Editorial, Kommentar: 01.06.2017

Nur noch Business-Leute und Computer-Heinis …

Heute beginnt in Los Angeles die Cine Gear Expo: Eine Messe, die sich schwerpunktmäßig mit Filmtechnik beschäftigt. Einige Kamerahersteller halten diese Messe mittlerweile für wichtiger als etwa die NAB, wenn es darum geht, ihre neuesten Modelle vorzustellen.

Cine Gear Expo
Bei der Cine Gear Expo standen Kameras im Mittelpunkt.

Canon wird bei der Cine Gear Expo erstmals seine brandneu angekündigte C200 öffentlich zeigen. Auch Panasonic hat sich die Cine Gear Expo ausgesucht, um seine zur NAB noch recht vage angekündigte und in einer Vitrine am Stand unter einem Tuch versteckte Mystery-Cam zu präsentieren. Von Sony sind ebenfalls Neuheiten für den Cine-Bereich zu erwarten, so hört man.

Einer Veranstaltung in Los Angeles, im Herzen des Hollywood-Systems, wird also ganz offenbar eine besondere Strahlkraft für den Kamerabereich zugeschrieben. Wahr ist natürlich, dass es kaum sonstwo in der Welt so viele Filmemacher auf einem Haufen gibt wie dort.

Gleichzeitig wird aber viel gejammert: Die Branche insgesamt und auch die Cine Gear Expo seien eben schon längst nicht mehr, was sie mal waren. Überall würden nur noch Computer gezeigt, manche davon eben in Form von Kameras. In Zeiten, in denen ganze Filme nahezu vollständig vor Greenscreen gedreht werden, ist an dieser Sichtweise tatsächlich etwas Wahres dran.

Trotz solcher Bedenken bietet eine Messe wie die Cine Gear Expo im Vergleich zu großen Messen wie NAB oder IBC möglicherweise tatsächlich ein besseres Forum für Hersteller, die gezielt den Filmmarkt bedienen wollen.

Und so kommt es, dass die einen den früheren Ausgaben der Cine Gear Expo nachweinen und die aktuelle Ausgabe nicht mehr besuchen, weil sie dort die Exklusivität einer eingeschworenen Gemeinde vermissen — während gleichzeitig andere wieder verstärkt hinreisen, weil sie hoffen, dort endlich wieder mal echte, professionelle Filmemacher als Besucher an den Ständen zu haben.

Alles eine Frage der Perspektive.

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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