Film: 16.05.2022

Kürzlich realisierte Filmproduktionen auf 65, 35, 16 und Super-8

Jüngere Produktionen, die auf Kodak-Filmmaterial für 20th Century Fox, HBO und MGM gedreht wurden.

Natürlich werden die meisten AV-Produktionen heute vollständig mit digitalen Kameras gedreht — und das gilt auch für Kinoproduktionen. Aber es gibt auch weiterhin aktuelle Produktionen, die auf Film produziert werden. Dabei werden zum einen bestimmte Passagen auf Film gedreht, wenn die Regisseure und DoPs für bestimmte Szenen eines Films besondere Looks und Anforderungen haben, aber in einigen Fällen werden auch ganze Produktionen auf Film gedreht. Die Infos der folgenden Beispiele basieren auf Material von Kodak und sie zeigen, dass es ganz unterschiedliche Gründe fürs Drehen auf Film geben kann.

Tod auf dem Nil, Szenenfoto, © 20th Century Studios
Die Spielszenen von »Tod auf dem Nil« mit den Schauspielern wurden weit überwiegend mit 65-mm-Film gedreht.
»Tod auf dem Nil«

So drehte der britische DoP Haris Zambarloukos »Tod auf dem Nil« unter der Regie von Kenneth Branagh für 20th Century Fox weit überwiegend auf 65-mm-Filmmaterial.

Dabei drehte aber zunächst eine kleine Crew in Ägypten Background Plates mit dem Nil im Hintergrund — allerdings nicht mit Film, sondern mit einem ganzen Array aus 14 Digitalkameras des Modells Monstro von Red. Diese Plates wurden dann später als Hintergründe für VFX-Passagen von Spielszenen verwendet, die mit Schauspielern realisiert wurden. Bei den Plates handelte es sich um 360º-Material, das in 8K gedreht wurde. Mit einer Drohne wurden auch digitale Flugaufnahmen, Bootsfahrten und Unterwasseraufnahmen realisiert.

Tod auf dem Nil, Szenenfoto, © 20th Century Studios
In den VFX-Passagen wurden digital gedrehte Plates verwendet.

Dann begannen die Hauptdreharbeiten für »Tod auf dem Nil« in den Longcross Studios in England, wo auch schon »Mord im Orient Express« gedreht worden war. Im Studio wurde einerseits eine Kulisse des Tempels von Abu Simbel gebaut, andererseits auch ein 100 m langes Schiff, die SS Karnak Karnak — inklusive Innenausstattung. In England wurde fast ausschließlich auf 65-mm-Film gedreht. Unter der Leitung von DoP Zambarloukos waren die Kameraleute Luke Redgrave und Andrei Austin an A- und B-Kamera im Einsatz, Steadicam und Handheldaufnahmen drehte Stamos Tritantylollos.

Tod auf dem Nil, Szenenfoto, © 20th Century Studios
Im Vordergrund 65-mm-Material, im Hintergrund Plate-Material.

Zambarloukos setzte die gleichen Optiken und Kameras wie in »Mord im Orient Express« ein: Panavision System 65 Sphero lenses, kombiniert mit einer Panavision 65 mm high-speed MOS und zwei Panaflex 65 mm.

Die drehbereiten Filmkameras wogen rund 60 kg, deshalb wurden große Teile de Filmmaterials auf Remote-Köpfen gedreht, montiert auf Kränen oder Dollies. Gedreht wurde auf Kodak-Filmmateral: Vision3 500T Color Negative Film 5219, Vision3 200T Color Negative Film 5213 und Vision3 50D Color Negative Film 5203. Als Kopierwerk arbeitete das Kodak Film Lab in Pinewood, das Material scannte Fotokem dann in 8K und stellte der Postproduction downkonvertiertes 4K-Material zur Verfügung.

Offizieller Trailer von »Tod auf dem Nil«.
The Winning Game, Plakat, © HBO
»The Winning Game« erzählt die Geschichte des Basketball-Teams Los Angeles Lakers aus den 1980ern.
»Winning Time: The Rise of the Lakers Dynasty«

Mit Filmmaterial in den Formaten 35, 16, Super-8 in Farbe und auch mit SW-Material wurde eine neue, zehnteilige Serie von HBO produziert: »Winning Time: The Rise of the Lakers Dynasty«. Darin wird Geschichte des Basketball-Teams Los Angeles Lakers aus den 1980ern erzählt.

Adam McKay kreierte diese Serie als Executive Producer und als Regisseur der Pilotfolge, umgesetzt als überdrehte, schwarze Komödie. Wichtige Rollen waren darin die NBA-Stars Magic Johnson und Kareem Abdul-Jabbar sowie der Teambesitzer Jerry Buss, ein Unternehmer und Lebemann. Gestaltet wurde die Serie als Mischung aus Zelluloid-Looks und Vintage-Videoformaten, mit Werbeclips aus dieser Zeit, News-Material und Basketball-Footage aus dem Archiv.

The Winning Game, Plakat, © HBO
Der Materialmix lässt die Linie zwischen Archivmaterial und neu gedrehtem Material bewusst unscharf.

