Editorial, Kommentar, Top-Story: 24.09.2008

Auf dem Weg nach vorn: Digital Signage

Die IBC hat ganz sicher einen anderen Schwerpunkt, aber dennoch war ein neues Thema in diesem Messejahr auch dort nicht zu übersehen: Digital Signage. Falls Ihnen dieser Begriff noch nichts sagen sollte: Das ist der modische Sammelbegriff für elektronische Informationssysteme, Werbe- und Verkaufshilfen (In-Store-Displays) sowie für die dahinter stehende Infrastruktur, über die diese Displays mit Bildern, Texten und Tönen beschickt werden. Ausgefeilte Digital-Signage-Systeme erlauben es, etwa in einem Stadion, Unternehmen oder Kaufhaus, auf den Displays in verschiedenen Bereichen und an verschiedenen Positionen, über den Tag verteilt unterschiedliche Inhalte darzustellen — darunter auch Live-Inhalte.

Ein wachsendes Feld: Kein modernes Stadion etwa kann auf umfassende Ausstattung mit Monitoren verzichten und die Zahl der Displays in Einkaufszentren ist mittlerweile Legion. Irgendwelche Bilder auf irgendwelchen Schirmen flimmern zu lassen, das ist schon länger kein Problem mehr. Wo es hängt, das sind die Werkzeuge, mit denen man den Schirmen hochwertige, jeweils passende, unterschiedliche Inhalte zuweisen kann. In solchen Netzwerkinstallationen und den notwendigen Softwares sehen etliche Hersteller ein wachsendes Feld, das neben den klassischen Broadcast-Installationsmarkt treten kann, von dem nach Ansicht vieler kein großes Wachstum mehr zu erwarten ist.

Ein gutes Beispiel ist ein jüngerer Deal der Sony-Systemabteilung: Der Hersteller verkaufte und installierte ein Digital-Signage-System in rund 2.500 Filialen der französischen Post. Neben Hard- und Software auf der »Sender«-Seite umfasste das Projekt auch rund 5.000 Monitore, die in den Filialen von La Poste installiert wurden. Das sind mit Sicherheit mehr Monitore, als die meisten Broadcaster in den vergangenen Jahren eingekauft haben. Und wenn man die französischen Postkunden zählen würde, die beim Anstehen in der Warteschlange vor dem Schalter auf die Monitore schauen, dann kommt dabei auch eine ganz ordentliche Zuschauerquote zusammen, die so mancher kleinere Broadcaster auch gern erreichen würde.

Eine Nummer kleiner gedacht, gibt es für Digital Signage in öffentlichen Gebäuden, Behörden, Museen, Kaufhäusern, Tankstellen oder Apotheken noch viele Einsatzmöglichkeiten. Im Grunde kommt jede Firma oder Institution mit Publikumsverkehr als Digital-Signage-Anwender in Frage.

Die einfachste und pragmatischste Form von Digital Signage war ebenfalls während der IBC2008 übrigens an vielen, auch kleineren Ständen zu sehen: Dort waren elektronische Bilderrahmen aufgebaut, auf denen Preisinformationen und gelegentlich auch kleinere Produktpräsentationen abliefen.

Interessant ist auch, dass hier teilweise Technologien aus anderen Bereichen zum Einsatz kommen: So hatte etwa Sony am Stand eine Monitorwand aufgebaut, deren Displays quer und hochkant zueinander standen und auf denen komplexe Animationen abliefen, die immer wieder ein gemeinsames Bild ergaben. Die Monitorwand wurde dabei von einer ganzen Batterie Playstations befeuert, die laut Sony mit ihrem Cell-Processor bestens geeignet sei, solche Aufgaben zu übernehmen. Hier ist es die Technologie, bei der neuen Fernbedienung für den Z5 ist es das Design, das an einen Playstation-Controller erinnert, die in andere Produktbereiche des Herstellers deuten. So orientiert und bedient sich die Broadcast-Branche zunehmend auch außerhalb ihres angestammten Spielfelds.

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Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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