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Ist Qualität endgültig aus der Mode?

Werden die Zuschauer, fasziniert von hoher Bildqualität und knackig scharfen Bildern, in Massen vor dem Fernseher sitzen und beispielsweise eine Talkshow anschauen, obwohl sie den Moderator unsympathisch, die Gäste langweilig und das Thema blöd finden? Wohl kaum: Der Inhalt und die sonstige Aufbereitung sind für den Erfolg eines TV-Programms immer noch wichtiger als die Bildqualität.

Dieser Kommentar hat schon etliche Jahre auf dem Buckel, wie die Datumszeile zeigt. Möglicherweise stimmen Bezüge nicht mehr und vielleicht wurde der Inhalt schon von der Realität überholt —aber möglicherweise auch nicht.

Aber wenn der Inhalt stimmt, dann kommt die technische Qualität eben doch als Erfolgs- und Unterscheidungsfaktor zum Tragen. Beim Zappen durch den endlosen Brei von Satellitenprogrammen bleibt der Zuschauer im Zweifel eben doch dort hängen, wo Bild und Ton in besserer Qualität ankommen. Das lässt sich besonders dann beobachten, wenn der Inhalt des Programms identisch oder sehr ähnlich ist: Bei Parallelübertragungen von Events, Spielen, Rennen unterschiedlichster Art. Wenn drei Nachrichtensender die gleichen Live-Bilder zeigen, sucht man sich eben den aus, der die beste Bild- und Tonqualität liefert.

Dass die technische Qualität in den Medien vielleicht nicht der wichtigste Erfolgsfaktor ist, aber einen entscheidenden Unterschied darstellen kann, diese Erkenntnis ist allerdings nicht weit verbreitet und scheint sogar immer weiter zu verblassen.

Nimmt man etwa DVB-T als Beispiel, dann lauten die meistgenannten Argumente dafür: mehr und besser. Mehr Programme in besserer Qualität soll die neue Technik bieten. Hört man sich aber unter der ohnehin kleinen Zahl von DVB-T-Nutzern um, entsteht ein anderes Bild: Die Endkunden kämpfen mit der Technik. Ob es an der DVB-Box liegt, an der Sendetechnik oder daran, dass das Sendesignal x-fach hin und her konvertiert und mit viel zu niedriger Bitrate gefahren wird, das differenziert der Endkunde nicht, sondern er zieht ein simples Fazit: »Ich habe ständig Probleme mit dem Fernseher« und »das Bild ist schlecht«.

Wird es die Konsumfreude in der Unterhaltungselektronik anheizen und den Fernsehkonsum wachsen lassen, wenn etwa bei Vox und RTLII über DVB-T jede Blende aussieht wie ein Mosaikeffekt? Wird die Lust auf HDTV wachsen, wenn ProSieben und Sat.1 jetzt zwar bei diesem Thema vorpreschen, aber über Satellit weitgehend softe, aus SD-Material hochkonvertierte Bilder als HDTV-Programm präsentieren?

Es läuft eben im Geschäft mit den Bildern, genauso wie beim Kochen: Qualität ist — leider, leider — keine Garantie für Erfolg, aber eine wichtige Zutat.

Sie werden sehen.

Autor: C. Gebhard, G. Voigt-Müller

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