Adam McKay und Todd Banhazl, einer der DoPs, waren sich einig, dass die Serie vom Look her am besten auf Filmmaterial basieren sollte, weil dieser Look allein schon von sich aus für diese Ära spräche. Und auch das Spielen mit verschiedenen Formaten fanden sie absolut passend und interessant. Dabei sollte die Linie zwischen Archivmaterial und neu gedrehtem Material bewusst unscharf bleiben.

Daher recherchierte Banhazl, welche Filmmaterialien in dieser Zeit verwendet wurden. Das war Kodachrome-Material, das in den 1950ern und 60ern verwendet wurde. Später wurde auch Ektachrome-Umkehrmaterial verwendet, in den Archiven sichtete Banhazl auch große Mengen von 16- und 8-mm Archiven. Er informierte sich auch über Röhrenkameras, die in den 80ern für Aufzeichnungen und Übertragungen von Basketball-Spielen zum Einsatz kamen.

Dabei stellt Banhazl letztlich fest, dass die visuelle Realität und unsere visuelle Erinnerung an diese Zeit sich durchaus voneinander unterscheiden. Also beschloss er schließlich, die verschiedenen Film- und Videoformate einerseits und Drehstile andererseits primär wie einzelne Malwerkzeuge zu nutzen.

Schließlich wurden Tests durchgeführt, und schließlich stand das Rezept für die visuelle Gestaltung fest. Im Endeffekt kam ein ganzes Arsenal an Materialien zum Einsatz:  35-, 16- und Super-8-Kameras wurden verwendet, aber auch Röhrenkameras von Ikegami.

The Winning Game, Plakat, © HBO
Als Arbeitspferd wurde Vision3 500T Color Negative Film 5219 von Kodak in 35 mm gedreht.

Als Arbeitspferd wurde Vision3 500T Color Negative Film 5219 von Kodak in 35 mm und 7219 in 16 mm und Super-8 eingesetzt. Aber auch Vision3 50D 500T Color Negative Film in 5203 35 mm und 7203 16 mm/Super-8 kamen zum Einsatz. Vision3 250D Color Negative Film 5207/7207 formats und  Eastman Double-X Negativfilm 5222 35 mm SW und Kodak Tri-X Umkehrfilm 7266 in 16 mm Panchromatic SW wurden in gewissem Maß verwendet, um das Archivmaterial visuell nachzuempfinden.

Die Pilotfolge wurde mit  Cooke-S4-Objektiven auf Arricam-LTKameras gedreht, der Rest der Serie wurde mit Panavision-Primo-Objektiven und 35-mm-Kameras des Typs Millennium-XL2 realisiert. Zeiss Ultraprimes wurden an Arri 416 montiert und in 16 mm aufgenommen, bei den 8mm-Kameras wurden Vintage-Objektive von Angénieux und Canon-Zooms eingesetzt.

Als Kopierwerk für 35 und 16 mm wurde Fotokem in LA verwendet, das Super-8-Material verarbeitet Pro8mm in Burbank.


Offizieller Trailer von »The Winning Game«.»
Licorice Pizza, Szenenfoto, © MGM
»Licorice Pizza« von Paul Thomas Anderson hat MGM komplett auf 35-mm-Material produziert.
»Licorice Pizza«

Paul Thomas Anderson drehte seinen Film »Licorice Pizza« komplett auf 35-mm-Film von Kodak. Der Film ist die fiktionale Geschichte von Gary Valentine, einem frühreifen, unternehmerisch denkenden Highschool-Schüler, der im Jahr 1973 spielt. Darin geht es als Hauptthema um seine unüberwindbare Schwäche für die ältere Alana Kane.

Licorice Pizza, Szenenfoto, © MGM
Vor dem Film testete Paul Thomas Anderson ausgiebig: Locations, Schauspieler, Filmmaterialien, Belichtungen, Objektive und Licht-Setups.

Der Film kam im Dezember 2021 in den USA ins Kino, er bekam viele gute Kritiken und drei Awards des National Board of Review, darunter auch für den besten Film. Das American Film Institute benannte ihn als einen der besten Filme des Jahrs 2021, und er erhielt auch Nominierungen für die 79th Golden Globe Awards.

Vor dem Film testete Paul Thomas Anderson ausgiebig: Locations, Schauspieler, Filmmaterialien, Belichtungen, Objektive und Licht-Setups, weil er genau den gewünschten Look erzielen wollte.

Licorice Pizza, Szenenfoto, © MGM
Anderson wollte den Film auf keinen Fall digital drehen.

Anderson wollte den Film auf keinen Fall digital drehen, schließlich drehte er »Licorice Pizza« mit einer 35-mm-Kamera, einer Panavision Millennium XL2. Bei den Objektiven wurde überwiegend auf Panavision C-Series-Anamorphoten gesetzt, bei Vintage-Objektiven auch aus den 60ern und 70ern. Auch eigene und umgebaute Objektive aus dem Besitz von Paul Thomas Anderson wurden verwendet.

Insgesamt drehte Anderson den Film an 68 Drehtagen. Überwiegend wurde mit Vision3 500T Color Negative Film 5219, mit Vision3 200T Color Negative Film 5213und Vision3 50D Color Negative Film 5203 gedreht.

Offizieller Trailer von »Licorice Pizza«.