Report, Top-Story: 21.07.2000

1080/24P-Special: Hintergrund zu Gone Underground

Die Entstehungsgeschichte und der Produktionsablauf von »Gone Underground« forderten Flexibilität und Pioniergeist von allen Beteiligten. Trotzdem sollte das Ganze nicht nur ein Pilotprojekt zum reinen Rumprobieren werden, sondern es ging immer darum, einen richtigen, vollwertigen Kino-Kurzfilm zu produzieren.

Szenenfoto aus »Gone Underground«.

Wie klingt das für Sie: »Gone Underground« wurde mit einer Sony-24P-Kamera gedreht, von der zwei Tage vor Drehbeginn noch nicht klar war, ob Sie tatsächlich eintrifft. In einem Aufzeichnungsformat, für das es zum Drehzeitpunkt in Europa keine Bänder gab. Mit einem Team, das zunächst ohne Gage arbeiten sollte, darunter die Schauspielerin Katja Flint und der DoP Michael Ballhaus.

Michael Ballhaus und Katja Flint am Set.

Die gute Nachricht zuerst: Es hat geklappt und am 21/07/2000 ist Premierentermin für den Film. Pioniergeist und der beispiellose Einsatz vieler Beteiligter, machten »Gone Underground« als Film und als Praxistest für das HD-Format 1080/24P möglich.

»GONE UNDERGROUND«: ENTSTEHUNGSGESCHICHTE

Am Anfang des Pilotprojekts stand das Script von »Gone Underground«, das Regisseur Su Turhan gemeinsam mit seiner Co-Autorin Bettina Platz geschrieben hatte. Turhan, der schon während seiner Tätigkeit bei Taurus MediaTechnik mit HD-Technik in Berührung kam, entwickelte aufgrund dieser Erfahrungen die Idee, dass »Gone Underground« mit 24P im HD-Format aufgezeichnet werden könnte. Mit Ben Wiedenmann von btn, Gerd Baier von der Media!AG und Martin Kreitl von Taurus MediaTechnik fand er die richtigen Partner, mit denen er das Projekt ins Rollen bringen konnte. Das Produzenten-Team ließ alle Kontakte spielen, um ein leistungsfähiges und flexibles Produktions-Team auf die Beine zu stellen und weitere Partner für »Gone Underground« zu gewinnen.

Bei »Gone Underground« ging es immer darum, einen richtigen, vollwertigen Kino-Kurzfilm zu produzieren — nur eben digital in HD.

Mit Erfolg, wie man sieht, denn selten waren wohl an einem Pilotprojekt so viele Partnerfirmen beteiligt. Mit Michael Ballhaus konnte zudem ein hochkarätiger DoP gewonnen werden, der seinen reichen Erfahrungsschatz einbringen konnte. Die Besetzung des Kurzfilms ist nicht minder eindrucksvoll: Katja Flint, Ralph Herforth, Lisa Kreutzer und Florian Sigl machen »Gone Underground« zu einem ganz besonderen Filmerlebnis — und das, obwohl die Story ganz ohne Dialoge auskommt.

Regisseur Su Turhan sagt über seinen Kurzfilm: »Gone Underground vertraut der erzählerischen Kraft von Bildern: ohne Worte, ohne erklärende Kommentare. Durch visuelles Erzählen, durch das Schaffen einer suggestiven Atmosphäre mit genau komponierten Bildern und einem dramaturgischen Sounddesign wird die global verständliche Story inszeniert. Angesiedelt ist »Gone Underground« im Waggon einer Untergrundbahn. Irgendwo auf der Welt, heute in etwa 20 Jahren. Nicht Science Fiction, sondern ein kurzer Blick in unsere Zukunft. Shortshocker: So könnte man Gone Underground einordnen.«

»GONE UNDERGROUND«: PRODUKTIONSWEISE
Michael Ballhaus fotografierte »Gone Underground« mit der 24P-Kamera HDW-F900 von Sony.

Michael Ballhaus fotografierte »Gone Underground« mit der 24P-Kamera HDW-F900 von Sony. Die Kamera basiert im Prinzip auf den Kameras der Digital-Betacam-Reihe, bietet aber eine höhere Auflösung von 1920 x 1080 Pixels. Die Datenrate von rund 1,5 Gbps wird vor der Aufzeichnung auf das Halbzollband vorgefiltert und mit einer Rate von rund 4,4:1 komprimiert. Auf das Band wird dann mit einer Datenrate von 185 Mbps geschrieben. Vier Audiokanäle können umkomprimiert aufgezeichnet werden. Pro Band passen im 24P-Modus rund 50 Minuten auf die Kassette. 155 Minuten fasst die große Kassette, die allerdings nur im Recorder, nicht im Camcorder eingesetzt weden kann.

Nach dem Dreh von »Gone Underground« wurde das Material über den Down-Konverter der Sony-MAZ HDW-F500 im 601-Standard ausgegeben und in das unkomprimiert, aber mit Standard-PAL-Video-Auflösung arbeitende Schnittsystem Avid Symphony Universal eingespielt. Mit Avid Symphony wurde offline geschnitten, und der Online-Schnitt erfolgte schließlich in der HD-Online-Regie bei Taurus MediaTechnik (siehe auch ältere Meldung über HD-Test bei Taurus MediaTechnik): Das Master von »Gone Underground« liegt also wieder auf HD-Band vor. Zusätzlich wurde das Material aber auch noch auf 35-mm-Film ausbelichtet.

Am 21/07/2000 hat das Premierenpublikum also die Möglichkeit, sowohl das elektronisch projizierte HD-Master zu sehen, wie auch eine klassische 35-mm-Printkopie.

Die Macher von »Gone Underground« wollen ihren Erfahrungsschatz nicht für sich behalten, sondern ihre Produktionserfahrungen auf verschiedenen Wegen auch anderen Interessenten zur Verfügung stellen. Einer davon sind die Interviews, die www.film-tv-video.de mit einigen der Beteiligten geführt hat, über andere werden wir in den kommenden Wochen berichten.

»GONE UNDERGROUND«: PARTNERFIRMEN

Die folgenden Firmen waren an der Produktion des Kurzfilms »Gone Underground« und dem damit verbundenen Pilotprojekt beteiligt:

Avid
Beta Digital
btn
Das Werk
Getpix
Krausser & Co.
Media!AG
Neue Sentimentalfilm
Player
Sony
TaurusMediaTechnik
Videocation

Weitere Artikel zum 1080/24P-Special:

Technik: Grundlagen von 1080/24P
Regisseur-Meinung: Interview mit Su Turhan
Produktionsleiter-Meinung: Interview mit Florian Schneider
Produzenten-Meinung: Interview mit Ben Wiedenmann
Hersteller-Meinung: Interview mit Reinhard Maurer, Sony Deutschland
Hersteller-Meinung: Interview mit Christel Jaekel, Avid Technology

Downloads zum Artikel:

T_0700_GoneUnderground.pdf

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
Schlagwortsuche nach diesen Begriffen
Report, Top-Story