Postproduction, Top-Story, Veranstaltung: 27.10.2022

Adobe Round Table: Automatisierung in der Post

Durch Automatisierung kann die Postproduktion effizienter werden, aber bietet sie auch Chancen, kreativer zu werden?

Adobe brachte in München …

Bereits zum zweiten Mal richtete Adobe in München, einem der Unternehmenssitze in Deutschland, gemeinsam mit film-tv-video.de den Adobe Round Table aus. Die Runde diskutierte über verschiedene Aspekte der Automatisierung in der Postproduktion und warf Fragen auf wie: Ist Automatisierung für die Postproduktion eher ein Booster oder ein Jobkiller? Wie kann Automatisierung kreative Kräfte freisetzen und unterstützen? Wo stehen wir auf diesem Weg? Welche Entwicklungsrichtungen könnte die Automatisierung in der Zukunft gehen?

Adobe Round Table, Teilnehmende, © Nonkonform
… beim Adobe Round Table Medienprofis aus verschiedenen Bereichen zusammen.

Eine Gesprächsrunde von Medienprofis aus verschiedenen Bereichen — von der Kundenseite und von Adobe. Dabei diskutierten die freie Spielfilm-Editorin Ana de Mier y Ortuño, Senior Manager Video Editors Verena Steib von Red Bull Media House, Executive Creative Direction Motion Design Angelika Schneider von Sixt gemeinsam mit einem Team aus dem Bereich Strategic Development von Adobe: David Helmly, Head of Strategic Development, Morgan Prygrocki, Senior Strategic Development Manager und Samantha Bacon, Strategic Development Manager für Video, Central Region. Michael Gamböck, Principal Partner Manager, war per Videokonferenz zugeschaltet.

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Die Teilnehmenden (v. l. n. r.): Samantha Bacon/Adobe, Ana de Mier y Ortuño, Morgan Prygrocki/Adobe, David Helmly/Adobe, Verena Steib/Red Bull Media House, Angelika Schneider/Sixt.
Adobe, Premiere, Screenshot, © Nonkonforrm
In verschiedenen Bereichen hat Adobe Automatisierungsfunktionen eingeführt.

Mit Funktionen wie Sprache zu Text, mit dem Audio-Automatisierungs-Tool Remix und diversen anderen unterstützenden Workflows (Beitrag) steckte Adobe besonders in den vergangenen beiden Jahren sehr viel Arbeit und Knowhow in diverse Aspekte der Automatisierung. Wie kommt das bei den Expertinnen von der Anwenderseite an, die ja alle in der Postproduktion tätig sind, aber doch in ziemlich unterschiedlichen Bereichen arbeiten? So entwickelte sich der Adobe Round Table zu einer interessanten Analyse zum aktuellen Status Quo der Automatisierung.

Adobe Round Table, Verena Steib, © Nonkonform
Verena Steib, Red Bull.
Automatisierung im Einsatz

In Postproduktion-Softwares gibt es mittlerweile etliche Funktionen, mit denen sich einzelne Aufgaben oder auch ganze Workflow-Abschnitte automatisieren lassen. Verena Steib erläuterte, dass Red Bull für die Automatisierung insbesondere die Möglichkeiten im Bereich Reframing nutzt – etwa bei Mountainbike-Wettbewerben. »Ich glaube, dass sich Automatisierung für solche Aufgaben ideal eignet. Für diese repetitiven Jobs muss man nicht die Zeit eines oder einer Editor*in beanspruchen«, sagt sie.

Adobe Round Table, Angelika Schneider, © Nonkonform
Angelika Schneider, Sixt.

Auch Angelika Schneider von Sixt schätzt durchaus die Vorteile von Automatisierung. Ihr Department liefert im Unternehmen Videoinhalte für unterschiedlichste Länder und unterstützt Sales wie auch die Messe- und Eventabteilung mit lokalisiertem Content. Hierfür müssen beispielsweise Titel ausgetauscht oder Logos ersetzt werden. »Bei der großen Menge an internationalen Partner*innen, die wir haben, ist eine Möglichkeit zur Automatisierung solcher Jobs absolut hilfreich«, so Angelika Schneider. Sie wünscht sich eigentlich sogar noch mehr Funktionen für Automatisierung und stimmt mit Verena Steib überein, dass etwa die Reframing-Funktion sehr nützlich sei. Für ihre Arbeit wäre es zudem gut und sehr wünschenswert, wenn auch Motion Animationen per Reframing-Funktion adaptiert werden könnten, ergänzt sie.

