Top-Story, Trend: 02.07.2015

IP-Special: Sony, Norbert Paquet

Norbert Paquet ist Strategic Marketing Manager Europe für den Bereich Live Production bei Sony. Im folgenden finden Sie die vollständige Version seiner Antworten auf die Fragen von film-tv-video.de.

IP for Broadcast gehörte zu den Topthemen der vergangenen Messen. Was verstehen Sie unter IP-basierter Produktion?

Die IP-basierte Produktion war innerhalb der vergangenen zehn Jahre eine zentrale Entwicklung in der Broadcast-Branche. Alles begann mit der Migration auf file-basierte Produktion, Postproduktion und Playout, also mit der Integration von IT-Infrastrukturen und IP-Netzwerken als hauptsächlicher Kommunikationsschicht. Die Live-Produktion ist heute nach wie vor die letzte Produktionsebene, die auf  herkömmlicher Infrastruktur wie SDI arbeitet. IP-Netzwerke sind hingegen nicht-deterministische Architekturen, die aber auch die hohe Bandbreite für Videosignale gewährleisten können.

Mit den jüngsten technischen Verbesserungen wie 10-GbE-Switching, höherer Verfügbarkeit und QoS-Verwaltung von Netzwerken, besteht ein echter Anreiz dazu, von älteren Infrastrukturen auf IP zu wechseln. Die steigende Verbreitung von 4K/UHD-Produktionen, die SDI an seine Grenzen kommen lässt, verstärkt die Notwendigkeit von IP weiter.

Aktuell gibt es unterschiedliche Ansätze und Standards, wenn es um IP-basierte Übertragung geht, darunter SMPTE 2022 und AVB. Welchen Standard unterstützt ihr Unternehmen und warum?

Seit mehr als zwei Jahren arbeitet Sony in der »Joint Task Force on Network Media« — JT-NM —, die von der SMPTE und der EBU geleitet wird. Gemeinsam mit anderen Herstellern evaluiert die Task Force die Bedingungen IP-basierter Live-Produktion, die hierfür notwendigen Architekturen und Standards. Eine der zentralen Voraussetzungen ist es, mit Standard-IT-Equipment arbeiten zu können, um von den Stärken der IT-Industrie auch im Nischenmarkt Broadcast zu profitieren. Die Kunden fordern außerdem, dass IP die Voraussetzungen von Remote-Produktionen erfüllt, die auf WAN-Verbindungen basieren. Diese beiden Parameter machen es aber leider unmöglich, AVB zu nutzen, da diese Technologie trotz ihrer Vorteile nur in lokalen Netzwerken mit speziellen AVB-kompatiblen Switches funktioniert.

SMPTE 2022 wurde genau in den Diskussionen evaluiert. SMPTE 2022 wurde ursprünglich für die Bereitstellung von Videomaterial entwickelt, nicht für die Produktion. Ein Beispiel für die Anforderungen der Live-Produktion: Die Synchronisationsmethode ist nicht über die einzelnen SMPTE-2022-Unterstandards abgedeckt. Sie wird über SMPTE 2059 standardisiert, um Genlock über IP-Netzwerke zu realisieren. Es gibt also nicht den einen Standard, den wir unterstützen, sondern mehrere, um IP-Live-Produktionen zu ermöglichen.

Weitere, fundamentale Elemente der IP-basierten Live-Produktion sind — neben der Methode, mit der Daten über IP-Netzwerke gesendet und paketiert werden — das gesamte Management, die Sicherheit, die Reservierung von Bandbreiten, die Geräteautorisierung und vieles mehr.

Dies alles sind Gründe dafür, warum Sony die Initiative ergriffen hat, auf Basis der Gespräche mit dem JT-NM eine Technologie namens Netzwerk Media Interface und die Software IP Live System Manager zu entwickeln. Diese Lösung kombiniert die zentralen Anforderungen der IP-basierten Live-Produktion mit der aktuellen Praxis und den Abläufen in der Broadcast-Branche. Ziel ist es, sie auf dem Markt als zukünftiger Standard für Live-Produktion über IP zu etablieren.

Aktuell unterstützen 30 weltweit führende Unternehmen das Networked Media Interface. Im Rahmen der NAB2015 gab Sony bekannt, erste Lösungen auf Grundlage des Networked Media Interface Ende 2015 auf den Markt zu bringen.

Welche Produktionsbereiche adaptieren nach Ihrer Einschätzung die neue IP-Technologie zuerst?

Wie eingangs erläutert, nutzen Produktionen, die nicht live sind, heute bereits IP-Technologie und IT-Infrastrukturen. Contribution-Netzwerke verwenden ebenfalls IP-Netzwerke, auch die Kommunikation über Satellit läuft über IP.

Sony realisiert IP-Live-Produktion bereits seit 2013 über die Live-Produktionseinheit NXL-IP55 und installierte diese Lösung in vielen Kundenumgebungen für Remote-Produktionen. Mit seiner führenden Rolle in der Networked-Media-Interface-Initiative, hofft Sony IP-Live-Produktionen bis 2016 deutlich auszuweiten.

Was ist Ihr IP-Flaggschiff-Projekt oder -Produkt?

Sonys Hauptprojekt ist das Networked Media Interface als »Game Changer« für die Broadcast-Branche. Seine Vorteile sind: Formatunabhängigkeit, zukunftssichere Technologie für jedes künftiges Format, jede Auflösung und Bildrate. Darüber hinaus die Möglichkeit, mit Standard-Netzwerk-Infrastrukturen zusammenzuarbeiten, einschließlich geteilter Infrastrukturen mit file-basierter Produktion — passende Bandweite und Leistung vorausgesetzt —, die Sicherheit und Abläufen wie in einer SDI-Umgebung.

Was Produkte anbelangt, hat Sony auf der NAB2015 einen neuen Switcher mit IP-Schnittstelle angekündigt, einen Basisbandprozessor für die HDC-4300 Systemkamera mit IP-Schnittstellen, einen neuen Server mit IP-Schnittstellen und den bereits auf der IBC2014 vorgestellten SDI-IP-Wandler. All diese Neuheiten werden Ende des Jahres zusammen mit der Software Live System Manager veröffentlicht.

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Autor
red
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