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Der jüngste Hype: Mobile TV

Das derzeitige Hype-Thema der Branche ist Mobile TV, also die Übertragung von Bewegtbildern auf mobile Endgeräte wie Handys. Davon versprechen sich viele einen neuen Markt, und die ganz enthusiastischen Befürworter sagen wieder mal eine wahre Explosion voraus, prognostizieren, dass die Entwicklung in diesem Bereich den langsamen und trägen Broadcast-Bereich überrollen und umkrempeln werde.

Sich solchen Prophezeiungen mit einer eher skeptischen und nüchternen Haltung zu nähern, gehört zu den Grundsätzen von www.film-tv-video.de, weshalb Sie an dieser und anderer Stelle schon öfter kritische Anmerkungen zu diesem Thema lesen konnten.

DVB-T etwa erweist sich in der Praxis nicht als Sprung nach vorn, sondern eher als Rückschritt: für viele Endkunden steht DVB-T einfach nur für eine schlechtere Empfangs- und Bildqualität und für massive AV-Sync-Probleme. Das zeigt, dass zwischen der grundlegenden Technologie und deren Umsetzung in die Praxis oft Welten liegen. Wieso sollte das bei DVB-H und den damit konkurrierenden Technologien zur Übertragung an mobile Endgeräte anders sein?

Weiteres Beispiel: Wie lange schon wird vergeblich versucht, MHP bei den Endkunden zu etablieren? Die meisten haben dennoch keinen blassen Schimmer, was das sein soll oder wofür sie das brauchen sollten. Und mit anderen Neuerungen geht es den Verbrauchern oft genauso — leider auch mit HD, was ja im Gegensatz zu anderen Technologien einen echten, sichtbaren und leicht erklärbaren Fortschritt brächte.

Es gibt beim Thema Mobile TV zahlreiche ungeklärte Fragen mit einer großen Spannweite: Wie kann ein funktionierendes Business-Modell aussehen? Wie könnte ein einheitlicher, technischer Standard aussehen? Wie teuer sind die Endgeräte, wie lange halten die Akkus? Die vielleicht wichtigste Frage behandeln aber weder technische Studien noch erste Pilotversuche: Welche Erwartungen haben denn die Konsumenten an Mobile TV?

Diese Frage zu beantworten, ist sicher nicht ganz einfach, denn Content, Zielgruppe und Übertragungstechnik sind eng miteinander verknüpft. Wo also anfangen, wen befragen? Sollen Handy-Novelas, Soaps, Musikvideos oder Manga-Filmchen angeboten werden? Oder doch eher News und Sport? Content- und Service-Provider kommen hier nur gemeinsam voran.

Bei jungen, besonders handy-affinen Zielgruppen muss der Preis relativ niedrig sein, sonst wird Mobile TV hier nicht funktionieren — da sind sich die meisten Beobachter einig, die etwas zu diesem Thema sagen können. Das umzusetzen, wird aber vor allem bei den Endgeräten und auch bei den Verbindungskosten nicht einfach sein. Tiefer in die Tasche greifen, das könnte und würde wohl auch der sonst noch gern als erste Zielgruppe genannte Geschäftsreisende, der am Flughafen oder im Taxi die Tore seines Lieblingsvereins oder die neuesten Nachrichten aus der Heimat oder aus seiner Branche sehen will.

Hakt man hier mal ein, ist schnell klar: Von einem handy-ähnlichen Gerät werden die Kunden auch eine handy-ähnliche Funktionalität erwarten. Das heißt, besonders der Geschäftsreisende will das Gerät zumindest europa- besser weltweit nutzen können, er will sich genau dann schnell und aktuell informieren oder zerstreuen, wenn er Zeit und Empfang hat. Ein Angebot, das diese nahe liegende Anforderung erfüllen könnte, ist aber bislang überhaupt nicht in Sicht, die Einigung auf ein weltweit funktionierendes, durchgängiges System, ist nach wie vor reine Utopie.

Es sind also bei realistischer Betrachtung beim Thema Mobile TV noch nicht einmal absolut grundlegende Kernfragen geklärt.

Sicher muss man irgendwann beginnen, den Boden zu bereiten, wenn man später ernten will. In der Praxis bestraft das Leben aber nicht nur die, die zu spät kommen, sondern auch die, die zu früh dran sind.

Sie werden sehen.

Autor: C. Gebhard, G. Voigt-Müller

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