Adobe Round Table, Angelika Schneider, Morgan Prygrocki, © Nonkonform
Die Automatisierungs-Game-Changer waren für Angelika Schneider (links) Mogrts und die Remix-Funktion.

Leider sei es aber in der Praxis auch so, dass sie und ihr Department bestimmte Funktionen gar nicht nutzen könnten, weil es in der IT-Abteilung des Unternehmens Sicherheitsbedenken gebe, erläuterte Schneider. 

Besonders in großen Unternehmen (und nicht nur dort) spiele Cyber-Security eben berechtigterweise eine große Rolle, sagt Angelika Schneider, aber das erschwere insbesondere den Einsatz von Automatisierungs-Tools, die Schnittstellen zu internen Systemen benötigen.

Adobe Round Table, Ana de Mier y Ortuño, © Nonkonform
Ana de Mier y Ortuño.

Ana de Mier y Ortuño, die als Spielfilm-Editorin ausschließlich kreativ arbeitet, nutzt für ihre Arbeit hingegen keine Automatisierungs-Tools, die in irgendeiner Weise in ihre kreative Gestaltung eingreifen würden. Sie glaubt auch nicht, dass irgendeine Art von Automatisierung ihre Arbeit übernehmen könnte. »Die Schnittassistent*innen nutzen aber natürlich Automatisierungs-Tools, etwa für den Export oder auch fürs Reframing. Indirekt profitiere ich davon, weil ich dadurch länger schneiden und mein Material später abliefern kann«, so Ana de Mier y Ortuño.

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David Helmly findet, dass Automatisierung jene Jobs übernehmen sollte, die der Kreativität im Weg stehen.

Diesen Punkt hebt David Helmly besonders hervor. Er findet: »Automatisierung sollte viel öfter wie eine Schnittassistenz fungieren und jene Jobs übernehmen, die der Kreativität im Weg stehen.« Oft müsse man aber auf der Entwicklungsseite erst einmal herausfinden, welche Aufgaben sich wirklich nutzvoll automatisieren ließen – und dabei helfen können, die Content Supply Chain zu optimieren.

Helmly ergänzte dabei, dass insbesondere bei großen, internationalen Produktionen, die weltweit mit unzähligen Schnittversionen arbeiten, Automatisierung ein Riesenvorteil sei.

Adobe Round Table, Morgan Prygrocki, © Nonkonform
Morgan Prygrocki, Adobe.

Morgan Prygrocki bestätigt dies, wenn sie sagt, dass es Adobe letztlich immer darum gehe, jene Arbeitsschritte abzukürzen, die dann wieder mehr Zeit für wirklich kreative Arbeit schaffen. Im Rahmen des Konzepts der Content Supply Chain bemühe sich Adobe darum, doppelte Arbeitsschritte auszumerzen. Wenn man etwa an unterschiedlichen Stellen im Produktionsprozess immer wieder dieselben Aufgaben ausführen müsse, dauere das im Einzelfall vielleicht nur ein, zwei Minuten, über ein ganzes Projekt betrachtet kämen aber in der Summe auf diese Weise teilweise sogar Tage zusammen. »Und genau hier kann Automatisierung helfen, effizienter und auch wirtschaftlicher zu arbeiten«, so Morgan Prygrocki. Sie zielt darauf ab, dass Automatisierung oft in kleinen Aspekten ansetze und umgesetzt werde, die von den Anwender*innen gar nicht als Automatisierung wahrgenommen würden, die aber den Flow verbesserten und effizienter gestalteten. Sie ergänzt: »Wir wollen damit ganz klar keine Jobs killen. Uns geht es vielmehr darum, den Kreativen für ihre eigentliche Arbeit wieder mehr Zeit zu verschaffen.«

Frame.io-Ansicht in Premiere.
Frame.io: Review und noch viel mehr

Ein zentrales Produkt, das Workflows optimieren, aber auch völlig neue Arbeitsweisen ermöglichen soll, sieht Adobe in Frame.io. Das ist einerseits ein Review-Tool, andererseits aber auch ein mächtiges Werkzeug, das direkte Camera-to-Cloud-Workflows ermöglicht.

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Verena Steib resümiert, dass die Funktion Auto Reframe für ihr Unternehmen durchaus ein Game-Changer war.

