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Schärfentiefe

Wird häufig auch als Tiefenschärfe bezeichnet, was zwar im Grunde falsch ist, aber zu den nahezu unausrottbaren Fehlbenennungen eines technischen Zusammenhangs gehört (mehr zum Begriff als solchem finden Sie am Ende dieses Eintrags).

Für die Schärfentiefe gibt es sehr detaillierte Beschreibungs- und Berechnungsmethoden aus dem Bereich Optik. Im Grunde geht es aber um einen simplen Sachverhalt, den jeder Hobbyfotograf kennt: Nur Objekte, die innerhalb des Schärfentiefe-Bereichs liegen, werden vom Objektiv scharf abgebildet. Was außerhalb der Schärfentiefe liegt, also entweder zu nah an der Linse, oder zu weit entfernt ist, bleibt unscharf.

Beim Scharfstellen eines Objektivs wird eine Entfernung eingestellt. Alle Objekte, die auf einer Ebene mit dieser Entfernung vor dem Objektiv liegen, werden scharf abgebildet (Schärfeebene). Abhängig von verschiedenen Einflussgrößen, werden aber auch Objekte die innerhalb eines bestimmten Bereiches vor oder hinter der Schärfeebene liegen, noch scharf abgebildet. Dieser Entfernungsbereich ist die Schärfentiefe.

Einen Einfluss auf die Größe der Schärfentiefe haben Blende, Bildfenstergröße und Brennweite: Je kleiner das Bildfenster, je kleiner die Blendenöffnung und je kürzer die Brennweite, um so größer ist die Schärfentiefe. Arbeitet man also mit einem weitwinkligen Objektiv und hohen Blendenwerten, dann ist die Schärfentiefe groß, es wird praktisch alles, was vor der Linse liegt, scharf abgebildet. Arbeitet man dagegen mit offener Blende (also niedrigen Blendenwerten) und im Telebereich, wird die Schärfentiefe geringer, es wird nur ein Teil des Motivs/Bildinhalts scharf wiedergegeben.

Unschärfe als Gestaltungsmittel

Besonders im Spielfilmbereich wird die Schärfentiefe bewusst als Gestaltungsmittel eingesetzt, wobei dabei meist angestrebt wird, eine relativ geringe Schärfentiefe zu erreichen, um nur die wichtigen Bildelemente scharf abzubilden und diese somit visuell vom unscharfen Vorder- und Hintergrund zu lösen.

Von 35-mm-Filmanwendern wurde die große Schärfentiefe von Videokameras oft als negativ empfunden, weil sie für eine »unnatürliche« Schärfewiedergabe eines großen Entfernungsbereichs vor der Linse sorgt. Grund dafür waren neben der relativ hohen Lichtempfindlichkeit moderner Videokameras, die wiederum hohe Blendenwerte bewirken, auch die bei Videokameras im Vergleich zu 35-mm-Film früher kleineren Bildfensterdiagonalen (2/3 Zoll und weniger), die bei gleicher Brennweite ebenfalls die Schärfentiefe vergrößerten. Außerdem nutzten fast alle hochwertige Videokameras früher ein Konstruktionsprinzip, bei dem ein Prisma das Bild auf drei Sensoren lenkte, wodurch das Auflagemaß sich vergrößerte, was ebenfalls zu einer größeren Schärfentiefe führt.

Mittlerweile sind aber auch viele digitale Kameras verfügbar, die als Single-Large-Sensor-Kameras konstruiert sind, also nur einen Bildwandler mit großer Bilddiagonale aufweisen. Damit können die gleichen optischen Verhältnisse wie beim 35-mm-Film hergestellt werden und somit ist ein identisches Verhalten in Bezug auf die Schärfentiefe möglich.

Ein Begriff, der im Zusammenhang mit Unschärfebereichen in der Bildgestaltung immer wieder auftaucht, ist das Bokeh. Damit wird die ästhetische Qualität der Unschärfewiedergabe von Objektiven umschrieben.

Begrifflichkeit

Heißt es nun Schärfentiefe oder Tiefenschärfe? Darüber wird immer wieder diskutiert, obwohl die Verhältnisse eindeutig sind: Es handelt sich, wie die obigen Ausführungen erläutern, um die »Tiefe der Schärfe«, wie es etwa auch der englische Ausdruck für Schärfentiefe »depth of field« deutlich macht. Die Regeln zur Bildung zusammengesetzter Hauptwörter sind im Deutschen aber recht eindeutig: Tiefe des Wassers = Wassertiefe; Tiefe der Schärfe = Schärfentiefe.

Mit anschaulichen Beispielen lässt sich diese Regel leicht untermauern und deutlich machen, dass die korrekte Bezeichnung wichtig ist: Was haben Sie lieber auf dem Brot, Bienenhonig oder Honigbienen?