Branche, Report, Storage, Top-Story: 28.07.2012

Von Audio zu Video

Der Hörfunkbereich hat durch die Digitalisierung tiefgreifende Veränderungen in Bezug auf den Umgang mit dem Content erlebt, die nun auch im Videobereich stattfinden. Dabei könnte Video vom Know-how der Audio-Digitalisierung profitieren, meint Media-Logic-Geschäftsführer Robert Trebus im Gespräch mit film-tv-video.de.

»Wenn man anfängt, über vernetzte Arbeitsabläufe nachzudenken, spielen dabei auch Fragen wie „Wer ist Eigentümer des Contents, wer darf was und wann machen – und wer trägt Verantwortung für den Content?“ eine maßgeblich Rolle«, erläutert Robert Trebus. Aus seiner Sicht wurde dieses Thema bei der Hörfunkdigitalsierung schon umfassend diskutiert und die Grundfragen eigentlich gelöst. Im Videobereich finden nun aber wieder ganz ähnliche Diskussionen statt und aus der Sicht von Robert Trebus könnte und sollte man dabei vom Know-how aus der Hörfunkdigitalisierung profitieren. Er verdeutlicht das an einem simplen Beispiel: »Beim User-Management geht es darum, zu klären, wer was wann machen darf und welche Hierarchiestufen von Anwendern es gibt. Solche Fragen sind unabhängig davon, ob es sich um einen Audio- oder einen Videobeitrag handelt. Natürlich sind aus technischer Sicht mehr Daten zu bewältigen, wenn es um Video geht – aber das muss den Endanwender im Grunde nicht interessieren – der will schließlich nur wissen „Welchen Prozess und welche Verantwortung übernehme ich und was muss ich tun“.«

Sehen das die Sender auch so, gibt es dort ebenfalls Bestrebungen, Audio und Video besser zu vernetzen und von der Audiodigitalisierung zu profitieren? Durchaus, sagt Robert Trebus ,wenngleich er glaubt, dass dort eher die Multimedia-Abteilungen die treibenden Kräfte sind. »Die Web-Vermarktung presst Bild und Ton enger zusammen«, konstatiert Trebus und ergänzt: »Die Tonbearbeitung ist Teil des gesamten Produktionsprozesses, also muss sie auch in diesen Prozess integriert sein. Sie kann nicht als Insellösung außen vor stehen. Das ist nicht effizient, nicht zeitgemäß und auch nicht preiswert.«

Dominiert IT den Broadcast-Bereich?

Trebus sieht die Tendenz, dass bei großen Projekten immer mehr IT-Infrastruktur-Vorgaben die Oberhand gewinnen und die Medien-Workflows dominieren: »Dann reden IT-Leute über Arbeitsabläufe in der Bild- oder Tonproduktion. Hier wird meiner Meinung nach eine rote Linie überschritten«, urteilt Robert Trebus und sagt: »Ich betrachte die IT-Technologie als Werkzeug, aber nicht als Kreativmoment. Doch leider sehen wir sehr oft, dass die IT-Infrastruktur zu viel Einfluss nimmt und dadurch die Kreativität gehemmt wird.«.
Die einzelnen Mitarbeiter mitzunehmen, wenn es darum geht, neue Arbeitsabläufe einzuführen, hält Trebus daher für einen entscheidenden Erfolgsfaktor bei solchen Projekten. »Wir haben schon mehr als einmal erlebt, dass beispielsweise Asset-Management-Systeme mit dem Holzhammer eingeführt und anschließend vom Betrieb systematisch boykottiert wurden«. Eine höhere Effizienz werde so natürlich nicht erreicht.

Anpassung der Produkte oder Anpassung der Hersteller?

Wie stark müssen die Systeme der Hersteller bei den großen Senderinstallationen angepasst werden? Robert Trebus meint, dass dies häufig erforderlich ist, vor allem dann, wenn Produkte aus unterschiedlichen Welten zusammenkommen: So hat Media Logic etwa eine Anbindung einer Fairlight-Konsole an Avids Interplay geschaffen, die es ermöglicht, mit surround-fähigen Fairlight-Audiosystemen den Ton von Beiträgen zu bearbeiten, die zuvor an Media Composern geschnitten wurden.

