HDR, Live, NAB2017, Technology, Video: 13.05.2017

NAB2017-Video: HDR-Workflows von Sony

Sony setzte im Rahmen der NAB2017 sehr stark auf das Thema HDR und stellt unterschiedliche Wege und Workflows vor, mit denen die Anwender in diesem Bereich aktiv werden können — auch mit schon vorhandenem Sony-Equipment.

Viele Wege führen nach Rom — und auch zu HDR. Das stand bei Sony neben anderen Themen im Zentrum der NAB2017. Dabei setzt der Hersteller zwar leider teilweise auf nichtssagende oder sinnfreie Marketing-Begriffe, die mehr verschleiern als sie erklären, aber die HDR-Technologien und HDR-Workflows, die sich konkret dahinter verbergen, sind sehr interessant. So stellt dieser Artikel auch den Versuch dar, Licht ins Dunkel dessen zu bringen, auf welchen Wegen Sony HDR in den Markt tragen und den Kunden nahe bringen will.

Video zum Themenbereich HDR-Workflows
Sony, Pfeifer, Porträt
Claus Pfeifer, Strategic Marketing Manager bei Sony.

Claus Pfeifer von Sony stellt im Video zwei Möglichkeiten vor, mit Sony-Produkten auch jenseits des Live-Bereichs vergleichsweise preisgünstige 4K/HDR-Workflows aufbauen zu können: Dabei kommen bei der Kamera F55 das Format XOCN und ein neuer Thunderbolt-Cardreader zum Einsatz. Zudem gibt es den Instant-HDR-Workflow für die Sony-Camcorder PXW-Z150 und PVW-FS5, die mit einem Software-Update HDR-fähig (HLG, BT2020) gemacht werden.


Claus Pfeifer von Sony stellt im Video zwei Möglichkeiten für vergleichsweise preisgünstige 4K/HDR-Workflows vor.
HDR auf vielen Wegen
HDR, Sony
HDR ist schon länger ein Thema, bislang ging man aber auch bei Sony eher davon aus, dass die Einführung mit oder nach der Umstellung auf 4K erfolgen würde.

Bisher hatten die meisten Hersteller — Sony eingeschlossen — propagiert, dass zunächst 4K eingeführt werde und dann in einem weiteren Schritt noch weitere Bildverbesserungen folgen würden, darunter auch HDR. Von dieser Linie wird nun zunehmend abgewichen, auch bei Sony. So scheint sich zunehmend die Sichtweise zu etablieren, dass die Zeit für HDR reif sei und dass es durchaus auch Sinn ergebe, HDR nicht nur an 4K zu koppeln, sondern etwa auch HDR-HD anzubieten.

Wie genau die Umsetzung von HDR auf technischer Seite erfolgen soll, darüber gibt es von der ITU eine Empfehlung namens BT.2100-0. Darin sind zwei Möglichkeiten aufgezeigt, wie man aus Sicht der ITU HDR-Bilder produzieren soll: mit einem Verfahren namens Perceptual Quantization (PQ) oder mit Hybrid Log-Gamma (HLG). Ob und wie sich das durchsetzen wird, ist noch nicht endgültig klar, denn es gibt auch Zweifler und Anfechtungen diverser Art.

Sony, HDR
Auf Messen zeigte Sony schon verschiedentlich HDR-Workflows, allerdings nicht im Zusammenhang mit HD, sondern mit 4K.

Das macht, zusammen mit der Rolle rückwärts von 4K zu HD, die Gesamtlage noch etwas unübersichtlicher, als sie ohnehin schon ist. Insofern ist es löblich, wenn Sony versucht, Ordnung in diese Themen zu bringen. Also teilt Sony den Markt in verschiedene Bereiche ein und will hier jeweils passende HDR-Lösungen anbieten. So weit so gut: Aber leider sind die Oberbegriffe, die der Hersteller dafür wählt, zumindest diskussionswürdig.

HDR in der Live-Übertragung

Als eigenen Bereich innerhalb des HDR-Themas definiert Sony die Live-Übertragung. Dafür schlägt Sony einen Workflow vor, den das Unternehmen als »SR Live for HDR« bezeichnet.

