Editing, Test, Top-Story: 29.11.2018

Lightworks 14.5: Der Rechtsklick-Editor

Lightworks ist immer noch ein relativ unbekanntes Schnittprogramm, obwohl es durch die Übernahme von Editshare und eine kostenlose Version 2010 eine etwas breitere Bekanntheit erreicht hat.





Das Audio-Register

Das Audio-Register zeigt anstatt der Videoeffekte lediglich die Audioeffekte und die dazugehörigen Einstellungen und einen sehr einfachen Audiomischer; die Video- und Effektspuren sind dabei stark verkleinert. Keyframes lassen sich durch einfaches Klicken in die Audiospur hinzufügen und mit der Maus verändern; die Audio-Waveform wird dabei automatisch angepasst. Im Mischer kann zwar jede Spurlautstärke und ein Master eingestellt werden, aber immer nur für die ganze Spur. Eine Option zur Automation im Mischer gibt es nicht. Neben der Master-Spur gibt es drei Bus-Spuren, Mix genannt, an die man mehrere Spuren senden und dann zusammen mischen kann.

Das Audio-Register hat wenig zu bieten. Das Setzen von Keyframes mit der Maus funktioniert aber gut. Die Waveform passt sich gleich an.

Auch bei den Audioeffekten ist Lightworks sehr dünn bestückt, es gibt lediglich Crossfades und einen 5-Band EQ mit einigen Presets. Der EQ ist ziemlich einfach und die Presets decken einige Standardsituiationen wie Hum-Remove oder Wind-Reduktion und das Reduzieren von Musik-Präsenz ab. Blenden lassen sich einfach mit Angreifpunkten an den Cliprändern einstellen. In der freien Fensteranordnung gibt es die Option, Audio-Keyframes mit der Maus hinzuzufügen, erst wenn man die Umschalt-Taste aktiviert.

Performance und Export

Im reinen Schnittbetrieb ist Lightworks flüssig und angenehm beim Arbeiten. Der Wechsel zwischen den Presets erfolgt fast sofort nach dem Klicken. Arbeitet man eine Zeit lang nicht mit dem Programm, dauert es wieder etwas, bis es aufwacht. Zweimal gab es Abstürze, einmal beim Aufrufen der Audio-Punch-In-Tools und einmal beim schnellen Scrubben über einen Clip mit sieben Effekten, ansonsten lief das Programm durchgängig stabil. Auch bei den sieben Effekten, inklusive einem Glow, hat Lightworks das Bild in der automatischen Einstellung für die Qualität flüssig wiedergegeben, ohne rendern zu müssen. Zwar können Arbeiten wie das Erstellen von Proxy-Dateien im Hintergrund ablaufen, doch dann ist der normale Betrieb verzögert. Zum Ansehen und Setzen von Markern reicht es aber dennoch.

Der Export-Dialog von Lightworks ist kurz und bündig, viele Optionen für die einzelnen Formate gibt es nicht.

Gelegentlich passierte es im Log-Fenster, dass plötzlich kein Bild mehr bei der Wiedergabe zu sehen war; ein kurzer Wechsel zwischen den Registern löste das Problem aber sofort. Der Export ist wieder über Rechtsklick erreichbar und bietet viele wichtige Formate von Web über Kameraformate wie XDCam-EX oder P2 bis hin zu DPX. Lightworks ist gut für die Zusammenarbeit mit anderen Programmen gerüstet. Es kann AAF, EDL, OMF und XML ausgeben und einlesen. Allerdings handelt es sich bei der XML um die Variante von Final Cut Pro 7. Neu ist der Export in dem bei uns kaum bekannten Reaper-Format für die entsprechende Audio-Workstation. Der Export eines dreiminütigen Testfilms mit Titel, Grafik und einfachen Farbkorrekturen dauert in 12 MB/s konstanter Bitrate zwei Minuten und 22 Sekunden. Derselbe Film mit Titel und Farbkorrektur-Pendants aus DaVinci dauerte 2:26 und aus Premiere Pro 2:24 Minuten.

Fazit

Lightworks konzentriert sich vorwiegend auf den reinen Schnittbetrieb mit einer einfachen Oberfläche und Benutzerführung. Dabei bleibt vor allem die Tonbearbeitung auf der Strecke, hier stellt Lightworks nur wenig bereit. Das gilt vor allem für den Mischer, der keine Automation erlaubt; zudem lassen sich keine externen Audio-Plugins laden. Lightworks ist klar für Editoren gedacht, die diese beiden Aufgaben anderen Programmen und/oder Anwendern überlassen oder stets einen guten Ton zur Verfügung haben.

Für den Austausch ist Lightworks mit OMFAAFXML und EDL wiederum gut gerüstet und besitzt sogar eine direkte Anbindung an Fusion 9, die für einzelne Clips gut funktioniert. Die geringe Unterstützung von Raw-Formaten ist allerdings noch ein großes Manko.

Im Compositing bietet das Programm gute Grundfunktionen und einige nützliche Presets für Bild-im-Bild-Effekte. Die Farbkorrektur ist einfach, aber effektiv und beinhaltet viele Optionen, die sich mit wenig Aufwand nutzen lassen. Formmasken fehlen aber leider. Für Neueinsteiger in den Videoschnitt ist Lightworks sicherlich am schnellsten zu erlernen, vor allem wegen des einfachen Konzepts und der wenigen Fenster. Erfahrene Editoren werden einiges »neu« lernen müssen, da sie an einigen Stellen auf ungewohnte Konzepte stoßen.

Prinzipiell funktionieren fast alle Arbeitsschritte neben den Trim-Kommandos über Rechtsklicks. Und beim Trimmen in der Timeline geht Lightworks leichter von der Hand als Premiere, DaVinci oder Final Cut Pro X. Schon als einfaches Log-Tool für den Regisseur oder auch, um Proxys zu erzeugen, kann sich Lightworks schon lohnen. Hat man sich etwas eingearbeitet, ist es hilfreich, in die freie Anordnung der Fenster zu wechseln.

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Autor
Christoph Harrer
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