder oder Infos sich als Fakes, als langweilig oder als alt und bekannt herausstellen. Man wird letztlich nur enttäuscht und als Zählvieh über eine Website getrieben, die einem im schlechtesten Fall auch gleich noch ein paar fiese Cookies installiert.

Eine der Ursachen dieses Phänomens besteht darin, dass eine sehr große Zahl der Werbetreibenden im Internet ausschließlich auf Quantität und nicht auf Qualität schaut. Wenn aber nur die Masse zählt, dann erliegen viele Betreiber von Websites eben der Versuchung, die Zugriffszahlen mit ein paar einfachen Tricks aufzublähen — etwa mit Clickbaiting.

Es ist nicht schwer, News, deren Informationswert nahe Null liegt, marktschreierisch aufzublähen, alles als Sensation anzukündigen und mit Superlativen zu belegen — und damit die Köder auszubringen. Das kann tatsächlich kurzfristigen Erfolg für den Website-Traffic bringen. Aber was wird das langfristig nutzen und bewirken? Erreichen die Werbetreibenden über solchermaßen aufgepumpte Seiten ihre Ziele? Und wozu wird es führen, wenn wir in Zeiten des Informationsüberflusses, in denen wir nun mal leben, alles mit zusätzlichem, vollkommen nutzlosem Informationsmüll zuballern?

Natürlich wollen wir bei film-tv-video.de auch, dass Sie möglichst oft auf unsere Website kommen. Aber wir wissen auch, dass Zeit für die meisten in der Branche ein knappes Gut ist, das man nicht verschwenden sollte. Deshalb wollen wir maximalen Nutzwert bieten, wenn Sie auf unsere Seite kommen und wir wollen Sie mit Qualität überzeugen. Wir verzichten also unter anderem bewusst auf Methoden aus dem Graubereich des Web-Marketings, mit denen wir unsere Zugriffszahlen aufblähen könnten — auch auf Clickbaiting.

Das alles zu vermitteln, ist aber etwas komplizierter, als nur ein paar Zahlen oder Excel-Tabellen per Mail an die Marketingabteilung potenzieller Kunden zu verschicken. Und man braucht auf der Gegenseite Leute, die Qualität erkennen und schätzen. Diese Leute gibt es, und wir danken allen, die sich dafür einsetzen.

Sie werden sehen.

Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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