Recording, Test, Top-Story: 26.01.2003

Doppeltes Spiel

Der DSR-DU1 ist ein simpler kleiner Stand-Alone-Festplatten-Recorder, der sich wie ein Videorecorder bedienen lässt. Via Firewire-Anschluss zeichnet er DV- oder DVCAM-Signale auf und gibt sie wieder. Er eignet sich als Zuspieler im PC-Schnittbetrieb, per Adaptergehäuse passt der DSR-DU1aber auch an die Rückseite eines DVCAM-Schulter-Camcorders.

Letztlich sieht der DSR-DU1 von Sony recht unscheinbar aus: eine kleine schwarze Kiste, mit ein paar Tasten und einem einfachen Display. Das macht aber auch einen Großteil seines Reizes aus: der Kleine ist absolut simpel zu bedienen, man braucht keinen PC zur Steuerung und der DSR-DU1 ermöglicht dank Akkubetrieb und niedrigem Gewicht auch wirklich mobilen Betrieb.

Technisch verbirgt sich im kleinen Schwarzen nicht viel mehr als eine Firewire-Festplatte, ein bisschen Steuer-Software, ein paar Tasten, ein Mini-Lüfter und ein Display. Die Platte fasst bei einer Speicherkapazität von 40 Gigabyte rund 3 Stunden DV- oder DVCAM-Material.

Im Unterschied zu normalen Firewire-Festplatten, die ja sogar den gleichen Anschluss bieten, kann die Sony-DV-Platte jedoch dank ihrer Tasten und übers Menü bedienbaren Funktionen mehr als die nackte Platte: Aufnehmen und wiedergeben ohne Computer und Editing-Software. Das Ganze auch im mobilen Betrieb, aber wesentlich mehr als einer Laptop-Festplatte sollte man dem kleinen DV-Disk-Recorder an Stößen auch nicht zumuten.

Gerade für den mobilen Einsatz des DSR-DU1 hat Sony passendes Zubehör im Programm: Per Adapter wird die Disk-Unit zum Dockrecorder und passt direkt an diverse Camcorder der DVCAM-Produktpalette. In dieser Kombination ist es möglich, mit dem gleichen Camcorder Bild und Ton parallel auf Band und Festplatte auf zu zeichnen.

Weitere Einsatzmöglichkeit: Der DSR-DU1 kann als Zuspieler für nonlineare Schnittsysteme fungieren, mittels Firewire-Schnittstelle wird das Gerät wie ein klassischer Recorder gesteuert. Der Vorteil hierbei: Einige Softwares sind in der Lage, die aufgezeichneten DV-/DVCAM-Files direkt als File zu übernehmen und weiter zu bearbeiten. Das normalerweise zeitaufwändige Importieren der DV-Signale ins Schnittsystem entfällt also.

ANWENDUNG ALS FESTPLATTEN-RECORDER
Als Festplatten-Recorder empfängt der DSR-DU1 Bild- und Tonsignale via Firewire-Buchse. Eine Start-/Stopp-Taste direkt am Gerät startet oder beendet die Aufzeichnung auf Disk. Einmal aufgenommen, reicht ein Tastendruck, um zur nächsten oder vorhergehenden Szene zu springen und diese dann wieder zu geben – ganz so, wie das von der Bedienung des CD-Players bekannt ist. Weil der kleine Festplattenrecorder die Bildsignale aber nur über die Firewire-Buchse abgibt, braucht man zu Signalkontrolle ein anderes Gerät mit Firewire-Anschluss: Camcorder, PC oder Recorder kommen in Frage.

Weitere Funktionen, die der Festplatten-Recorder bietet: Übers Menü lassen sich einzelne Clips schon unmittelbar nach der Aufzeichnung löschen, etwa dann, wenn der Take misslungen ist.

Es ist auch möglich, mit wenigen Schritten an den Anfang oder ans Ende einer beliebigen Szene zu springen. Schönes Detail: Mit der Intervall-Funktion lassen sich Zeitrafferaufnahmen realisieren. Die Aufnahmen können jeweils 0,5 bis 2 Sekunden lang sein und bis zu 10 Minuten auseinander liegen.

ANWENDUNG ALS NLE-ZUSPIELER
Weil über die IEEE-1394-Schnittstelle nicht nur Audio- und Videodaten laufen, sondern auch Steuersignale, lässt sich der DSR-DU1 darüber auch von einem nonlinearen Schnittsystem aus steuern. Die Anbindung geht sogar über die reinen Steuerfunktionen hinaus: Die aufgezeichneten Szenen lassen sich im Idealfall direkt per Drag-and-Drop auf die Festplatte des Editing-Systems ziehen, dann mit der Editing-Software aufrufen und bearbeiten. Voraussetzung dafür: Die Schnitt-Software muss den DSR-DU1 und das verwendete SBP2-Protokoll unterstützen. Derzeit funktioniert das mit Premiere 6.5 und Pinnacle Edition DV 4.52. Aber auch Incite und Apple Final Cut Pro haben diese Funktionalität angekündigt. Mit Apples Final Cut Pro (Version 3.0.2) war es im Test allerdings noch nicht möglich, die DV-Files direkt aufzurufen.

