Praxistest: DJI RS 5-Gimbal
Mit dem RS 5 hat DJI einen neuen Gimbal vorgestellt. film-tv-video.de hat ihn getestet.

Praxis
Eine weitere Neuerung ist mir erst beim Zusammenbauen aufgefallen. Früher musste man jeden der drei Arme des kleinen Tripods einzeln ausklappen. Beim RS 5 sind sie per Zahnrad gekoppelt und fahren gleichzeitig aus. Sehr praktisch.

Dann kam die erste Enttäuschung: Die Canon R5C ist meine To-go-Gimbalkamera. Im Cage mit integrierter Schnellwechselplatte konnte ich sie beim Dreh extrem schnell auf den Gimbal schieben. Das geht jetzt nicht mehr, da das Cage am vertikalen Gimbalarm auf der rechten Seite anstößt und sich so nicht auf den RS 5 montieren lässt.
Also ohne Cage nutzen… Jetzt ist die Kamera aber trotz 24-70-Objektiv so leicht, dass der Sucher am hinteren Gimbalarm anstößt. Das lässt sich sicherlich alles »umbasteln«, aber die Vorgänger waren hier besser dimensioniert.
Und da ich sonst eigentlich nur Positives zu berichten habe, noch schnell eine weitere »Änderung«: Die NATO Rails an den Seiten hatten bis jetzt immer Kontakte, um Zubehör anzuschließen. So etwa Arme mit Kontrolleinheit von Smallrig. Diese Kontakte befinden sich jetzt nur noch an der linken Seite. Das sollte man vor dem Kauf von Zubehör also beachten.

Das Montieren der Kamera und vor allem das Ausbalancieren geht durch die neuen Einstellschrauben viel schneller und präziser. Diese Funktion hatte ich mir immer gewünscht.

Ein erstes Testrennen hat mich schon sehr positiv beeindruckt. Die Motoren sind stark und halten die Kamera immer in Waage. Mikrovibrationen und Wackler, die oft bei unsauberem Gehen ohne Duckwalk vorkommen, habe ich nicht beobachtet. Sie traten erst viel später beim Stresstest auf, das ist aber dort normal. Generell ist der RS 5 also auf einem höheren Stabilisierungsniveau als seine Vorgänger.
Auch wenn es oft nervt, sie zu montieren, trägt eine Objektivstütze viel zur Stabilisierung bei. Die Schnellwechselplatte hat wieder eine kleine Stütze integriert (wohl eher für Speedbooster). Außerdem kann man an die lange Platte eine kleine, aber längere Plastikstütze schrauben. Dadurch vermeidet man kleinere Vibrationen.
Im Testvideo bin ich verschiedene Brennweiten beim Tracking durchgegangen, außerdem habe ich wie immer mit 300mm oder noch längeren Brennweiten gefilmt. Hier sieht man genau, wie gut ein Gimbal arbeitet. In dem Video bin ich mit 300mm sowie 450mm gegangen und gerannt.

Die Stabilisierung im Objektiv sowie die IBIS-Stabilisierungen der Kameras stelle ich bei Gimbaltests immer aus. Sie verfälschen das Ergebnis und arbeiten im schlimmsten Fall gegen den Gimbal. Besonders beim IBIS ist dies der Fall.

Wie gesagt ist das Wackeln im Testvideo bei 300mm absolut normal. Das tritt bei fast jedem Gimbal auf. Zum Vergleich habe ich noch einen Clip mit aktiviertem Objektivstabilisator gedreht – den nutze ich bei so langen Brennweiten immer. Dadurch wurde das Bild schon eine ganze Ecke ruhiger. Allgemein hat der RS 5 bei 300mm bisher am besten performt. Auch in der Z-Achse scheint die Stabilisierung verbessert; Auf und Ab sind weniger im Bild sichtbar.
In der Praxis würde ich bei längeren Brennweiten immer mit höherem Shutter drehen (oder 50p mit 180 Grad), vor allem wenn in der Post noch stabilisiert werden soll.

Besonders machen sich kleinere Ruckler bemerkbar, wenn man über Erde oder unebenen Boden läuft. Dies hat mit dem RS 5 auch geschmeidiger funktioniert als noch mit den Vorgängern. Dafür sind der bessere Stabilisierungsalgorithmus und die stärkeren Motoren verantwortlich.
Neu ist der Briefcase Handle mit integrierter Gimbalsteuerung. So kann man auch von diesem Griff aus etwa die Aufnahme starten oder den Gimbal schwenken.

Ich persönlich würde den Griff kaum nutzen und bin etwas enttäuscht, dass der RS 5 jetzt nicht mehr mit meinem Rig verwendbar ist – bei den NATO Rails befinden sich die Steuerungskontakte wie anfangs erwähnt nur noch auf der linken Seite, die Smallrig Arme passen nicht mehr.
Über das Menü kann man den Gimbal kalibrieren und diverse Aufnahmeszenarien einstellen. Auch lässt sich hier der Gimbal finetunen, indem man die einzelnen Motoren abstimmt oder die Geschwindigkeiten z.B. zum Verfolgen anpasst. Die einzelnen Modi PTF, PF und FPV sind wie schon beim Vorgänger einfach an der Seite des Gimbals per Wahlschalter einstellbar.

