Live, Sport: 05.01.2026

NFL-Game in Berlin

NEP produzierte das NFL-Spiel in Berlin mit fünf Ü-Wagen vor Ort und setzte rund 40 Kameras ein, um das Spiel in Szene zu setzen. Technical Project Manager Tim Deacon von NEP UK gibt Einblicke in die Produktion.

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Am 9. November fand das NFL-Spiel in Berlin statt.

Dass die NFL einige Spiele auch in Europa austrägt, begann vor vielen Jahren mit einem einzelnen NFL-Spiel im Wembley-Stadion. Mittlerweile sind Spiele in Europa zu einem festen Bestandteil der NFL-Saison geworden, und 2025 erreichte die Serie mit sechs aufeinanderfolgenden Spielen in verschiedenen europäischen Städten eine neue Dimension.

Technische Infrastruktur

Tim Deacon erläutert: »NEP ist der Produktionspartner von Fox Sports – die wiederum Produktionspartner von NFL Network sind.« Bei den Spielen in Europa ist deshalb internationales Personal vor Ort, und neben den Amerikanern stammen viele Crewmitglieder von NEP UK.

Das Ausmaß der Produktion ist beeindruckend: NEP reiste für die Produktion mit fünf Trucks durch Europa – darunter NEP Ceres, einer der größten und modernsten IP-Ü-Wagen des Unternehmens, der auch bei Wimbledon und der Beerdigung von Queen Elizabeth II. im Einsatz war. Beim Spiel arbeiten rund 40 Personen in diesem Ü-Wagen.

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NEP war mit 5 Ü-Wagen vor Ort in Berlin.

Ergänzt wurde Ceres durch den B-Unit-Truck Mercury. Im Mercury waren ein zweiter Audiomischer, die Grafikoperatoren von Fox Sports, die NFL-Executive-Producers sowie drei Robotik-Operatoren für die ferngesteuerten Kameras untergebracht.

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Tim Deacon, Technical Project Manager.

Tim Deacon erläutert: »Für uns als Technik-Dienstleister der NFL-Spielreihe in Europa fühlt es sich so an, als würde man jede Woche ein Champions-League-Finale produzieren. Wenn man sich die Anzahl der Abnehmer, Quellen, Ein- und Ausgänge und die Konnektivität ansieht, ist es wirklich vergleichbar.

NEP Germany war ebenfalls in Berlin im Einsatz und realisierte vor Ort das komplette technische Setup für RTL mit dem Remote 8. Die redaktionelle und technische Gesamtproduktion erfolgte dabei aus der RTL-Regie in Köln. Ergänzend kam der Ü-Wagen HD2 zum Einsatz, der die Halftime Show sowie das In House Feed produzierte.

Spiel in Berlin

Die Kameraausstattung für das Spiel in Berlin umfasste rund 40 Kameras allein für die Host-Coverage – hinzu kamen noch Kameras für die lokalen Broadcaster RTL und Sky. Das Setup kombinierte traditionelle Sportproduktionspositionen mit NFL-spezifischen Lösungen: Spider-Cam, Steadicam, RF-Handhelds und die charakteristischen High-Behind-Kameras.

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Eine Besonderheit sind diese Mini-Kameras.

Eine Besonderheit sind die sogenannten Pylon-Cameras – speziell von NEP entwickelte Mini-Kameras in orangefarbenen, gepolsterten Gehäusen, die entlang der Goal-Lines und Touch-Lines für Replay-Zwecke positioniert werden.

Die Innovation dabei: Magnetische SDI-Verbindungen, die sich bei Kontakt mit Spielern automatisch lösen, ohne Kabel zu beschädigen oder Personen zu gefährden. »Wenn ein Spieler dagegen läuft, löst sich die magnetische Verbindung einfach. Das Field-Crew kann die Kamera innerhalb einer halben Minute wieder einsatzbereit machen«, erklärt Deacon.

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Für Cine-Look ist eine Sony F55 mit einem Canon-Cine-Objektiv verantwortlich. .

Den Großteil der verwendeten Kameras machen Sony-Systemkameras des Typs HDC-3500 und HDC-5500 aus. Für cineastische Looks ist eine Sony F55 mit einem Canon CN7 Objektiv auf der Steadicam im Einsatz – sie liefert unter anderem die Hero-Shots bei Touchdowns.

