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Praxistest: Blackmagic Design-Kamera Pyxis 12K

Im Gehäuse der Pyxis 6K steckt jetzt der Vollformatsensor der Ursa Cine. Der wichtigste Vorteil der Pyxis 12K gegenüber 6K: Die 12K kann auch in 8K und 4K aufnehmen, ohne dass der Sensor gecroppt wird. Wir haben die Kamera getestet.




Das Menü und der Ton

Das Menü dreht sich jetzt automatisch für Hochkantaufnahmen oder lässt sich vertikal oder horizontal feststellen.

©C. Harrer

Ein 12K-Bild mit der Foto-Funktion mit ein paar Effekten – das lässt sich in Resolve gut entwickeln, nicht aber in Lightroom.

Eine Funktion, die die Pyxis 6K beim Test nicht hatte. Das Menü des Blackmagic OS ist übersichtlich und intuitiv zu bedienen. Nach kurzer Zeit ist es einfach, die Funktionen schnell zu finden und einzustellen. Lediglich die Einstellungspfeile, um Werte zu wechseln, sind etwas klein und schwer zu treffen. Beim Aktivieren zeigt das Menü die zusätzlich geöffnete Seite, zumindest bis die Kamera ausgeschaltet wird. Die Funktionen sind übersichtlich in die Kategorien Record, Monitor, Audio, Setup, Presets und LUTs unterteilt. Die Unterseiten jeder Kategorie werden dann mit Links oder Rechtspfeilen oder Wischen über das Display gewechselt.

©C. Harrer

Selbst bei einer stark unterbelichteten Einstellung mit Gegenlicht (oben) lässt sich mit Curves schnell ein brauchbares Bild herstellen (unten).

Der größte Kritikpunkt ist, dass es etwas langwierig sein kann, Werte einzustellen, wenn es viele Punkte gibt, da alle einzeln durchgeklickt werden müssen, da es kein Dropdown-Menü gibt. Bei der Auswahl der Audio-Eingänge muss man sich durch zwölf einzelne Einstellungen klicken. Der Punkt, an dem es wirklich nervig wird, ist es, die Framerate für Zeitlupe einzustellen, die von 5 bis 112 in Einzelwerten geht.

©C. Harrer

Eine Aufnahme ohne Aufhellung im Vordergrund – nur mit den Color Wheels hin geschoben.

Auch wenn die Pyxis 12K mit der Firmware 10.0 vier Audiokanäle aufzeichnen kann, hat die Tonaufzeichnung einige Defizite. Zwar wird hier mehr Aufmerksamkeit geschenkt als in einer »Red aus der Box«, doch ist weder die Miniklinke noch der Mini-XLR eine wirklich gute Lösung. Man wird sich wohl langsam daran gewöhnen müssen, dass immer mehr Hersteller Mini-XLR in ihren kompakten Modellen verbauen. Das benötigt wieder einen zusätzlichen Adapter, ist aber allemal besser als eine Klinke. Die Positionierung an der Vorderseite spricht klar dafür, dass es für ein Atmo-Mikrofon gedacht ist und die interne Aufzeichnung des O-Tons nicht unbedingt vorgesehen ist.

©C. Harrer

Kein wissenschaftlicher Test, aber der Rolling Shutter ist in 12K (oben) sichtbar stärker aufgeprägt als in 8K (unten).

Das interne Mikrofon eignet sich nur für Synchronisationsaufgaben, und da sich Bediengeräusche so deutlich niederschlagen, kann auch das ein Problem werden. Vor allem das Blendenrad ist deutlich zu hören und jede Handhabung des Gehäuses und des Suchers macht deutliche Ausschläge. Auch der Lüfter ist permanent auf den internen Aufnahmen zu hören. Eine gute neue Funktion ist, dass sich die einzelnen Kanäle, die alle auf den Kopfhörer ausgegeben werden, einzeln stumm oder solo schalten lassen. Das ist praktisch und es geht schnell, die gewünschte Abhörkonfiguration einzustellen. Die Kanäle lassen sich im Menü vollkommen frei kombinieren, werden aber auch, wenn zwei Spuren des gleichen Kanals aufgezeichnet werden, in der Lautstärke immer gekoppelt. Es ist also nicht möglich, denselben Kanal mit zwei unterschiedlichen Pegeln aufzunehmen.

Fazit

Die zweite Boxkamera von Blackmagic Design ist eine Cinema-Kamera für Schönwetter-Drehs und Studioaufnahmen. Zwar sind Außenaufnahmen auch im Abendlicht noch sehr gut möglich, hier reicht die Lichtempfindlichkeit allemal, doch das offene Gehäuse macht die Kamera empfindlich gegenüber Regen und Staub. Das Bedienkonzept ist auf manuelle Bedienung ausgerichtet.

©Blackmagic Design

Der Einsatz einer Mattebox mit ND-Filtern und einem individuellen Rigging ist für die meisten Einsätze als A-Kamera notwendig. Das und die geringe Lichtstärke schränken den Einsatz als vielfältig einsetzbare Dokumentarfilmkamera ein. Mit dem Update können jetzt vier Audiospuren aufgezeichnet werden. Die Stereo-Klinke und das eine Mini-XLR sind aber keine guten Optionen für die Tonaufzeichnung. Auch wenn es verschiedene Akku-Optionen gibt, bleibt der hohe Stromverbrauch ein weiteres Hindernis außerhalb eines Studio-Setups.

©C. Harrer

Der Autor Christoph Harrer.

Ein eingebautes Display ist für eine Boxkamera ungewöhnlich. Für Filmaufnahmen mit Assistenten ist es allerdings auf der falschen Seite. Für DoPs, die alleine operieren, ist es auf der richtigen Seite. Wirklich gut ist, dass die 12K auch den zweiten USB-C-Anschluss für einen Monitor verwenden kann, was den gleichzeitigen Einsatz von Blackmagics Sucher und Display erlaubt. Da der Pyxis-Monitor die Kamera über Touchscreen bedient, kann das eine Option für den Assistenten sein.

Zu dem 12K-Sensor, der auch in 8K ohne Crop eingesetzt werden kann, machen vor allem die hohe Bilddynamik und die Toleranz für Unterbelichtung die Pyxis 12K zu einer besseren Cinema-Kamera als die kleine 6K-Schwester. Auch die gewonnene Bildschärfe aus einem 12K-Sensor für ein 8K- oder 4K-Bild ist ein weiteres Argument, das den Preis schnell rechtfertigt. Dabei schafft die Pyxis 12K bis zu 112 Bilder in 8K 2,4:1 und hat in 8K einen angenehm geringen Rolling-Shutter-Effekt. Das Raw-Format von BMD produziert sehr viel Spielraum fürs Grading und bietet durch die 18:1-Kompression die Option, die Datenmengen auch in 8K halbwegs im Griff zu halten. Letztendlich ist die Pyxis 12K als A- oder B-Kamera am Spielfilmset die günstigste Alternative im Umfeld der 8K-Kameras.

Seite 1: Einleitung, Eckdaten
Seite 2: Handhabung
Seite 3: Belichtung, Bildqualität
Seite 4: Ton, Fazit

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Autor: Christoph Harrer

Bildrechte: Christoph Harrer, Blackmagic Design

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