Das Display ist schön groß und hell, was besonders der Vorschau des Tracking-Moduls zugute kommt. Dieses kommt in neuer Version und wird wie der Vorgänger einfach per Magnet auf den Gimbalarm geklippt.
Steuerung und Stromversorgung laufen über die Kontakte an Modul und Arm. Das Modul ist eine geniale Idee – es »trägt kaum auf« und muss nicht per Kabel verbunden werden.

Die kleine Kamera des Moduls liefert das Bild an das Display des Gimbals. Über diesen kann man dann Dinge tracken, indem man sie auf dem Touchscreen markiert. Neu im Vergleich zum Vorgänger ist die automatische Erkennung auch von Tieren und Fahrzeugen. Diese werden dann ähnlich wie bei den Drohnen im Bild angezeigt und vormarkiert.
Hat man sein Objekt der Wahl getrackt, lässt sich jetzt das Bild noch über den Joystick framen – und bleibt so. Im Testvideo habe ich beim Orbit einen Pfosten mal links und rechts im Frame platziert, dieser blieb dann auch beim Bewegen des Gimbals auf der jeweiligen Seite im Bild.

Im Menü kann ich dann die Verfolgegeschwindigkeit auswählen – je nach Brennweite und ob der Gimbal langsam oder schnell bewegt wird. Hier muss man ein bisschen herumprobieren und schreibt sich dann am besten ein paar Werte auf. Allerdings wären mehr als drei Werte bei der Geschwindigkeit hilfreich. Ein weiteres »Problem« stellt das Objektiv vom Modul dar. Es hat einen sehr weiten Winkel, was bei langen Brennweiten natürlich nicht mehr gut funktioniert. Getrackte Objekte neigen hier mehr zum Springen.
Eine Lösung könnte eine höher auflösende Modul-Kamera in Verbindung mit drei einstellbaren Zoomstufen sein. Darum habe ich anfangs auch geschrieben, dass RavenEye nicht ersetzt wird – dieses »guckt« nämlich durch das eigentliche Objektiv der Kamera. So konnte ich etwa aus einem Auto heraus mit 300mm den Mond sauber damit tracken.
Hat man relativ große und/oder klare Objekte, arbeitet das Modul nach etwas Finetuning relativ gut. Bei längeren Brennweiten oder zu präsentem Hintergrund kann es beim Tracking allerdings zu Rucklern kommen. Auch hier würde der Stabilisator des Objektives etwas Abhilfe schaffen.
Gerade für Solo-Shooter, die auch mal Personen oder Fahrzeuge verfolgen wollen, stellt das Modul einen absoluten Mehrgewinn dar. Man kann sich voll auf die Kameraarbeit konzentrieren, während das Objekt automatisch verfolgt wird. Ein riesiger Vorteil gegenüber RavenEye ist natürlich die geringe Größe. Das Modul stört nicht, ist schnell montiert und benötigt keine Kabel.
Bei mir ist das z.B. auf dem Fahrrad der Fall. Den Gimbal mit einer Hand zu halten ist kein Problem, doch seine Ausrichtung dann noch zusätzlich per Joystick zu steuern, ist nahezu unmöglich. Auch hier ist Tracking durchaus nützlich.

Netter Nebeneffekt: Über das Display des Gimbals kann man auch das Bild sehen, selbst wenn das Kameradisplay gerade in einer ungünstigen Position steht.
Hat man keinen Federarm zur Verfügung oder will leichte Vibrationen oder Wackeln bei langen Brennweiten vermeiden, lässt sich zusammenfassend zusätzlich der Stabilisator des Objektivs nutzen oder eine tatsächlich nicht so starke Stabilisierung in der Post anwenden.

Im direkten Vergleich zu einem älteren Gimbal wie etwa dem RS2 Pro ist der Joystick übrigens feinfühliger geworden und startet sanft. Regelt man seine Geschwindigkeit in der App etwas herunter, lassen sich sehr weiche Fahrten mit ihm realisieren.
Neu ist auch, dass sich die M-Taste mit Funktionen belegen lässt. Die Anzeige der Z-Achsen-Bewegung ist sehr hilfreich, um etwa Blackarm Rigs perfekt einzustellen. Außerdem sieht man beim Laufen direkt, ob der Duckwalk richtig angewendet wird. Auch hier sind im Video zwei Beispiele: einmal ohne Duckwalk, einmal mit.
Testvideo des neuen RS 5-Gimbals.
Fazit

Der RS 5 stabilisiert besser als sein Vorgänger. Außerdem spart man durch die Rändelschrauben an den Armen beim Ausbalancieren eine Menge Zeit. Durch das DJI-Ökosystem kann der neue Gimbal wie schon die Vorgänger erweitert werden, um ihn z.B. an Autos usw. zu befestigen – die RS-Serie stabilisiert auch bei hoher Geschwindigkeit gut, wenn man das GPS-Modul nutzt. Aber gerade für Soloshooter ist der neue DJI Gimbal nicht zuletzt durch das Tracking-Modul interessant. Bei diesem bin ich noch etwas geteilter Meinung ob der Stabilisierung; vielleicht hatte die Beta-Firmware auch einfach nur einen Bug. Beim RS 4 zumindest lief es ruckelfreier. Absolut begeistert bin ich von der Haptik und besseren Stabilisierung, die sich gerade bei längeren Brennweiten zeigt.
Seite 1: Daten
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