Verena Steib von Red Bull erläuterte: »Frame.io kommt für externe Reviews zum Einsatz. Auch bei unseren Remote Workflows und Outdoor-Produktionen haben wir Anwendungsbereiche und verwenden zum Beispiel Camera-to-Cloud Lösungen

Adobe Round Table, David Helmly, © Nonkonform
David Helmly, Adobe.

David Helmly hob hervor, dass Frame.io perspektivisch ganz neue Möglichkeiten biete. So könne das, was an einem Ort am Set gedreht werde, unmittelbar nach der Übertragung der Daten an einem anderen Ort beurteilt und bearbeitet werden. Speicherkarten würden irgendwann obsolet, ebenso mühseliges Herunterladen des Footage.

»Physikalische Datenträger werden schneller verschwinden, als viele glauben«, betont auch Morgan Prygrocki. Sie ergänzt, dass es heutzutage auch weniger Internet-Anbindungsprobleme gebe. Selbst wenn man an einem sehr abgelegenen Ort sei, gebe es mittlerweile technische Möglichkeiten, Material in die Cloud zu verschicken – etwa mit Übertragungs-Systemen mit gebündelten Sim-Karten oder auch per Starlink-Satelliten-Anbindung.

Remote und Cloud

Einig waren sich alle Anwesenden, dass die Pandemie den Einsatz von Remote Workflows enorm beschleunigt habe. »Bei unseren Produktionen stellen wir fest, dass Editor*innen immer seltener bei einer Produktion vor Ort mit dabei sein müssen. Stattdessen können sie in 50-60 % der Fälle im Hauptquartier bleiben und dort unter optimalen Bedingungen schneiden«, so Verena Steib.

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Ana de Mier y Ortuño.

Auch Ana de Mier y Ortuño sieht großes Potenzial in Remote-Workflows. Bei den Spielfilmprojekten, an denen sie arbeitet, wird üblicherweise mit Proxys geschnitten. Die Möglichkeit, mit mehreren Editor*innen an einem Projekt zu arbeiten, hält sie ebenfalls für sehr attraktiv.

Was sie sich ebenfalls wünscht, ist eine automatisierte Funktion, die das Material Line-by-Line sortiert. Das bedeutet, dass von jeder Szene, die gedreht wird, jeweils alle Einstellungen eines bestimmten Satzes im direkten Zugriff aufgereiht werden, so dass man beim Schnitt sehr leicht den jeweils besten Take des gedrehten Satzes auswählen kann. Dieses Vorsortieren des Materials sei für die Schnittassistent*innen sehr aufwändig, und dafür eine Automatisierung zu haben, wäre sehr hilfreich, so Ana de Mier y Ortuño.

David Helmly ergänzt, dass an dieser Stelle auch die Erfassung von Metadaten eine große Rolle spiele. Befinde sich das Material erst einmal in der Cloud, wünschten sich die Kunden seiner Erfahrung nach dann auch oft eine schnelle Sprache zu Text Erkennung oder auch eine Verschlagwortung der hochgeladenen Szenen. »Wir sehen oft, dass mit dem Wechsel in die Cloud ganz neue Wünsche auftauchen, weil plötzlich neue Potenziale erkannt werden«, so Helmly.

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Angelika Schneider, Sixt.
Bremsklotz IT?

Angelika Schneider berichtete, dass viele neue Funktionen für ihr Team nicht nutzbar seien, weil eben die IT im Unternehmen das aus Sicherheitsgründen nicht erlaube, und hat damit noch einmal einen wichtigen Aspekt angeschnitten: Cyber Security durchkreuze vielfach den Einsatz neuer Software-Funktionen.

Morgan Prygrocki erläutert, dass Hollywood in puncto Cloud noch eher zögerlich agiere.

Dieses Problem kennt auch Morgan Prygrocki, die in Hollywood mit einer Industrie zu tun hat, die ihre Assets schützen muss und in puncto Cloud deshalb sehr vorsichtig agiere. »Seit Sony vor einigen Jahren gehackt wurde, sind die Studios sehr sensibilisiert und extrem zurückhaltend, was den Einsatz neuer Cloud-Technologien betrifft«, so Morgan Prygrocki. Adobe sei aus diesem Grund verstärkt in diversen Standardisierungsgremien tätig, etwa DDP und Movie Labs, um solche Probleme zu lösen.

Adobe Round Table, Samantha Bacon, © Nonkonform
Samantha Bacon, Adobe.