Technische Harmonisierung über den Atlantik

Eine zentrale Herausforderung bei internationalen NFL-Produktionen ist die nahtlose Integration amerikanischer Workflows in europäische Produktionsumgebungen. Anders als viele europäische Broadcaster setzt NEP auf Equipment, das dem amerikanischen Standard entspricht. Dazu zählen RTS-Intercom-Systeme, Calrec-Audiomischpulte und ein Grass Valley K-Frame mit 5 MEs. 

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Sony-Systemkameras.

Die einheitliche Technik bietet Vorteile. Deacon sagt: »Die Amerikaner können ihre Konfiguration von einer anderen Produktion einfach laden und dann wie gewohnt arbeiten. Wir stellen ihnen im Prinzip denselben Chevy Pickup zur Verfügung, den sie auch zu Hause fahren.«

Die Produktion findet in 1080/50p statt, um den europäischen Broadcastern gerecht zu werden. Das Fox-Team konvertiert das Signal dann für die US-Übertragung in 59.94i. Die Übertragung in die USA erfolgt primär über Glasfaser über Satellit als Backup.

Neun EVS-Operatoren im Dauereinsatz

Audio spielt in der NFL-Produktion eine besondere Rolle: Vier Parabolmikrofone fangen Gespräche der Spieler auf dem Feld und an Trainerbänken ein. Diese werden mit den Standard-Effektmikrofonen gemischt und je nach Spielsituation eingeblendet.

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Der Blick aufs Spielfeld.

Für Replays sind neun EVS Via-Server im Einsatz: acht für die Hauptproduktion und einer speziell für das NFL Network. »Bei so vielen Kameras braucht man nun mal viele Optionen für schnelle Replays«, erklärt Deacon.

Historische Architektur trifft moderne Produktion

Das Berliner Olympiastadion ist aufgrund seiner Bausubstanz für solche Produktionen eine Herausforderung. »Der Arbeitsbereich in diesem Stadion ist riesig«, beschreibt Deacon die Situation. »Die Herausforderung besteht darin, auch über größere Distanzen die Glasfaserverbindungen zu all diesen Positionen zu verlegen, die man für ein Fußballspiel nie benötigen würde.«

Internationale Zusammenarbeit

Die Vorbereitungszeit war knapp bemessen: Nach der Vertragsunterzeichnung im Juni folgten Inspektionen in den Stadien vor Ort im Juli. Das eigentliche Setup in Berlin begann am Montag vor dem Spiel mit dem Aufbau von Bürocontainern und Stromversorgung. Die Ü-Wagen trafen am Dienstagabend ein, und Mittwoch bis Freitag blieb für den kompletten Aufbau. Der Samstag diente als Probentag für Nationalhymne, Bands und Cheerleader. Am eigentlichen Spieltag waren dann rund 130 Crew-Mitglieder im Einsatz.

Amerikanische Erwartungen, europäische Expertise

Die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Teams erfordert besonderes Fingerspitzengefühl.

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Im großen Berliner Olympiastadion.

»Die amerikanischen Crews reisen mitten in ihrer Saison an, haben keine Zeit für Vorbereitung und kämpfen mit Jetlag. Unser Ziel ist es, dass sie sich fühlen wie in den Staaten«, erklärt Deacon den Ansatz. »Unsere Ü-Wagen sind zwar etwas kleiner, aber in Bezug auf Konfiguration und Equipment können sie so arbeiten wie zuhause.«

Ein entscheidender Vorteil: Viele der britischen Techniker sind selbst NFL-Fans und kennen Teams, Positionen und die Fachsprache.

Blick in die Zukunft

Mit 130 Crew-Mitgliedern, fünf Trucks und knapp 40 Kameras pro Spiel zeigt die NFL-Produktion in Europa, wie komplex moderne Live-Sportübertragungen geworden sind. Die erfolgreiche Integration amerikanischer Produktionsstandards in europäische Infrastrukturen durch NEP demonstriert dabei sehr gut, wie internationale Zusammenarbeit in der Broadcast-Branche funktionieren kann. Eine Herausforderung bleiben die aufwändigen Spiele dennoch. »Aber wenn es einfach wäre, würde es jeder machen«, resümiert Tim Deacon.