Editorial, Kommentar, Top-Story: 26.04.2012

Wird bald alles virtuell?

Die Idee, mit weit verteilten, voneinander abgesetzten Strukturen kollaborativ zu arbeiten, sie ist im Medienbereich schon eine ganze Weile virulent. Sie wurde und wird auch schon verschiedentlich umgesetzt, etwa wenn westliche Postproduktionen oder Filmproduktionen Niederlassungen in Indien oder China gründen, oder wenn sie dort Partnerunternehmen suchen, um dann etwa gemeinsam Animationsfilme herzustellen.

Nun nimmt das Ganze — beispielsweise mit Quantels QTube und Avids Interplay Sphere — auch im Broadcast-Bereich neue Formen an: Es soll damit schon bald keine Rolle mehr spielen, ob der Cutter oder der On-Air-Grafiker ein Zimmer weiter sitzt, oder am anderen Ende der Welt. Weltweit verteilt sein, aber dennoch kollaborativ an einem Medienprojekt zu arbeiten, das soll nun Schritt für Schritt Realität werden. Dabei wird viel mit virtualisierten Workgroups und File-Systemen gearbeitet.

Vielleicht ist es da mal an der Zeit, das Ganze konsequent zu Ende zu denken: Wozu braucht man dann überhaupt noch eine Zentrale? Wieso sollte es letztlich in Zeiten von Facebook und Youtube nicht möglich sein, gleich einen ganzen Sender zu virtualisieren? Das TV-Äquivalent zu Wikipedia, mit verteilten Content Creators, mit verteilten Kompetenzen, Mitarbeitern die sich nicht sehen, vielleicht nicht mal kennen, aber dennoch gemeinsam einen TV-Sender betreiben? Crowd-Casting sozusagen? Mit viel Glück könnte dabei sogar mehr rauskommen, als täglich 24 Stunden Katzenvideos.

Sie werden sehen.

Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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