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Quo vadis IBC?

Nach den beiden ersten Messetagen zeichnet sich ab, dass die IBC sich mit ihrer 2010er-Ausgabe wieder erholt präsentieren kann. Insgesamt wird wieder viel seltener über die Veranstaltung selbst gesprochen, als über Produkte und Branchentrends. Das ist natürlich gut so, denn darin liegt ja eigentlich auch der Sinn einer Messe.

Die Ausstellerzahl hat zugenommen, gleichzeitig haben auch viele Aussteller ihre Flächen wieder etwas aufgestockt. Ein Teil der Stände wurde deshalb in ein Zelt ausgelagert. Vom Messewahnsinn früherer Jahre ist die Branche aber glücklicherweise noch ein gutes Stück entfernt, man könnte vielleicht sagen, die IBC findet wieder zurück zur »Normalform«.

Dennoch hat sich einiges verändert: Neue Themen spielen eine wachsende Rolle, neue Player tauchen auf. Die »Connected World« aus IPTV-, Mobile- und Digital-Signage-Zone, die mittlerweile eine ganze Halle füllt, zeigt wohin die Reise der IBC führen könnte. Was momentan von vielen der langjährigen Besucher immer noch als Randgebiet und Defokussierung der Messe gesehen wird, wächst und rückt immer weiter ins Zentrum.

Erste, noch recht widersprüchliche Rückmeldungen zum Besucherzustrom gibt es auch: Einige Hersteller sprechen von schwächerem Zuspruch, aber die Mehrzahl der Firmen, mit denen das Redaktionsteam von film-tv-video.de bisher gesprochen hat, freuen sich über ein zumindest gefühltes Besucherplus.

Bei den Themen dominiert erwartungsgemäß Stereo-3D, das generelle Besucherinteresse daran ist groß — auch wenn eigentlich die meisten davon ausgehen, dass das Thema sie in der unmittelbaren Zukunft nicht betreffen wird. So haben einige der Aussteller — teilweise durchaus widerwillig — eine Stereo-3D-Ecke am Stand eingerichtet, von der sie sich zwar Publikumszuspruch erhoffen, aber zunächst gar kein Geschäft erwarten. »Man muss eben momentan signalisieren: Ja wir können auch 3D — um dann in Ruhe mit den Kunden über reale Themen sprechen zu können«, geben die Marketingexperten vieler Aussteller hinter vorgehaltener Hand zu.

Eines scheint sich aber trotz aller berechtigten Skepsis heraus zu kristallisieren: Stereo-3D wird von den meisten als erfolgsversprechende Technologie für den Kino- und Event-Bereich betrachtet und von vielen auch für Live-Sport. Das klassische TV-Programm aus Nachrichten, Magazinen und TV-Movies scheint aber nur den wenigsten für den Einsatz von Stereo-3D geeignet.

Genauso präsent wie Stereo-3D, ist bei der diesjährigen IBC aber der Themenbereich file-basierter Workflows: Hier fehlt es letztlich noch an allen Ecken und Enden an passenden Schnittstellen und praktikablen Lösungen, die komfortables Arbeiten ermöglichen und schnell zum Ziel führen. Es wird wohl noch einige Messen dauern, bis die Branche sich hier auf Standardtechniken und -lösungen geeinigt hat, die das derzeit vorhandene Chaos wieder etwas ordnen und lichten.

Bis es allerdings soweit ist, werden die Hersteller vermutlich weiterhin im Monatsrhythmus neue Codecs, Formate und Wrapper auf den Markt werfen. Eine aktuelle Studie sagt dem Transcoding-Bereich massives Wachstum voraus — da könnte durchaus einiges dran sein.

Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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