Samantha Bacon ergänzt, dass es oft helfe, wenn Kreativ- und IT-Abteilungen an einen Tisch gebracht würden. »Oft ändert sich dann die Perspektive, und die Departments beginnen dann, sich langsam aber sicher bestimmten Aspekten von Cloud-Diensten zu öffnen, die in den Arbeitsabläufen genutzt werden können«, so Samantha Bacon.

»Oft hilft es auch, die IT-Departments unterschiedlicher Broadcaster zusammen zu bringen. Wenn sich die Spezialist*innen direkt unterhalten, ergeben sich oft neue Lösungsansätze« sagte David Helmly.

Vision MovieLabs 2030

Wie sich der Media- und Entertainment-Markt in puncto Cloud-Workflows weiterentwickeln könnte, dafür gibt es eine Studie, die von großen Hollywood-Studios in Auftrag gegeben wurde: die Studie des Motion Picture Laboratory »The Evolution of Media Creation«. Sie beleuchtet in einem umfangreichen White Paper, wie sich Medienproduktion, Postproduktion und kreative Technologien in den nächsten zehn Jahren verändern könnten — und wahrscheinlich werden.

Die Movielabs-Studie skizziert, wie sich der Media- und Entertainment-Markt in puncto Cloud-Workflows weiterentwickeln könnte.

Eine Kernthese dieses Papers lautet, dass alle Assets künftig direkt in die Cloud wandern werden, gleichgültig ob sie nun direkt aus der Kamera, von einem Post-Haus oder einem Studio stammen. Einmal in der Cloud gespeichert, könne dann im nächsten Schritt auch die gesamte Bearbeitung der Assets in der Cloud stattfinden — und schließlich auch die Ausspielung, die Verwertung. Die Assets würden die Cloud nach dieser Lesart somit gar nicht mehr verlassen.

Um dieser Vision ein Stück näher zu kommen, müssen allerdings etliche Schritte eingeleitet werden, findet Morgan Prygrocki. Derzeit gleiche die Postproduktion eher einer Zickzacklinie: Hinein in die Cloud, heraus aus der Cloud, hinein in die Cloud. Das gelte es zu verändern, nicht zuletzt wegen der Kosten, die durch häufiges Hoch- und Herunterladen (egress) entstehen könnten.

Hilfreich sei es auch, mit einem Trusted Partner Network zu arbeiten, so David Helmly. Das öffne im sensitiven IT-Bereich viele Türen und beschleunige Abläufe, weil dann die einzelnen Unternehmen nicht immer wieder aufs Neue zertifiziert werden müssten. Dies werde auch ganz generell für eine schnellere Akzeptanz von Cloudlösungen sorgen, glaubt Helmly.

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Angelika Schneider, Sixt.
Mehr Automatisierung – aber welche?

Auf die Frage, welche neuen Automatisierungsfunktionen sie sich wünschen würde, antwortet Angelika Schneider, dass für sie eine Bereinigungsfunktion für Daten sehr hilfreich wäre. Sie erklärt: »Wenn man ein Video schneidet, hat man oft viel Material, das man am Ende des Projekts nicht aufräumt, weil schon das nächste Projekt drängt. Das belegt aber sehr viel Speicherplatz — und unter Umständen wird dieses Datenvolumen dann auch noch mehrfach in die Cloud und wieder aus der Cloud hin und her transportiert – und das ist eben weder nachhaltig noch sinnvoll.«

Die Projektmanagement-Software Helmut erleichtert Postproduction Workflows.

Michael Gamböck merkt dazu an: »Hersteller wie MoovIT haben sich dieses Problems angenommen und mit deren Tool Helmut eine Projektmanagement-Software entwickelt haben, die genau solche Workflows angeht.« 

Zudem gibt es mit »Sequenz vereinfachen« bei Premiere Pro ein Automatisierungstool, das zumindest innerhalb einer Sequenz Daten »aufräumt«.

Filmeditorin Ana de Mier y Ortuño erläutert, dass es für sie sehr hilfreich wäre, eine Funktion zu haben, die vorhandenes Material anhand bestimmter Suchkriterien scannt. Sie erklärt: »Oft baut man aus unterschiedlichen Einstellungen, die ursprünglich für verschiedene Zwecke gedreht wurden, eine Szene zusammen. In diesen Fällen ist es enorm zeitaufwändig, den jeweiligen Shot zu finden, der passt. Eine gute, auf Metadaten-basierende Suche wäre toll.« Das hätte auch den angenehmen Nebeneffekt, dass Schnittassistent*innen mehr Zeit hätten für andere Jobs, etwa die Arbeit an Sound Design oder an VFX-Shots. Sie bilanziert: »Ich denke, alle Arten von Optionen zum Sortieren von Clips und zum Extrahieren von Teilen davon wären fantastisch, wenn das automatisiert werden könnte.«

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Morgan Prygrocki, Adobe.

