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Nach kaum 20 Jahren: 16:9 setzt sich auch im deutschen Fernsehen durch

Vor der Fußball-WM träumte mancher von der großen Revolution und wünschte sich HD-Bilder auf allen Kanälen. Der Fußball und dazu die WM im eigenen Land sollten das Vehikel werden, um HD in Deutschland endlich zum Laufen zu bringen. Die Meinungen darüber, wie weit das gelungen ist, gehen zweifellos etwas auseinander — aber das große Ziel, HD auf breiter Basis bis zu den Zuschauern zu bringen, wurde definitiv nicht erreicht.

Wenn man aber den Anspruch reduziert, kann man durchaus Auswirkungen erkennen: ARD und ZDF strahlten zur WM Fußball in 16:9 aus – die Sender trauten sich mal was, auch gegen die populistischen Proteste in der Boulevardpresse, die den Zuschauer um sein Fernsehvergnügen betrogen wähnten.

Die WM-Entscheidung der öffentlich-rechtlichen Sender scheint nun endlich den Weg für 16:9 auf ganzer Breite zu ebnen. Ganz nach der Devise »Wenn die Zuschauer sogar Fußball in 16:9 akzeptieren, ohne die Sendergebäude zu stürmen, kann man mehr wagen«, sollen die Endkunden zunächst mal umfassend an das breite Bild gewöhnt werden, als Zwischenschritt zu mehr Bildqualität, die dann nach offiziellen Angaben ab 2010 in HDTV münden soll. In den dritten Programmen der ARD ist 16:9 mittlerweile fast schon Standard, und auch die privaten Sender stellen nach und nach immer mehr Programmanteile auf Breitbild um. So kündigte ProSiebenSat.1 dieser Tage an, man werde künftig verstärkt auf 16:9 setzen und unter anderem eine eigene Show in diesem Seitenverhältnis produzieren.

An die heilige Kuh, die große Nachrichtensendung, hat sich allerdings noch kein Sender getraut. Aber vielleicht setzt auch hier langsam ein Umdenken ein. Wenn schließlich irgendwann auch die »Tagesschau« und »Heute« in 16:9 senden, dürfte auf dem Weg zum breiten Bild eine der letzten Hürden genommen sein.

Während sich am einen Ende der Produktionskette die Zuschauer an die neuen Seitenverhältnisse gewöhnen, beginnen die Sender am anderen Ende, die nächste Stufe in Angriff zu nehmen. Dazu bauen sie zunächst HD-Archive auf, etwa bei Natur-Dokus und bei aufwändigen Musik- und Kulturproduktionen. Verfrüht ist das sicher nicht, denn in zwei Jahren steht mit den olympischen Spielen in Peking das nächste große Sportereignis an — traditionell immer ein guter Anlass, den Zuschauern technische Neuerungen nahe zu bringen. Offenbar wird bei den öffentlich-rechtlichen Sendern tatsächlich darüber nachgedacht, auf welchen Wegen man zumindest in Teilen HD-Bilder aus Peking nach Deutschland liefern könnte.

Schon jetzt sind immer mehr Zuschauer für HD sensibilisiert, immerhin das hat die Fußball-WM bewirkt. Entwicklungen wie HD-DVD und Blu-ray-Disc können in den kommenden zwei Jahren ihr Übriges tun und bewirken, dass die Consumer auch von ihrem »Normalprogramm« eine bessere Qualität wünschen.

Als Produzent sollte man sich daher heute sehr genau überlegen, ob es noch sinnvoll ist, in SD zu produzieren. Kurzfristig spart man damit Kosten ein, aber schon mittelfristig führt diese Form des Kostendiktats in die Sackgasse. Die Frage ist: Wollen Sie sich wirklich in ein paar Jahren grün und blau ärgern, weil Sie heute nicht in HD produziert haben?

Wer seine Produktionen international verkaufen will, muss ohnehin schon jetzt in HD produzieren – und auch in Deutschland wird sich der Markt in diese Richtung ändern.

Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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