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Insights: Warum Thomas Riedel Arri übernommen hat

Einen Tag vor Messebeginn lieferten Thomas Riedel von der Riedel Group und die Arri-Geschäftsführer David Bermbach und Chris Richter Hintergründe zur Firmenübernahme.

David Bermbach, Thomas Riedel und Chris Richter.

Thomas Riedel, Gründer von Riedel Communications und seit fast 40 Jahren Spezialist für Broadcast-Infrastruktur, Intercom und Signalübertragung, hat den Münchner Kamerahersteller Arri vollständig erworben. Beide Unternehmen bleiben aber eigenständig: »Arri ist blau, Riedel ist rot – die Farben bleiben«, stellte Thomas Riedel während einer Pressekonferenz vor der NABShow klar.

»Arri war in mehreren Phasen meiner Karriere entscheidend wichtig«, erzählte Thomas Riedel. »Jetzt Eigentümer zu werden – das macht mich fast emotional.«


Thomas Riedel erklärt, warum er Arri übernommen hat.
Komplementäres Portfolio, keine Überschneidungen

Die Logik der Transaktion liegt für alle drei Beteiligten auf der Hand: Riedel bringt Audio-, Video- und Kommunikationsinfrastruktur sowie tiefe Beziehungen in die Broadcast- und Live-Event-Welt mit. Arri liefert Kameras, Optik und Lichttechnik für die Kinoproduktion. Überschneidungen im Produktportfolio gibt es, so Thomas Riedel, fast keine.

Chris Richter, Managing Director bei Arri, betonte, dass Arri im High-End-Filmbereich seine Kernkompetenz erhalten werde: »Den Motion-Picture-Markt werden wir auch weiterhin im Fokus haben. Das ist und bleibt unser Heimspiel.« Gleichzeitig sieht er im Live- und Sportmarkt erhebliches Wachstumspotenzial – ein Terrain, das Riedel seit Jahrzehnten besetzt.


Chris Richter über Qualität und Innovation bei Riedel und Arri.
Innovation statt Kostenabbau

Was beide Unternehmen programmatisch eint, ist eine klare Absage an den reinen Effizienzgedanken. »Die größten Diskussionen drehen sich immer um Kosten und Preissenkungen – aber das ist nicht, was uns antreibt«, sagte Riedel. »Was uns antreibt, ist Innovation.« Kostenabbau könne Zeit überbrücken, löse aber die strukturellen Herausforderungen der Branche nicht. Stattdessen setzten beide Unternehmen auf das, was sie als gemeinsame DNA bezeichnen: der Anspruch, nicht unbedingt der Erste zu sein – aber der Beste.

©Nonkonform

Thomas Riedel sieht viele Verknüpfungspunkte.

Dabei denkt Riedel dabei etwa an die intelligente Verknüpfung von Kamera und Licht. Arri ist der einzige Hersteller, der beide Komponenten aus eigener Hand anbietet – ein Alleinstellungsmerkmal, das bislang technologisch kaum ausgeschöpft wurde. Hinzu kommt Riedels Expertise in Funktechnik, Signalübertragung und Broadcast-Control: Alles Bausteine, die auf einem modernen Set oder einer Live-Produktion zunehmend zusammenwachsen. Gemeinsame Engineering-Arbeitsgruppen sind demnach bereits eingerichtet, um dieses Potenzial systematisch zu erschließen.

Auch die Kooperation mit dem Smartphone-Hersteller Honor, die in Teilen der Branche skeptisch aufgenommen wurde, ordnete Riedel in diesen Innovationsrahmen ein: »Honor hat tausend Mitarbeiter, die ausschließlich an kleinen Kameramodulen arbeiten. Das ist Hochtechnologie – und da gibt es weit mehr Potenzial, als bislang veröffentlicht wurde.«

Kultur als Fundament

Sehr viel Gewicht legen alle drei Beteiligten auf die kulturelle Dimension der Transaktion. Arri bleibt in deutschem Privatbesitz – ein Aspekt, der den früheren Gesellschaftern ausdrücklich wichtig war. Für David Bermbach, Managing Director bei Arri, ist das mehr als Symbolik: »Familiengeführt, technologiegetrieben, mit kurzen Entscheidungswegen – das sind massive Vorteile in einer Welt, die sich schnell verändert.«


David Bermbach betont, dass der Filmbereich für Arri auch künftig eine sehr große Rolle spielen wird.

Thomas Riedel beschreibt beide Unternehmen als ausgesprochen beziehungsorientiert, eher Freundschaft als Konzernstruktur. Die ungewöhnlich langen Betriebszugehörigkeiten bei Arri und Riedel sieht er als Beleg dafür. Über die bisherige Verbindung zu Arri sagt Thomas Riedel: »Es gab keinen einzigen Moment, in dem ich ein kulturelles Gap gespürt hätte. Es hat sich sofort wie zu Hause angefühlt.«

©Nonkonform

David Bermbach berichtet, dass mit dem ESC ein ambitioniertes gemeinsames Projekt ansteht.

Er kündigte weiter an, als aktiver Eigentümer sichtbar zu bleiben – nicht im Tagesgeschäft, aber in Produktentwicklung, Kundenprojekten und strategischen Entscheidungen. »Schnelle Entscheidungen von jemandem, der wirklich im Geschäft ist – das wird den Unterschied machen«, so Richter.

Eurovision Song Contest als Premiere

Als erstes gemeinsames Leuchtturmprojekt steht der Eurovision Song Contest 2026 in Wien an: Die weltweit größte Musikfernsehshow wird erstmals mit Arri-Kinokameras produziert – eine Initiative, die aus einem Gespräch am Rande der Formel-1-Saison entstand und beim ORF sofort auf Begeisterung stieß. Darüber hinaus ist Arri bereits beim Segel-Event SailGP aktiv, wo Kamerasysteme auf stabilisierten Helikopter- und Bootsplattformen eingesetzt werden.

Auf Bedenken aus der Kino-Community, die eine Verwässerung der Arri-DNA befürchtet, reagierten alle mit klarer Ansage: Die Kinowelt bleibe das Fundament, auf dem alles weitere aufgebaut werde.

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