Bei all der Begeisterung über AI-Funktionen findet Morgan Prygrocki, dass es für die Hersteller auch wichtig sei, immer das richtige Maß zu finden. Man wolle Kreativität nicht mit zu viel Künstlicher Intelligenz, Technik und Automatisierung kaputtmachen, sagt sie. Ana de Mier y Ortuño findet aber, dass jedes Feature, das sich ein-, aber auch ausschalten lasse, letztlich hilfreich sei.

Angelika Schneider erläuterte, dass es in ihrem Arbeitsbereich Fälle gebe, in denen sogar so etwas wie komplett automatisierte Edits helfen könnten. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass man bestimmte Schnittkriterien eingeben könne. Konkretes Beispiel: Von einem Firmen-Event soll ein Zusammenschnitt des Events mit den Besucher*innen entstehen. Das sei aus kreativer Sicht keine besonders anspruchsvolle Schnittaufgabe. Wenn eine wie auch immer geartete KI einige Parameter berücksichtige, könnte man hier durchaus auch mit einer Automatisierung arbeiten, findet Angelika Schneider.

Michael Gamböck nahm remote teil.

Michael Gamböck wies darauf hin, dass im Live-Sport-Bereich die automatisierte Analyse von Material schon sehr weit fortgeschritten sei. Dies ermögliche beispielsweise automatisierte Highlight-Schnitte. Daran könne man ablesen, wie gut solche Tools akzeptiert würden, wenn sie die Arbeit erleichterten.

Um so etwas zu realisieren, sind allerdings umfassende Metadaten notwendig. Doch auch hier gelte es, das richtige Maß zu finden, so Morgan Prygrocki, denn »zu viel Metadaten erschlagen die Editor*innen.« Sie führte noch einen weiteren wichtigen Aspekt an: »Nur weil wir eine Automatisierung haben, bedeutet das nicht, dass uns die ganze Arbeit abgenommen wird. Wir brauchen immer noch eine menschliche Qualitätskontrolle.«

Adobe Round Table, Verena Steib, © Nonkonform
Verena Steib, Red Bull.

Ein weiterer Aspekt: Nicht alles, was sich automatisieren lässt, funktioniert auch inhaltlich. So lassen sich heutzutage per Automatisierung aus einem 16:9-Clip zwar relativ problemlos 9:16-Ausschnitte generieren, das bedeute aber nicht, dass diese Inhalte zwangsläufig auch für Hochkant-Clips auf TikTok geeignet seien. »Das muss man definitiv kritisch im Auge behalten, besonders wenn man Inhalte für TikTok erstellt«, sagt Verena Steib. Für Red Bull gesprochen bedeute dies: Man müsse »das Adrenalin der 16:9-Clips adäquat in 9:16-Clips übertragen.« Steib erläutert, dass Red Bull besonders großen Wert darauf lege, das jeweilige Thema von Anfang an für den jeweiligen Kanal zu konzipieren und zu gestalten.

Adobe Round Table, Morgan Prygrocki, © Nonkonform
Morgan Prygrocki, Adobe.

»Wer heute Content erstellt, muss auf mindestens zwei Bildschirmen konkurrieren. Neue Plattformen wie TikTok verschnellern den Konsum durch quasi unendlich viel Content. Bei Adobe arbeiten wir deswegen an Features, die dabei helfen, den steigenden Bedarf an noch mehr Assets und Abformaten zu decken. Dabei hilft clevere Automatisierung zeitraubender und nerviger Aufgaben, die der kreativen Arbeit oft im Weg stehen«, urteilt Morgan Prygrocki. 

Verena Steib hat an dieser Stelle einen ganz konkreten Wunsch. Sie fände es gut, wenn man schon bei der Erstellung der Social Media Clips in Premiere Pro sehen könnte, an welcher Position im Bild des Clips später Play- oder andere Buttons der jeweiligen Social-Media-Plattform erscheinen. Das könnte man dann schon beim Erstellen des Contents berücksichtigen, sagt sie.

