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Der i-Faktor

Vor etwa 10 Jahren dachten Hersteller wie Avid und Adobe laut und deutlich darüber nach, ihre Produktlinien für die Apple-Macintosh-Plattform einzustellen. Sie waren von der damaligen, sprunghaften Produktpolitik des Hardware-Herstellers entnervt, außerdem wurde die Windows-Plattform in Bezug auf Video-Handling immer leistungsfähiger und bot die besseren Perspektiven hinsichtlich der Prozessorleistung. Was dann kam, ist Geschichte: Heute steht Apple jedenfalls besser da als je zuvor — und auch die Rechnersparte des Unternehmens trägt dazu ihren Teil bei.

Die Messebesucher der NAB konnten nun den Anfang von etwas erleben, was ein neuer Siegeszug für Apple werden könnte — und das, obwohl Apple in Las Vegas gar nicht ausstellte. Neben der fast schon erschreckend hohen iPhone-Dichte in den Messehallen der NAB, gab es an vielen Stellen auch Apples neuesten Fetisch zu bestaunen: das iPad. Der Touch-Computer schickt sich an, nach iPod und iPhone der nächste Knüller zu werden. Denn obwohl es am iPad etliche Kritikpunkte gibt, kauften die ausländischen Messebesucher den Apple-Shop in Las Vegas leer und auch an zahlreichen Ständen war das iPad schon präsent — teilweise nicht nur als dekoratives Spielzeug, sondern schon mit dem einen oder anderen nützlichen App für die Medienbranche bestückt.

Apple hat es jedoch nicht nur geschafft, in die Hosen- und Aktentaschen von gefühlten 90% der Messebesucher zu schlüpfen, sondern auch in die Gebäude ihrer Arbeitgeber: Broadcaster und deren Zulieferer zählen heutzutage ebenso zu den Apple-Kunden, wie Postproductionhäuser, TV- und Spielfilmproduzenten. Die Software Final Cut Pro macht Avid das Leben schwer und ist mittlerweile nahezu überall zu finden –— bei großen News-Installationen ebenso, wie bei kleinen Einmann-Produktionsfirmen.

Apple ist allgegenwärtig —— auch da, wo man Apple nicht unbedingt erwarten würde. So hat etwa Arri entschieden, bei der neuen Alexa-Digitalkamera, die ab Sommer ausgeliefert werden soll, als Codec für die On-Board-Aufzeichnung den ProRes-Codec von Apple zu nutzen. Für Autodesk ist Smoke on Mac schon jetzt eine Erfolgsstory. Selbst Apple-Erzrivale Avid wird zähneknirschend in der kommenden Version des Media Composers den ProRes-Codec unterstützen.

Was wird Apples Omnipräsenz in der Branche bewirken? Was bleibt von der Konkurrenz mittelfristig noch üblich? Und was passiert, wenn Apple vielleicht irgendwann die Lust am professionellen Videobereich verliert?

Editing-Software ist auf dem besten Weg, sich zur Commodity zu entwickeln, wie es Branchen-Insider schon vor Jahren vorhergesagt hatten: Zu einem Stück Software also, das quasi zur Grundausstattung eines Rechners gehört. Ganz soweit ist es zwar noch nicht, aber ein gutes Stück des Weges hat Apple schon hinter sich — und hat dabei vorgemacht, wie man trotz dieser Entwicklung weiter Geld verdient kann: Mit einer ressourcen-hungrigen Software, die den Verkauf der eigenen Hardware unterstützt und die »off-the-shelf« und nach dem Motto »take it or leave it« vermarktet wird: Anpassungen oder tiefergehender Support gehören nicht zu Apples Leistungsspektrum. Ob dieses Modell für die Film- und Broadcast-Branche wirklich taugt, das wird sich erst weisen.

Sie werden sehen.

Autor: C. Gebhard, G. Voigt-Müller

Bildrechte: Apple

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