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Berufsjugendliche unter sich?

ARD und ZDF starteten zum 1. Oktober 2016 ein gemeinsames Online-Angebot mit dem Namen »Funk«. Damit soll die Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen erreicht werden. 45 Millionen Euro jährlich werden dafür bis 2020 aus dem Rundfunkgebührentopf bereitgestellt.

b_0916_funk_logoDie Reaktionen darauf waren erwartungsgemäß sehr gemischt — schon bevor dieses Angebot überhaupt offiziell angelaufen war. Das an sich ist ja auch nicht zu beanstanden, wir leben schließlich in einer Demokratie und da ist es vollkommen legitim und richtig, auch die Organisationsstrukturen und den Output der Öffentlich-Rechtlichen in Frage zu stellen und zu kritisieren, die wir ja alle gemeinsam finanzieren (müssen).

Und tatsächlich haben frühere Bemühungen der Sender, auch wieder jüngere Zielgruppen zu erschließen, nicht selten zu peinlichen Ergebnissen geführt. Immer wieder kamen nämlich in diesem Zusammenhang Berufsjugendliche innerhalb der Sender zum Einsatz, die sich zwar selbst noch jung fühlten, aber letztlich nur bräsigen Brei produzierten, der dann auf Wegen und zu Zeiten versendet wurde, die nicht zur Zielgruppe passten.

Das neue Konzept ist aber tatsächlich ganz anders und vielleicht wäre es ganz sinnvoll, nicht einfach nur reflexhaft draufzuhauen, sondern dem Ganzen eine Chance zu geben und zumindest mal eine Weile abzuwarten, ob es sich bewährt.

Wie soll sich denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk erneuern, wenn man jede Veränderung schon mal vorab verdammt, sich aber gleichzeitig darüber aufregt, dass mit dem aktuellen Programm nur die Alten berieselt würden?

Einige der Totschlagargumente der Skeptiker laufen darauf hinaus, dass Funk nicht funktionieren könne, weil nicht nur die Strukturen der Sender, sondern auch deren Personal und deren Entscheider überaltert seien. Das läuft im Endeffekt auf die Argumentation hinaus, dass sich immer nur Gleichaltrige auf Augenhöhe begegnen könnten und miteinander beschäftigen sollten. Lassen wir uns denn beispielsweise auch alle nur von gleichaltrigen Ärzten behandeln?

Vielleicht finden die Sender mit Funk ja einen Weg, mit den richtigen Leuten an den richtigen Positionen, eine verlorene Zielgruppe wieder zu erreichen. Ein Recht auf ein solches Angebot von Seiten der Öffentlich-Rechtlichen haben die Jungen definitiv: Sie zahlen ja auch Rundfunkbeiträge — außer sie wohnen bei den Eltern oder beziehen Bafög.

Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass — das können auch die Öffentlich-Rechtlichen nicht schaffen. 45 Millionen Euro pro Jahr sind viel Geld, aber wenn Funk funktioniert, könnte das Geld gut investiert sein — besser als an vielen anderen Stellen innerhalb des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems. Selbst dann, wenn der eine oder andere vielleicht erst mal Probleme damit hat, wenn mit Gebührengeld Formate finanziert werden, die beispielsweise »Fickt euch!« heißen. Dieses Format beantwortet nach Angaben der Macher übrigens »alle Fragen zum Thema Sex — offen und tabulos.«

Funk wird es nicht leicht haben, das ist jetzt schon klar — aber wer nichts probiert, der kriegt auch nichts hin.

 

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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