Solche Anpassungen sind für Trebus das Salz in der Suppe, »denn oft gibt es bei den Herstellern produktpolitische Grenzen, die aber für Workflows überschritten werden müssen«. Dass es dabei große strukturelle, aber auch regionale Unterschiede gibt und nicht etwa einen einheitlichen Workflow, macht es für die Hersteller allerdings nicht leichter, ihre Produkte nach den Wünschen der Anwender weiterzuentwickeln. »Auch ein großer Hersteller kann es nicht leisten, eine Vielzahl an Schnittstellen oder anpassungsfähigen Modulen anzubieten«, glaubt Trebus, und hier sieht er großes Potenzial für Systemhäuser und innovative Entwicklungsfirmen, die dazu eher in der Lage seien.

Marktkonsolidierung

Wird sich der Broadcast- und Postproduktionsmarkt weiter konsolidieren, nachdem in den vergangenen Jahren etliche Hersteller die Segel streichen mussten oder von anderen Firmen geschluckt wurden? Robert Trebus prognostiziert, dass diese Entwicklung ihren Höhepunkt noch nicht ganz erreicht habe, der Markt gleichwohl nie auf große Hersteller verzichten werde. »Ich gehe aber davon aus, dass es künftig mehr kleine Firmen geben wird, die Produkte der großen Hersteller untereinander verbinden und besser vernetzen«, meint Trebus.

»Heute sind nicht mehr die Investitionen in das Equipment ausschlaggebend, sondern jene in den Workflow. Gleichgültig, wie preiswert Hard- oder Software sein wird: für komplexe Arbeitsabläufe ist immer eine bestimmte Menge an Beratung und Planungszeit notwendig, und die muss auch bezahlt werden.« Robert Trebus ist sich sicher: »Das wird sich nie ändern – gerade auch durch die massive Einführung von IT-Technik.«

Techniktrends

Cloud-Technologien sind schon eine ganze Weile virulent, und im Consumer-Bereich haben es schon etlicher Hersteller geschafft, ihre Kunden von der Cloud zu überzeugen und die Endanwender motiviert, ihren Content in die Cloud zu schaufeln. Im professionellen Bereich sieht Trebus diese Entwicklung aber durchaus skeptisch: »Ich bin kein Freund der Cloud und glaube auch nicht daran, dass hier der Schutz des Eigentums dauerhaft gewährleistet ist. Diese Einschätzung teilen auch viele unserer Kunden.«

Für sehr realistisch hält er dagegen den Einzug von Produktions-Tools wie webbasiertem Editing oder Remote Production. Gerade im Sportbereich sieht er dafür Potenzial, weil sich damit die Produktionsteams vor Ort – etwa bei einer Fußball-WM oder bei Olympischen Spielen – reduzieren lassen.
Der Einsatz von iPads als Frontend-Systeme ist eine weitere Entwicklung, die Trebus an vielen Stellen auf dem Vormarsch sieht. Die Herausforderung besteht hier aus seiner Sicht in der Einbindung dieser Standalone-Systeme in vernetzte Produktionsumgebungen.

Media Logic: Firmengeschichte
Media Logic ist Teil eines Unternehmensverbundes, zu dem unter anderem etliche große Musikgeschäfte in Deutschland gehören. Robert Trebus ist Geschäftsführer bei Media Logic. In der Branche ist er kein Unbekannter: Zuvor war er unter anderem bei Fairlight, Philips und Avid tätig und hatte in dieser Phase immer stark den Audiobereich im Fokus. Bei diesen Stationen spielte allerdings auch immer IT-Broadcast-Automation und Video-Editing eine Rolle. Aus den Erfahrungen aus diesen Bereichen entstand letztlich die Idee, ein Unternehmen zu gründen, das bereichsübergreifend arbeitet und Audio, Video und IT vereint.

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Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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