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Alles nur Theater?

Unter den vielen Stücken, die derzeit im deutschen Medientheater gegeben werden, stechen drei heraus: »Die Festung«, »Die arrangierte Hochzeit« und »Wer wird’s?«.

Fangen wir mit dem letzten Stück an, einem Werk, bei dem es, kaum wähnt man das Ende herannahen, immer noch einen zusätzlichen Akt gibt. In »Wer wird’s?« zeigt der Mainzer Intendantenstadel seine ganze szenische Darstellungskraft. Ob jemand Regie führt, weiß man nicht. Beeindruckend ist die Zahl der Akteure: Immer neue Mimen tauchen aus dem Nebel auf und wechseln sich in bunter Folge auf der Bühne ab. Doch so richtig unterhaltsam will das volkstümlich angehauchte Stück einfach nicht werden.

»Die arrangierte Hochzeit« läuft im Wechsel an zwei Bühnen in Berlin und Brandenburg, es ist eine Gemeinschaftsproduktion der Ensembles des SFB und ORB, die mit ungeahnter Leidenschaft versuchen, einander an die Wand zu spielen. Nur eines scheint sicher: Am Ende werden die beiden Hauptfiguren dann doch irgendwie miteinander verheiratet. Überraschend ist, dass dem Ganzen die spielerische Unbekümmertheit einer Laienspielschar anhaftet, die auch mal locker auf Zuruf aus dem Publikum vor sich hin improvisiert. In Zeiten knapper Theaterkassen ist offen, wann das Licht auf der Bühne ausgehen wird.

»Die Festung« ist ein komplexes, bisweilen martialisches Stück – mal Drama, mal Bühnenthriller mit Krimi-Anleihen. Obwohl eigentlich von einem Verbund privater Veranstalter aufgeführt, sprach auch die Münchener Bayerische Staatsbühne bei der Besetzung einiger zentraler Rollen mit. Nun gibt es Reibungspunkte im Ensemble, weil die teils international besetzten Gastrollen mit großer Eigendynamik spielen und sich fast verselbstständigen.
Das Stück selbst, eine wilde, schnell wechselnde und teilweise völlig undurchsichtige Parallelhandlung, lässt sich ohne Hintergrundwissen eigentlich kaum noch erfassen, geschweige denn verstehen: So wahnwitzig entspinnt sich die Geschichte um die Thronfolge des Königs, dass jede Wendung, jedes Ende möglich scheint. Bedrängt von Feinden, Freunden, Wucherern, erwünschten und unerwünschten Beratern, bleibt so bis ganz zum Schluss die Frage offen, ob er das Blatt noch einmal wenden kann.

Sie sind gar kein Theaterfreund? Sie fragen sich, warum Sie das alles interessieren sollte? Dann schauen wir doch mal auf die wirtschaftliche Seite: Die Theaterbar brummt nur in der Pause, und die umliegenden Cafes und Restaurants machen erst nach der Vorstellung wieder richtig Umsatz. Sie werden sehen.

Autor: C. Gebhard, G. Voigt-Müller

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