Editorial, Kommentar: 20.07.2017

»IM Alexa« meldet sich zum Dienst

Sprach-Assistenten im Alltag: was tun sie und welche Folgen hat das für die Medien-Branche?

Sprachassistenten
Seit einigen Monaten verkauft Amazon ein Produkt namens Echo

Seit einigen Monaten verkauft Amazon ein Produkt namens Echo: Das ist ein Lautsprecher, der dank integrierter Mikrofone auch zuhören kann. Das Besondere an Echo ist Alexa: eine eingebaute Spracherkennung, die als digitale Assistentin vermarktet wird — ganz ähnlich wie Siri in Apple-Produkten. Alexa »beantwortet Fragen, liest Hörbücher, liefert Nachrichten, Verkehrs- und Wetterinformationen, informiert Sie über örtliche Geschäfte, Sportergebnisse, Spielpläne und mehr mithilfe des Alexa Voice Service«. So umschreibt Amazon die Fähigkeiten seines Produkts.

Um das zu schaffen, nutzen Assistenten wie Siri, Alexa und Cortana in Rechnern, Smartphones und Produkten wie Echo, Home Pod, Bixby und Google Home, eine permanente Online-Verbindung und die Server-Leistung des jeweiligen Anbieters.

Um das Ganze noch weiter zu verbessern und zu verfeinern, haben die Entwickler begonnen, neben der reinen Spracherkennung auch immer mehr Intelligenz in diese Systeme zu packen. Fragen oder Befehle etwa, die Alexa hört und versteht, gibt sie ans Amazon-Rechenzentrum weiter, von wo sie nicht nur mit möglichst schnellen, genauen Antworten versorgt wird, sondern wo die Anfragen natürlich auch unter anderem Aspekten ausgewertet werden. So lässt sich Alexa sukzessive verbessern und sich individueller an den jeweiligen Besitzer anpassen, so dass das System seinen Nutzer akustisch immer besser versteht und auch seine Vorlieben besser kennenlernt.

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Bald wird in Deutschland GoogleHome verfügbar sein.

Noch, so berichten Kunden, hört Alexa manchmal ziemlich schlecht. Etliche Fragen kann sie nicht beantworten und manchmal hat sie auch schlichtweg Probleme, sich mit dem Router zu verbinden. Aber insgesamt scheint Alexa bei den Kunden gut anzukommen – ungeachtet der Bedenken von Datenschützern und Verbraucherzentralen, die den Dauerlauschern ausgeklügelte Überwachung attestieren.

Völlig gleichgültig, wie man insgesamt zu diesem Thema steht, wirft es zahlreiche Fragen auf, darunter auch einige, die für den Medienbereich essenzielle Bedeutung erlangen können. Wer entscheidet, aus welchen Quellen die Systeme ihre Infos beziehen, wenn sie zu aktuellen politischen Themen befragt werden? Oder zu Gesundheitsfragen?

Ein Blick ins Internet kann uns auch hier schlauer machen: Wer am meisten zahlt, dem gehören die Keywords, dessen Werbung steht oben. So läuft das — und im Grunde wissen wir das auch alle.

Alles nicht so schlimm? Dann nehmen wir mal als Beispiel ein Thema, bei dem die Nerven rasch blank liegen: »Alexa, soll ich meine Kinder impfen lassen?« Oder: »Alexa, soll ich mich vegan ernähren?«. Auch interessant: »Alexa, wie baut man einen Molotow-Cocktail?«

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Apple will den Homepod ausliefern.

Können wir die Antworten auf solche Fragen einem Google-Algorithmus, der Zahlungskraft eines Konzerns oder den Vorgaben einer möglicherweise undemokratischen Regierung überlassen? Oder wollen wir riskieren, dass bei »falschen Fragen« statt des Pizzaboten eine Spezialeinheit vor der Tür steht? Oder dass schnell mal unsere Kreditkarten gesperrt werden?
 
Sie werden sehen.

Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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