Auch Angelika Schneider hat noch einen Wunsch: Sie fände es gut, wenn sie projektgebunden ein Preset für den Media-Encoder-Export definieren könnte. »Das würde uns viel Zeit sparen.«

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Verschiedene Blickwinkel auf das Thema Automatisierung führten zu einem lebhaften Gespräch.
Perspektiven

Wenn es so etwas wie ein Resümee zum Thema Automatisierung gibt, dann dieses: Alles, was hilft, repetitive Arbeiten zu automatisieren, ist willkommen. Wenn dabei mehr Zeit für die Kreativität bleibt, ist es umso besser.

Mit OpenTimelineIO sprach David Helmly am Ende der Adobe Round Table-Session noch ein Projekt an, dass derzeit an Fahrt aufnimmt. Die Idee von OpenTimelineIO besteht darin, ein Format zu entwickeln, das es erlaubt, Timelines zwischen unterschiedlichen Editing-Programmen wie beispielsweise Adobe Premiere Pro, DaVinci Resolve oder Final Cut Pro ohne Umwege austauschen zu können und die Projekte direkt öffnen und bearbeiten zu können. In Anlehnung daran gibt es auch OpenColorIO, die entsprechende Initiative für Farbinformation und Color Grading.

Man könne derzeit noch keine konkrete Angabe machen, wann OpenTimelineIO in Adobe-Programmen verfügbar werde, sagt Helmly, aber man spreche mit den anderen Software-Herstellern und strebe eine Lösung dafür an, diese Workflows zu verbinden.

So viel ist sicher: OpenTimelineIO käme in der Editing-Community sicher hervorragend an. Und dass nun endlich mehrere Hersteller ernsthaft daran arbeiten, ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Teilnehmende
Adobe Round Table, Verena Steib, © Nonkonform
Verena Steib, Red Bull.

Verena Steib, Red Bull Media House
Senior Manager Video Editors

Nach einer Ausbildung bei der BAF war Verena Streib bei ProSiebenSat1, bevor sie zu Red Bull Media House wechselte. Sie war lange Zeit als Editorin tätig und ist eine ausgewiesene Expertin in der Postproduktion.

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Angelika Schneider, Sixt.

Angelika Schneider, Sixt

Executive Creative Direction Motion Design, Sixt

Angelika Schneider ist bei der Autovermietung Sixt im internen Film Department tätig. Sie hat den Bereich aufgebaut und betreut nicht nur die Content Produktion, sondern versucht auch stetig die Produktionsprozesse zu verbessern. Zuvor war sie in einer Agentur tätig.

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Ana de Mier y Ortuño.

Ana de Mier y Ortuño

Ana de Mier y Ortuño ist eine deutsch-spanische Filmeditorin.

2019 wurde sie für den Deutschen Filmpreis in der Kategorie Bester Schnitt nominiert.

Die Nominierung erhielt sie für ihre Montage des Jugendfilms »Das schönste Mädchen der Welt«

Sie ist Mitglied der Deutschen Filmakademie, der Europäischen Filmakademie und im Bundesverband Filmschnitt Editor e.V. (BFS). 

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Morgan Prygrocki, Adobe.

Morgan Prygrocki, Adobe

Senior Strategic Development Manager

Morgan Prygrocki ist Teil des Adobe Strategic Development Teams.

Sie betreut Spielfilm- und Postproduktionskund*innen in Hollywood.

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David Helmly, Adobe.

David K Helmly, Adobe

Head of Strategic Development
David Helmly arbeitet bereits seit 31 Jahren in der Videoindustrie, 27 davon bei Adobe.

Als Leiter für Strategic Development bei Adobe befasst er sich intensiv mit aktuellen Techniktrends und -Tendenzen. Sein Team ist im engen Austausch mit den Kund*innen und versucht, deren Wünsche und Anforderungen in den Adobe-Produkten zu berücksichtigen.

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Samantha Bacon, Adobe.

Samantha Bacon, Adobe

Strategic Development Manager für Video in der Central Region

Sie war in den vergangenen fünf Jahren bei Adobe als Customer Success Manager aktiv und betreut nun die Enterprise Broadcaster in dieser Region.

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Michael Gamböck, Adobe.

Michael Gamböck ist bei Adobe Principal Partner Manager und kümmert sich weltweit um Partnerschaften. Er nahm remote teil.

Christine Gebhard und Gerd Voigt-Müller von film-tv-video.de moderierten den Adobe Round Table.