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Die Hand, die einen füttert(e)

Nun hat sich also das ZDF von Elke Heidenreich getrennt. Die hatte zuvor versucht, Marcel Reich-Ranicki zu übertreffen. Den wiederum hatte das ZDF dafür, dass er beinahe einen Fernsehpreis abgelehnt hätte, mit einer Sondersendung belohnt. Diese absolvierte Reich-Ranicki dann mit Thomas Gottschalk, dem er zuvor bei besagtem Fernsehpreis öffentlich das Du angeboten hatte. Frau Heidenreich findet Gottschalk aber doof. Viel lieber hätte sie beim Fernsehpreis eine Laudatio auf Reich-Ranicki gehalten und wohl auch die Sondersendung mit ihm gemacht. Und damit sind wir wieder dort angelangt, wo das Fernsehen heute über weite Strecken zuhause ist: bei der Seifenoper.

Die ganze Angelegenheit, die mit der Brandrede des Literaturkritikers beim Deutschen Fernsehpreis begann und in deren Windschatten sich dann Elke Heidenreich selbst demontierte, wurde mittlerweile in den Medien breit diskutiert. Selbst wenn man eine gewisse Sympathie und Verständnis für die Pauschalkritik des Marcel Reich-Ranicki am Massenmedium Fernsehen hegt: Ein paar Aspekte kamen dabei zu kurz.

So stellt sich die Frage, welche Gründe einen zum Deutschen Fernsehpreis treiben, wenn man das Fernsehen insgesamt schrecklich findet? Ist das nicht genauso der eigenen Eitelkeit geschuldet, wie zu glauben, man halte mit seiner eigenen Sendung das letzte Fähnchen im Sumpf der Verdummung hoch?

Kritik ist wichtig — ganz sicher auch in und an den Medien. Aber haben Reich-Ranicki und Heidenreich nicht ebenso wie Kerner, Beckmann, Wickert und viele andere, das Fernsehen als Vehikel genutzt, um nicht nur direkt Geld zu verdienen, sondern auch die eigene Bekanntheit und den eigenen Marktwert zu steigern — und anschließend zu versilbern? Wie viele Käufer würden etwa Wickerts Bücher kaufen, wäre er nicht über das Fernsehen bekannt geworden? Mit hoher Wahrscheinlichkeit wären Heidenreich und Reich-Ranicki zwar auch ohne TV-Präsenz zu einiger Bekanntheit gelangt — aber ebenso sicher nur zu einem Bruchteil dessen, was ihnen unter diesem Aspekt das Fernsehen einbrachte.

Schöner ist es doch, wenn Handeln und Reden — und in manchen Fällen eben auch Schweigen — besser im Einklang stehen. So stellt sich die Frage: Arbeiten denn beim Fernsehen nur Pharisäer? Natürlich nicht — aber man findet dort schon ziemlich viele davon.

Sie werden sehen.

Autor: C. Gebhard, G. Voigt-Müller

Bildrechte: Deutscher Fernsehpreis

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