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Ankunft in der Gegenwart
Handy-TV im engeren Sinn ist tot, es wurde vom mobilen Internet überrollt. Wenn die Handys einen schnellen Internet-Zugang bieten, dann braucht niemand mehr ein spezielles TV-Angebot für sein Handy. Damit sind auch die angedachten Geschäftsmodelle ad absurdum geführt und ein weiteres Mal profitieren hauptsächlich die Telekom-Anbieter von einer neuen Entwicklung im Medienbereich.
Eine der Ideen war es, Fortsetzungsserien mit kurzen, für das kleine Display optimierten Sequenzen im Abo anzubieten. Das hat offenbar nicht geklappt, wie man dieser Tage ein weiteres Mal besichtigen konnte: ProSieben recycelte den ursprünglich fürs Handy entwickelten Stoff »Kill your Darling« als Fernsehfilm. Dass dieser am vergangenen Montagabend mit 1,1 Millionen Zuschauern weit unter dem ProSieben-Schnitt blieb, soll hier nur am Rand erwähnt werden.
Im Licht des frühen Todes zahlreicher Technologien, die im vergangenen Jahrzehnt propagiert worden waren, stellt sich die Frage, ob Veranstaltungen, bei denen die immer gleichen Protagonisten aus Politik und Medienbranche über die Zukunft räsonieren, noch eine Daseinsberechtigung haben. Eine mögliche Antwort: Vielleicht schon, aber offenbar immer weniger auf inhaltlicher Ebene. So charakterisieren sich die Medientage selbst als Medienkongress mit begleitender Medienmesse, diversen Abendveranstaltungen, Medien-Golfcup und Get-together. Außerdem gehört die Verleihung eines Preises für Hobbyvideofilmer zum offiziellen Programm.
Wer braucht ein solch undefiniertes Veranstaltungs-Sammelsurium als Anlass um sich zu treffen? Wäre es nicht einfacher, günstiger und effektiver, wenn sich die jeweils Interessierten ohne Messe zum Golfspielen, zu einem Get-together oder zur Verleihung eines Hobbyvideofilmpreises träfen? Oder hofft doch noch irgend jemand, dass der Medienunternehmer und scheidende Focus-Chefredakteur Helmut Markwort im Rahmen einer Podiumsdiskussion verrät, wie man reich und erfolgreich werden kann? Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Sie werden sehen.
Autor: C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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