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Meltdown oder Fusion?

Schon öfter haben wir an dieser Stelle darüber diskutiert, dass der Fernsehbereich mit wachsender Frequenz als Zombie beschrieben wird: im Grunde schon tot, weiß der TV-Bereich das nur selbst noch nicht — und zuckt deshalb noch mehr oder weniger heftig. Diejenigen, die diese Diagnose stellen, kommen allerdings meist von Unternehmen, die im Konzert der Medien sehr gern den Platz der Fernsehsender einnehmen würden: Google, Apple, Facebook und wie sie alle heißen — sie alle schielen auf die Marktposition, die aktuell noch das Fernsehen einnimmt.

Hier wird auch gern mit martialischer, aggressiver Sprache operiert und deshalb wollen wir an dieser Stelle auch mal für einen Absatz in diesen Modus schalten: Zwar sind die Kriegskassen der Angreifer meist gut gefüllt, sie operieren aber in vielen Fällen keineswegs von einer sicheren Basis aus und deshalb müssen diese nicht nur mit heftiger Gegenwehr rechnen, sondern auch damit, dass die Fernsehanbieter Vorstöße in deren Ertragsfelder vornehmen.

Wohin wird das führen? Dazu existieren — wie fast immer — ganz verschiedene Sichtweisen. Fakt ist aber, dass es auf der einen Seite wohl kaum noch Fernsehsender gibt, die nicht selbst wachsende Web-Aktivitäten entwickeln. Auf der anderen Seite eröffnen sich den Content-Besitzern heute nach und nach durchaus Alternativen zu Kino, Fernsehen und DVD/BD-Verkauf, um ihre Inhalte zu vermarkten — und Programmanbietern bieten sich zunehmend neue Möglichkeiten, über verschiedene Plattformen einen eigenen Kanal außerhalb der klassischen TV-Verbreitungswege zu etablieren.

So könnte es durchaus passieren, dass es eben nicht zum seit Jahren angekündigten Meltdown des TV-Bereichs kommt, sondern vielmehr eine Fusion der Möglichkeiten stattfindet. Man muss wohl davon ausgehen, dass das klassische TV-Angebot einen weiteren Bedeutungsverlust erleiden wird. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Fernsehsender auch unbedeutend werden — aber sie müssen ihre Angebote eben erweitern und verlagern.

Das tun sie auch, und so kommt es zur aktuellen Situation, in der auf der einen Seite die Googles, Facebooks und Apples dieser Welt vom siechenden Patienten Fernsehen sprechen und ihre eigenen Kanäle aufbauen, und auf der anderen Seite der vermeintliche Patient Fernsehen mit aller Macht die neuen Medien nutzt, um sein Angebot zu verbreitern und neue Outlets für seinen Content zu finden.

Beide Ansätze scheinen erste Erfolge zu bringen, doch bis dato sieht es noch nicht nach einem eindeutigen Sieger aus. Und das ist vielleicht auch besser so.

Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt.Müller

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