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Ah, Sie sind Medienexperte!
Was Ärzten unter diesem Aspekt begegnet, widerfährt aber auch anderen Berufsgruppen. Auf Einleitungssätze wie »Du kennst Dich doch aus beim Fernsehen«, kann nämlich auch ganz unterschiedlich Erquickliches folgen: Von der Generalabrechnung mit dem schleichwerbeverseuchten Verdummungsmedium, bis zur intensiven Einzelberatung zu den Themen Festplattenrecorder und digitaler Satellitenempfang — es ist fast alles drin.
Mal abgesehen davon, dass kaum einer das gesamte Spektrum von der Analyse der Medienpolitik insgesamt bis zu Detailauskünften zum Sortiment eines mittleren Media-Marktes kompetent abdecken kann, kann die Rolle des »Medienexperten« aber auch ganz lustig sein.
Meistens haben sich die Frager nämlich schon ein buntes Sammelsurium von solidem Halbwissen erarbeitet und wollen sowieso nur in dem bestätigt werden, worauf sie sich innerlich längst festgelegt haben. Als »Experte« übernimmt man in diesem Fall also keine Beratungsfunktion, sondern erfüllt eine quasi-religiöse oder psychosoziale Aufgabe: Man erteilt Absolution für eine innere Haltung oder einen geheimen Wunsch.
Das funktioniert ganz simpel: Erstmal zuhören und erspüren, wohin der Frager tendiert, schon hält man den Schlüssel in der Hand, ihn glücklich zu machen. Verfolgt man dabei keine weiteren Interessen, trägt man im Grunde auch keinerlei Verantwortung, sondern wirkt nur als Katalysator und beschleunigt eine Reaktion, die ohnehin stattgefunden hätte.
Was aber tun, wenn man mal keine Lust auf diese Rolle hat? Ist man schon als »Medienexperte« bekannt, gibt es kaum eine Möglichkeit, dem beschriebenen Prozedere elegant und freundlich zu entkommen: Dann muss man eben durch. Bei noch unbekannten Gesprächspartnern kann man aber vorbauen: Sagen Sie einfach, sie seien Bestattungsunternehmer oder Pathologe, oder gehörten zu deren Hilfskräften. Das klingt immer noch interessanter als etwa »Buchhalter«, es will aber trotzdem meistens keiner mehr weitere Details aus Ihrem Berufsleben wissen, oder hat gar konkrete, darauf bezogene Fragen und Sie können sich nach Herzenslust über andere Themen auslassen — so lange ihr Gegenüber kein Arzt ist.
Sie werden sehen.
Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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