Branche: 18.09.2001

IBC2001: Hersteller sehen schwierige Marktbedingungen

Kaum ein Hersteller versäumt es während der diesjährigen IBC, auf die schwierigen, veränderten Marktbedingungen hinzuweisen: Es wird weniger investiert, wenn investiert wird, spielen die Preise eine wesentlich größere Rolle als früher, weil die Equipment-Preise nicht mehr so schnell eingespielt werden können.

Einer der Gründe dafür ist zweifellos die Krise der »New Economy«: Deren nahezu grenzenlose Werbebudgets fehlen der Werbewirtschaft, damit den Postproduction-Betrieben und letztlich eben auch den Broadcastern. Es wird auf allen Seiten wieder genauer auf die Preise geschaut. In dieser Marktsituation müssen sich die Hersteller neu positionieren, müssen Strategien entwickeln und Wege finden, weiter profitabel arbeiten zu können.

Graham Sharp, manchem vielleicht noch aus seiner Zeit bei Discreet und anschließend bei Post Impressions bekannt, ist nun bei Avid europaweit für Sales und Marketing zuständig. In dieser Funktion erläuterte er, wie Avid sich in dieser Situation aufstellen und eine gute Position im Markt sichern will. Der Fokus soll demnach künftig wesentlich stärker auf Sales und Support gelegt werden, die Stärkung der regionalen Niederlassungen und Büros soll ihren Teil dazu beitragen, das Unternehmen wieder »näher zu den Kunden zu bringen«. Hier diagnostizierte Sharp Versäumnisse, die durch bessere, direktere Kommunikation mit den Kunden nun revidiert werden sollen. Ein Schritt hierzu ist aus Sharps Sicht auch die vollständige Integration von iNews. Künftig soll zudem weniger der Verkauf einzelner Produkte im Vordergrund stehen, als vielmehr das Systemgeschäft. Zusammen mit den kürzlich von Avid angekündigten Entlassungen soll das Unternehmen auf »harte Zeiten vorbereitet« werden. Trotz allem sieht Graham Sharp auch Wachstumschancen: Integrierte Lösungen für Broadcast und Postproduction, die HD-Postproduktion, 3D-Animation und den bei Avid als New Media bezeichneten Markt für Einsteiger-Systeme wie XpressDV. Zum Thema Streaming befragt, bezog Graham Sharp klar Stellung: »Kurzfristig gibt es keine nennenswerten Kundenzahlen für Streaming-Produkte. Das kann und wird sich ändern, deshalb wird bei Avid auch in diesem Bereich weiter entwickelt, aber der Fokus liegt momentan ganz klar in anderen Bereichen.«

Jean-Marc Hoffer, Europa-Chef von Grass Valley, sieht sein Unternehmen in einem »zähen, schrumpfenden Markt« als Gewinner: In den beiden vorangegangenen Quartalen wurde demnach ein Umsatzwachstum von 10 Prozent erreicht, 80 Prozent des Umsatzes stammen dabei von neu entwickelten Produkten wie dem Server Profile XP (insgesamt mehr als 1000 Stück ausgeliefert) und dem Mischer Kalypso (insgesamt mehr als 200 Stück ausgeliefert). Mit Wachstum durch neue Produkte wie die Server-Version PVS1100 soll im Jahr 2002 die Marktposition gefestigt und ein Gewinn von mehr als 200 Millionen Dollar erwirtschaftet werden.

Sony-Europa-Chef Miles Flint prognostiziert eine Welt, in der das komplett veränderte Verhalten der Consumer so starke Rückwirkungen auf das Broadcast-Business hat, dass es sich ebenfalls völlig verändern und zum Anycast-Business mutieren werde. Ian Collins, Director Broadcast Business bei Sony, glaubt, sein Unternehmen müsse »jeden Aspekt der Geschäftstätigkeit neu ordnen«, damit sich Sony vom produkt-orientierten Anbieter hin zum Systemlöser und Dienstleister wandeln könne, dem die Zukunft gehöre. Genau wie die Kunden und mit ihnen zusammen muss Sony demnach neue Geschäftsfelder erschließen. Die Zukunft für Sony sieht Collins in der Zusammenarbeit mit den Kunden »auf einer strategischen Ebene«.

Ted Taylor, Managing Director von Panasonic Broadcast Europe, will die aktuell schwierige Marktsituation durch größere Kundennähe überwinden. Panasonic werde mehr denn je versuchen, den Kunden optimal auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Produkte zu bieten, die sich dank zahlreicher Optionen möglichst indviduell anpassen und ausgestalten ließen.

Autor
red
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