Neben dieser sehr engen Integration zwischen Festplatten-Recorder und Editing-Software gibt es aber noch eine simplere Form der Kooperation: Der DSR-DU1 kann wie eine klassische DVCAM- oder DV-MAZ gesteuert werden. Dabei kommt das AV/C-Protokoll zum Einsatz, Bild und Ton werden also in Echtzeit ins Schnittsystem eingespielt.

Hilfreich im Zusammenspiel zwischen der Sony-Platte und dem Schnittsystem ist die Cue-Taste. Sie legt während Aufzeichnung oder Wiedergabe Schnittpunkte fest, die sich direkt im Schnittsystem verarbeiten lassen – vorausgesetzt die verwendete Editing-Software unterstützt den DSR-DU1.

ANWENDUNG ALS DOCKRECORDER
Der DSR-DU1 lässt sich an etliche Sony-DV- und DVCAM-Camcorder anschließen. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten: Direkt via Adaptergehäuse oder einfach nur mittels Firewire-Kabel.

Der Vorteil des Kamera-Adapters CA-DU1: Die mechanische und elektrische Verbindung ist einfach und sicher, gerade bei professionellen Einsätzen gewiss ein Vorteil. Die integrierte Festplatte ist trotz Lüfter so leise, dass sie bei der Aufzeichnung nicht stört.

Der Adapter für den DSR-DU1 sieht in etwa wie ein Akkugehäuse aus und lässt sich mit folgenden Camcordern einsetzen: DSR-370P, 570 WSP, 250P, 300AP und 500WSP. Für die Camcorder DSR-PD100AP, 150P sowie DCR-VX2000E sieht Sony statt der direkten Dockfunktion dagegen nur die einfache Firewire-Kabelverbindung mit dem DSR-DU1 vor.

Generell gilt: Der Festplatten-Recorder zeichnet nur dann ein Signal auf, wenn auch ein Band in den Camcorder eingelegt ist. Prinzipiell werden Bild und Ton also immer auf Band und Platte aufgezeichnet. Ist das Band voll, läuft der Festplatten-Recorder aber weiter und zeichnet unverändert auf. Diese sinnvolle Funktion dürfte vor allem für Profis interessant sein, die im News- oder Doku-Bereich arbeiten. Will man allerdings bei laufender Aufnahme das Band wechseln, muss man schon sehr vorsichtig agieren, um das Bild nicht zu verwackeln, besonders wenn man im Telebereich arbeitet.

Wichtig: Nicht alle Funktionen des DSR-DU1 lassen sich durchgängig mit allen Sony-Camcordern nutzen. Eine detaillierte Tabelle hierzu finden Sie in der PDF-Version dieses Artikels. Ein nützliches Zubehörteil ist die Start-/Stopp-Fernbedienung, die Sony mit dem DSR-DU1 mitliefert. Dank ihres langen Kabels kann der Videofilmer die Aufzeichnung auch aus einiger Entfernung starten.

FAZIT
Der DSR-DU1 ist ein nützliches Tool, das Sonys DVCAM-Palette schön abrundet und den Schritt weg vom Band hin zur Disk deutlich erleichtert. Im Vergleich zu einer normalen Firewire-Festplatte hat der kleine Schwarze den Vorteil, dass er sich alleine, also auch ohne angeschlossenen Computer betreiben lässt. Rund 2.820 Euro (Netto-Listenpreis) sind allerdings ein stolzer Preis für eine aufgebohrten Firewire-Festplatten-Recorder – zumal Netzgerät und Akku nicht im Preis inbegriffen sind, ebenso wenig wie der Kamera-Adapter. Für etwas weniger Geld könnte Sony sicher mehr Kunden dazu bewegen, den Schritt in die Welt der Harddisk-Aufzeichnung zu wagen. Aber es hat eben immer schon etwas mehr gekostet, zu den Technologie-Pionieren zu gehören.

Noch interessanter wäre der DSR-DU1 zweifellos, wenn er auch analoge Anschlüsse böte, zumindest Ausgänge, um Bild und Ton mit handelsüblichen Monitoren kontrollieren zu können. Wer hat schon einen Monitor mit IEEE-1394-Buchse?

Downloads zum Artikel:

T_0103_DSR_DU1.pdf

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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