5G, Dossier, Live: 31.03.2021

5G-Produktion bei Sky

Sky hat in den vergangenen Monaten zwei große 5G-Produktionstests umgesetzt. Wie lautet das Resümee, welche weiteren Pläne verfolgt Sky in Sachen 5G? film-tv-video.de hat bei Alessandro Reitano, SVP Sports Production bei Sky Deutschland, nachgefragt.


Fußball-Bundesliga: 5G-Übertragung mit Network Slicing

Alessandro Reitano verdeutlicht: Ohne gesicherte Bandbreite sind 5G-Produktionen derzeit nicht oder nur mit hohem Risiko möglich. Network Slicing könnte hier helfen, weil es – vereinfacht gesprochen – dafür sorgt, dass der jeweilige Telekom-Anbieter dem Broadcaster einen garantierten Anteil an Bandbreite zusichert.

Übertragungswege einer klassischen Produktion und einer 5G-Produktion im Vergleich.

Der Einsatz dieser Technik stand im Mittelpunkt des zweiten 5G-Tests. Den realisierte Sky gemeinsam mit Vodafone. Der Telekommunikationspartner rüstete dafür das Düsseldorfer Fußballstadion mit 5G aus und bot gemeinsam mit dem Technologiepartner Ericsson »Network Slicing« an. Die Idee dahinter: Über eine solche Plattform könnten TV-Sender oder andere Unternehmen sich künftig kurzfristig und für einen befristeten Zeitraum ein eigenes 5G-Netz buchen, das öffentlich nicht zur Verfügung steht.

Anzeige: Für Premium-Sport dürften klassische Produktionswege auch künftig erste Wahl bleiben.

Beim Fußballspiel in Düsseldorf nutzte Sky das so zur Verfügung gestellte 5G-Netz im Rahmen der Vor- und Nachberichterstattung des Spiels. »Kabellose Kameras bieten uns im Stadion perspektivisch ganz neue Möglichkeiten, noch näher an den Fan zu kommen«, sagt Alessandro Reitano.

»Dieser zweite Test war technisch betrachtet sehr wichtig, denn in Düsseldorf konnten wir dank Network Slicing drei Kamerasignale in ein Cloud-Produktionssystem überführen.«

©Vodafone
»Kabellose Kameras bieten uns im Stadion perspektivisch ganz neue Möglichkeiten, noch näher an den Fan zu kommen«, sagt Alessandro Reitano.

Sky gewann bei dem Test in Düsseldorf wichtige Erkenntnisse. So war die Verfügbarkeit der Kamerasignale überall dort unproblematisch, wo eine per Network Slicing zugewiesene Bandbreite für den Broadcaster zur Verfügung stand. »Sobald sich unsere Kameraleute aber aus dem Bereich der garantiert zugewiesenen Bandbreite herausbewegten, reduzierte sich die Bandbreite teilweise massiv auf das, was das dortige Public-Netzwerk eben jeweils bieten kann – und das war in der Regel nicht mehr broadcast- oder webtauglich«, resümiert Reitano.

Network Slicing ist für ihn somit unerlässlich, insbesondere für ein Premium-Produkt wie die Fußball-Bundesliga. Er bekräftigt: »Bei Produktionen, bei denen nichts schiefgehen darf, würden wir niemals etwas einsetzen, was keine Quality of Service bietet.«

©Vodafone
Network Slicing dürfte für professionelle 5G-Produktionen unerlässlich sein.

Eine weitere wichtige Erkenntnis des Tests: Perspektivisch könnte 5G Cloud-Produktionen von Events ermöglichen, denn per 5G können die Live-Bilder von der Kamera direkt zur virtuellen Sendezentrale in die Cloud geschickt und dort bearbeitet werden. Der bisherige Weg über eine SNG oder einen Ü-Wagen entfiele dann.

Reitano berichtet: »Wir haben zum Test nach Düsseldorf ganz bewusst nur einen Laptop mitgenommen. Über eine Cloud-Anbindung von Amazon Web Services (AWS) gelangten wir in unsere Produktionsumgebung, wo wir die Kamerasignale schneiden und dem Material auch Grafiken zusetzen konnten.«

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Das bedeute nicht, dass Ü-Wagen-Dienstleister künftig obsolet würden, betont Reitano, aber man transferiere damit eben die bestehenden Abläufe auf eine neue Produktionsebene.

Auch für Remote-Applikationen bietet 5G neue Perspektiven, findet Reitano. So könne man sich vorstellen, statt wie bisher Glasfaser künftig eben auch 5G-Devices für die Übertragung vom Stadion zum Produktionsort zu nutzen.

Ob Glasfaser, Satellit oder irgendwann 5G der passende Signalweg ist, hängt natürlich vom jeweiligen Event und der erforderlichen Ausfallsicherheit ab. »Aktuell sind Glasfaser und Satellit definitiv erste Wahl, wenn es um hohe Verfügbarkeit geht – da muss 5G erst noch hinkommen«, urteilt Reitano.

Geeignete 5G-Inhalte und -Produktionen

Für welche Inhalte und Produktionen könnten sich 5G-Produktionen besonders gut eignen? Für Alessandro Reitano sind es im Sport wohl mittelfristig die niedrigeren Ligen, die von 5G profitieren dürften. Im News-Bereich sind Smartphones ohnehin schon vielfach im Einsatz, das sei definitiv ein Wachstumsbereich für 5G-Applikationen.

Sport und News dürften für 5G-Produktionen Wachstumspotenziale bieten.

Angesichts fragmentierter Märkte, Rechte und Produkte sieht Reitano für 5G aber auch in der Sportproduktion weiteres Potenzial. »Ich glaube, dass unsere Tests gezeigt haben, dass man mit 5G kostenbewusster agieren und ganz neue Produktionsformen und -strukturen aufbauen kann.«

5G-Services könnten seiner Meinung nach auch ein Zusatzangebot klassischer TV-Dienstleister werden, nach dem Motto: Ich buche einen Ü-Wagen und zusätzlich noch ergänzende 5G-Services. »Ich finde, dass sich die Diskussion in diese Richtung entwickeln sollte. Anstatt immer nur darüber zu reden, dass 5G etwas ersetzt oder verdrängt, sollten wir uns auf die zusätzlichen Dinge konzentrieren, die 5G ermöglichen kann.«

Alessandro Reitano.
Wie geht es jetzt weiter?

Nach dem positiven Feedback auf die 5G-Tests im vergangenen Jahr müsse man nun in den weiteren Dialog mit den Telcos treten, findet Reitano: »Wie sieht der weitere 5G-Ausbau aus, wird es eine flächendeckende Abdeckung geben, werden die Telcos einfache Buchungsmöglichkeiten für 5G-Bandbreiten bieten – all das sind offene Frage, die wir klären müssen.«

Weitere 5G-Tests dürften also folgen. Reitano resümiert: »Irgendwann ist man soweit, dass man auch eine größere 5G-Produktion mit professionellen Kameras wagen wird – und darauf arbeiten wir hin.«
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Alle Artikel über aktuelle Trends in der Fußball-Liveberichterstattung sind in einem Dossier zusammegefasst. 

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Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

Bildrechte
HANDBALL inside / Haar (3), Vodafone (2), LiveU (1)

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