Dieser Workflow basiert darauf, wie Sony-Systeme bisher schon genutzt wurden, um die effiziente und simultane Produktion von 4K- sowie ganz normalen HD-Signalen zu ermöglichen. In zahlreichen Tests und Pilotproduktionen wurde auf diese Arbeitsweise noch eine Möglichkeit draufgesattelt, parallel zum »normalen« 4K- und HD-Signal auch noch ein HDR-4K-Signal zu erzeugen und auszugeben.

Claus Pfeifer, Sony, Porträt, HDR-Workflows
Claus Pfeifer erläutert im Video die file-basierten HDR-Workflows von Sony.

Nun kommt mit dem Ruf nach HDR-HD eine weitere Variante hinzu. So wie bisher von Sony-Live-Systemen 4K und HDR-4K parallel verarbeitet wurden, soll es nun möglich werden, HD und HDR-HD parallel zu verarbeiten — und das nennt Sony »SR Live for HDR«.

Konkret wird dabei das Ausgangssignal der Kamera in ein Zwischenformat konvertiert (S-Log3, BT.2020, HDR-HD), das dann die Ausgabe in verschiedenen Formaten erlaubt. Nachdem dieses Zwischenformat erstellt wurde, kann es von einem Konverter namens HDRC-4000 von Sony in das jeweils gewünschte Übertragungsformat umgewandelt werden, HD oder HDR-HD in der Geschmacksrichtung HLG oder PQ. Der HDRC-4000 nutzt dafür eigene Algorithmen, die dafür sorgen sollen, dass die Bilder beim Endkunden auch so aussehen, wie sie von dem Machern intendiert waren.

HDR-Workflows bei Sony-Camcordern
Sony, HDR, HDR-Workflows
Der Recorder R7 kann an die F55 angedockt werden und bringt das Formet XOCN, das sich aus Sony-Sicht auch optimale für HDR-Produktionen eignet.

Um etwa mit dem Camcorder F55 HDR-Produktionen zu realisieren, kann man mit diesem Camcorder die S-Log3-Gammakurve nutzen und im Raw-Format aufnehmen. Das macht die Produktion aber relativ datenintensiv und schwerfällig. Deshalb hat Sony das Format XOCN entwickelt, das im zur F55 passenden Recorder R7 zur Verfügung steht. XOCN ermöglicht die Aufzeichnung von 16-Bit-Signalen, aber mit einer wesentlich geringeren Datenrate als bei Raw-Aufzeichnung. XOCN bietet zwei Qualitätsstufen an: XOCN ST mit einer um rund 30 % geringeren Datenrate als bei Raw-Aufzeichnung und XOCN LT mit einer um 60 % niedrigeren Datenrate.

Das XOCN-Format sieht Sony als optimal geeignet an, um damit auch HDR-Produktionen zu realisieren, weil man damit eben in einer sehr hohen Ausgangsqualität aufzeichnen kann, aber ohne die extrem hohen Datenvolumina einer Raw-Produktion.

Sony, HDR, FS5
Auch für bestehende Camcorder wie den FS5 von Sony soll sich HDR-HD nachrüsten lassen.

Auch bei den XDCAM-Camcordern PXW-FS5 und PXW-Z150 will Sony HDR-Funktionalität anbieten. Hier ist aber weder der oben ausgeführte Live-Ansatz umsetzbar, noch der XOCN-Ansatz, weil beide zu teure, leistungsfähige Technik und Zusatzgeräte erfordern würden. Sony geht aber davon aus, dass auch die Anwender dieser Geräte an HDR interessiert sind, aber einen einfacheren, schneller umsetzbaren HDR-Workflow dafür wünschen, mit dem sie etwa schnell HDR-fähige Online-Plattformen füttern können.

Deshalb sollen die genannten Camcorder mit der nachrüstbaren Fähigkeit versehen werden, HLG-Aufnahmen für einfache file-basierte Workflows aufzuzeichnen. So soll ein einfacher Workflow möglich werden, der den direkten Dreh, Schnitt und die Wiedergabe von HDR-Inhalten auf Basis von HLG ermöglicht — ohne dass zwingend ein Grading oder weiteres Processing erforderlich wären.

