Kamera, Test, Top-Story: 25.02.2000

Wer bietet weniger?

Der Einstieg ins DV-Zeitalter wird auch für Profis immer günstiger: Mit Camcordern zu Preisen unterhalb der 15.000-Mark-Grenze wehren sich die Profi-Abteilungen von Panasonic und JVC gegen die Konkurrenz aus dem Prosumer-Lager.

Dass der GY-DV500 von JVC eine harte Nuss für die Konkurrenz ist, das zeigte schon der erste Praxistest von film-tv-video.de. Im direkten Vergleich mit dem AJ-D215 von Panasonic kann der JVC-Neuling nun unter seinesgleichen zeigen, was er drauf hat. Zudem zogen die Tester in einzelnen Disziplinen auch einen CCD-VX1000, den Ur-Vater der 3-Chip-DV-Camcorder und einen Canon XL-1, den klassischen Semiprofi, zum Vergleich heran.

Die Eckdaten des GY-DV500:
Der GY-DV500 ist, wie alle Profi-Camcorder, in der klassischen Schulter-Bauweise ausgeführt. Wechselobjektiv, großer Winkelsucher, grundsätzliches Bedienkonzept und die essentiellen Funktionen entsprechen dem üblichen Bild. Der GY-DV500 kostet inklusive Objektiv 13 900 Mark zuzüglich Mehrwertsteuer.

Der GY-DV500 schreibt digitale Bild- und Tonsignale im ganz normalen Standard-DV-Format auf Mini-DV-Kassetten. Der Ton wird wahlweise auf 2-Kanälen mit 16-Bit oder mit 4-Kanälen und 12-Bit aufgezeichnet.

Die Eckdaten des AJ-D215:
Der Panasonic AJ-D215 tritt als direkter Konkurrent des GY-DV 500 an. Er zeichnet im Unterschied zum JVC-Camcorder im DVCPRO-Format auf. Mit seinem rund 1000 Mark günstigeren Nettopreis platziert Panasonic diesen Camcorder klar im Corporate-Markt. Der AJ-D215 ist der preisgünstigere und etwas besser ausgestattete Nachfolger des AJ-D200. Zusätzlich zu den Funktionen des AJ-D200 bietet der 215er mit einem digitalen Ausgang namens DVCPRO-Terminal und einem zuschaltbaren ND-Filter zusätzliche Funktionen.

Den Ton zeichnet der AJ-D215 stets mit 16 Bit und 48 kHz auf, es gibt keine Umschaltung auf vier Kanäle. Zusätzlich zeichnet der AJ-D215 aber den DVCPRO-typischen Randspurton auf, den kein DV-Camcorder aufweist. Hier kann auf einer Spur Kanal 1, 2 oder eine Mischung aus beiden aufgezeichnet werden.

Features, Handling:
Herrscht bei den Eckdaten noch einigermaßen Gleichstand, so zeigt schon die erste, oberflächliche Beschäftigung mit den Camcordern, dass es deutliche Unterschiede gibt.
Beim Sucherbild liegt der DVCPRO-Camcorder von Panasonic vorn. Er bietet ein schärferes, gut aufgelöstes Schwarzweißbild mit einer Bildschirmdiagonalen von etwa 3,8 cm. Mit diesem Sucher lässt sich das Motiv im Sucher zuverlässig beurteilen. Außerdem sagten den Testern die besseren Verstellmöglichkeiten und die insgesamt robustere Anmutung des Panasonic-Suchers stärker zu. Der Sucher des GY-DV500 kann da nicht ganz mithalten: Trotz gleicher Bilddiagonale ist das wahrgenommene Bild kleiner. Der JVC-Sucher ist immer noch gut und schlägt die bunten Mäusekinos der Consumer-Camcorder um Längen, aber der Panasonic-Sucher ist eben einen Tick besser.

Insgesamt ist der Panasonic-Camcorder aber deutlich spartanischer ausgestattet, was dem Handling keinesfalls zuträglich ist. Ein Display für Tonpegel und Recorder-Einstellungen etwa, sucht man am AJ-D215 vergeblich. Die Tonpegelkontrolle ist leider nur via Einblendung in das Sucherbild möglich. Das ist weder komfortabel, noch reicht es bei manueller Tonaussteuerung wirklich für eine zuverlässige Beurteilung aus.

Ganz anders der JVC-Camcorder: Er bietet ein großes, beleuchtbares Display, das neben einem ausreichend großen Audio-Balkeninstrument auch viele weitere nützliche Anzeigen in sich vereint. Hier kann der JVC-Camcorder deutlich punkten.

Bildvergleich:
Um das Ergebnis gleich vorwegzunehmen: Der Panasonic AJ-D215 überzeugte die Tester durch seine stimmigen Bilder mit ihren nüchternen Farben. Von allem Geräten im Testfeld liefert dieser Camcorder die Bilder, die der Realität am nächsten kommen, keine geschönten, zu warmen, zu bunten Bilder. Trotz der im Vergleich zum JVC-Camcorder kleineren 1/3-Zoll-Chips schafft der Camcorder scharfe und detailreiche Aufnahmen. Die Blende arbeitet zuverlässig und ruhig, das Bild ist insgesamt sehr stabil und stimmig.
Beim GY-DV500 wird tiefer in die elektronische Trickkiste gegriffen, wodurch schon in der Grundeinstellung des Geräts die Farben brillanter, der Kontrast stärker und die Welt insgesamt etwas bunter dargestellt werden. In Kombination mit dem wirklich sehr geringen Rauschen wirken die Bilder insgesamt sehr clean und knackig. Das kann man mögen, es kann in bestimmten Situationen ein Vorteil sein — oder auch nicht. Ganz generell muss man sagen, dass zwischen dem AJ-D215 und dem GY-DV500 in puncto Bildqualität keine Welten liegen: Beide bieten richtig viel fürs Geld.

Fazit:
Der Sieger dieses Tests heißt GY-DV500. Die reiche Ausstattung wiegt die kleinen Minuspunkte bei weitem wieder auf, die man an diesem Gerät ausmachen kann. Der AJ-D215 kann, trotz guter Bildqualität, wegen seiner spartanischen Ausstattung nicht wirklich überzeugen. Nur wer hinter dem Camcorder eine funktionierende DVCPRO-Infrastruktur aufbaut oder schon über eine solche verfügt, kann mit diesem Gerät glücklich werden, denn als Zuspielgerät eignet es sich definitiv nicht.

Downloads zum Artikel:

T_IZTT_0200_Pana_JVC.pdf

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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