ISE2026: Zahlen, Eindrücke – und ganz viele Videos
Die Integrated Systems Europe (ISE) hat sich in Barcelona zur größten AV-Messe der Welt entwickelt – fast so groß wie IBC und NAB zusammen. Doch was bedeutet das für Unternehmen aus der Broadcastbranche? Die Antwort fällt zwiespältig aus.
Eine Messe im Aufwind – aber nicht für alle
Wer die ISE 2026 besucht hat, konnte sich dem Eindruck kaum entziehen:

Die Messe ist gut besucht, hervorragend organisiert– und sie findet mit Barcelona in einer der attraktivsten Messestädte Europas statt. Die Zahlen sprechen für sich: Während die Besucherzahlen der IBC und insbesondere der NAB seit Jahren rückläufig sind, wächst die ISE kontinuierlich.
Doch ist die ISE deshalb automatisch die richtige Plattform für Broadcast- und Medientechnikunternehmen? Die Beobachtungen vor Ort zeichnen ein differenziertes Bild.
ISE2026: Video-PlaylistAuch film-tv-video.de war vor Ort und sammelte zahlreiche Eindrücke: Die YouTube-Playlist mit 18 Stimmen zur Messe und zu interessanten neuen Produkten gibt’s hier:
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Chancen und Herausforderungen
Für Broadcast-Unternehmen bietet die ISE zweifellos Potenzial: Sie öffnet Türen in Märkte jenseits des klassischen Broadcast-Umfelds – Live-Events, Corporate-Kommunikation, Bildung, Behörden und Venues.

Das ist eine echte Chance zur Diversifizierung, insbesondere in Zeiten, in denen die traditionellen Broadcast-Budgets unter Druck geraten.
Wie einträglich diese Diversifizierung werden wird, muss sich zeigen. Einige Hersteller zogen aber schon ein positives Resümee. Ross Video etwa will offenbar sein Engagement vergrößern, EVS glaubt ebenfalls an Wachstumsmöglichkeiten, Qvest eroiert vertikale Märkte, und Firmen wie Aja, Grass Valley, Vizrt und Blackmagic sehen bereits seit längerem Potenzial. Wer seinen Messeauftritt aber nicht auf das ISE-Publikum ausrichtet, dürfte wohl weniger erfolgreich sein.
Ein Kulturunterschied, der tiefer geht
Die AV-Welt denkt vom Zuschauererlebnis aus, die Broadcastwelt denkt ins technischen Specs und zunehmend in Prozessen. Während AV-Unternehmen fragen »Wen will ich erreichen, welche Experience soll entstehen?«, fragt die Broadcastbranche traditionell: »Mit welcher Technologie arbeite ich?«

Im Corporate- und Event-Markt hat sich das Denken vom Output her bereits durchgesetzt. Die Wahl der Technologie ist nachgelagert – zuerst kommt die Wirkung beim Endkunden. Für klassische Broadcast-Dienstleister, die ihr Portfolio bislang primär technologisch definiert haben, ist das eine große Veränderung.

Konvergenz oder Kollision?
Wird die AV-Branche große Teile des Broadcast-Marktes absorbieren? Die Zuschauer unterscheiden jedenfalls nicht zwischen AV und Broadcast, so viel ist sicher. Sie wollen gute Inhalte auf ihrem Gerät – für sie spielt es keine Rolle, ob dahinter ein Broadcast- oder ein AV-Workflow steckt.
Die ISE ist insofern weniger eine Bedrohung als ein Spiegel: Sie zeigt, wohin sich die Industrie bewegt. Wer die Messe nur als weitere Ausstellungsfläche für bewährte Broadcast-Produkte begreift, wird enttäuscht werden. Wer sie als strategische Plattform für neue Märkte und neue Denkweisen nutzt, kann vielleicht davon profitieren.

Lohnt sich die ISE für die Broadcastbranche?
Ja – aber mit Einschränkungen. Die Messe ist eine ernstzunehmende Ergänzung für Unternehmen, die neue Märkte erschließen wollen und bereit sind, ihre Kommunikation konsequent daran auszurichten. Mit »dem alten Broadcast-Stiefel« wird man ISE-Messebesucher aber wohl eher nicht begeistern können.