Neuer Kartenleser

Nicht ganz eng mit dem HDR-Thema verknüpft, aber dennoch im Zusammenhang mit dem neuen Camcorder-HDR-Workflow für die F55 erwähnenswert ist der Speicherkartenleser AXS-AR1, der AXS-Speicher und SxS-Karten lesen kann. Er ist mit einer Thunderbolt-2- Schnittstelle bestückt.

Der neue Leser ist das erste Kartenlesegerät von Sony mit einem Slot, der für AXS-Speicher der A-Serie und für  SXS-Speicherkarten verwendet werden kann. Das vielseitige Lesegerät unterstützt Aufnahme-Workflows auf Basis von Raw- (oder X-OCN-) und XAVC- (oder MPEG50)-Dateien, die von PMW-F55/F5 und AXS-R 7 aufgezeichnet wurden.

Der neue AXS-AR1 bietet laut Sony ultraschnelle Übertragungsgeschwindigkeiten, um die Kopierzeit am Set oder während des Ingest des aufgenommenen Materials zu verringern.

Updates im Überblick
Sony, HDR
Für die Kamera HDC-4800 soll es ein Firmware-Upgrade geben.

Die Systemkameras HDC-4800, HDC-4300 und HDC-P43 unterstützen bereits alle S-Log3 und BT.2020 können also prinzipiell im von Sony entworfenen Workflow »SR Live for HDR« eingesetzt werden. Sie erhalten ein Firmware-Upgrade zur Freischaltung der HDR-HD-Funktion.

Für die HDC-2500 stellt die 4K-HDR-Prozessorkarte HKCU-2040 sowohl eine 4K- als auch die HD-CCU bereit. Der 4K-Live-Server PWS-4500 unterstützt HD S-Log3, HD in HLG und 4K/HD in PQ mit dem Software-Update V 2.3.

Der HD-Oled-Monitor BVM-E171 wird HDR über die neue HDR-Monitor-Lizenz BVML-HE171 unterstützen. Diese Lizenz gibt dem Anwender die Möglichkeit, HDR ganz nach seinen Anforderungen und Budgetvorstellungen umzusetzen.

Der BVM-X300 und PVM-X550 von Sony sind für alle Auflösungen bis zu 4K bereits mit HDR kompatibel. Die HDR-Ergänzung des BVM-E171 eröffnet die Sichtung von HDR-HD für neue Anwendung, wie etwa in Ü-Wagen, wo nur wenig Platz zur Verfügung steht.

Für PXW-FS5 und PXW-Z150 von Sony wird die HDR-Funktion über ein Software-Update freigeschaltet. Beim PXW-FS5 wird dann HLG zusätzlich zu S-Log3 unterstützt. Der HLG -Modus kann laut Sony durch das neu hinzugefügte Bildprofil ganz schnell eingerichtet werden. Auch beim PXW-Z150 wird der HLG-Modus unterstützt. Das Anzeige- und Logging-Tool Catalyst Browse von Sony mit optimierter Medienverwaltung bietet auch Unterstützung von HLG, damit Nutzer auch diese Inhalte ganz einfach sehen können.

Verfügbarkeit
Sony, HDR
Das Software-Update V2.0 für den Camcorder PXW-Z150 soll ab Juli 2017 bereitstehen und HDR-Fähigkeit bringen.

Die Firmware-Upgrades zur Freischaltung von HDR-HD für die Kamerasysteme HDC-4300 und HDC-P43 sollen ab Frühling 2017, für das Kamerasystem HDC-4800 ab Sommer 2017, bereitstehen. Das Software-Update V2.3 für die PXW-4500 wird laut Hersteller ab Juni 2017 bereitgestellt. Die HDR-Monitor-Lizenz BVML-HE171 für den BVM-E171 und das Software-Update 1.1 zur Freischaltung von HD HDR für den BVM-E171 sind für August 2017 geplant.

HLG-Support für Catalyst Browse ist schon verfügbar. Das Software-Update V2.0 für den Camcorder PXW-Z150 und V4.0 für den PXW-FS5 sollen ab Juli 2017 bereitstehen.