Film, Grading: 20.02.2026

Overmind Studio: VFX für »Die Spaltung der Welt«

Overmind Studios war alleiniger VFX-Dienstleister für die bei LOOKSfilm produzierte sechsteilige Historiendrama-Serie »A World Divided (Die Spaltung der Welt)« und lieferte rund 125 Shots über alle sechs Episoden hinweg.

»Wir wurden von LOOKSfilm als einziger VFX-Vendor für alle sechs Episoden engagiert«, so Tobias Kummer, Gründer von Overmind.

Ein Großteil der Arbeit konzentrierte sich darauf, den Schauplätzen der Serie größere Glaubwürdigkeit zu verleihen, ohne dabei aufzufallen. Obwohl die Handlung Orte von New Mexico und China bis nach Russland, Israel und Französisch-Algerien umspannt, wurde die Produktion in Deutschland, Belgien, Luxemburg und Polen« gedreht – was eine kontinuierliche Reihe geografischer Transformationen erforderte. »Wir haben die Pustynia Błędowska in Polen für einige Szenen als New Mexico und für andere als Israel lesbar gemacht. Wir haben Fensterausblicke ersetzt, um die vorgesehenen Drehorte zu spiegeln, und Sets an Epoche und Geografie angepasst.«

©LOOKSfilm, Mateusz-Wichlacz
Die politisch aktive Golda Meir (Delia Mayer) setzt sich in Tel Aviv mit allen Mitteln dafür ein, dass die vor den Nazis geflohenen Juden nach Palästina einwandern können.

Hinzu kam die fortwährende Bereinigung moderner Elemente aus dem Bild. »Das Entfernen von Anachronismen war eine konstante Aufgabe – Stromleitungen, Mobilfunkmasten, Windräder, moderne Beschilderungen und zeitgenössische Fahrzeuge«, heißt es, wobei manche Korrekturen einfach blieben, andere aufwändiger wurden. »Die Produktion wurde anamorphisch gedreht, was zusätzliche Komplexität bedeutete – selbst scheinbar simple Clean-up-Shots wurden durch die Linseneigenschaften mitunter kompliziert.«

©LOOKSfilm, Valerie Fidler
Beim Dreh der Serie.

Das Team realisierte zudem eine zentrale Sequenz: »Wir haben die Nuklearexplosion als 12-Shot-Sequenz gebaut statt als isolierte Einzelmomente. Verschiedene Perspektiven erforderten unterschiedliche Herangehensweisen, aber Timing und Atmosphäre mussten konsistent bleiben.«

Alle Compositing-Arbeiten entstanden in Fusion Studio. »Wir nutzen Fusion seit Jahren, und aus diesem tiefen Verständnis der Tools ergibt sich echte Effizienz«, so Tobias Kummer. Besonders beim episodischen Arbeiten habe der node-basierte Workflow bei Revisionen überzeugt: »Wenn Regisseure einen anderen Ansatz ausprobieren wollten oder Änderungswünsche kamen, konnten wir Comps non-destruktiv umstrukturieren – ohne von vorne anzufangen.« Der integrierte Tracker und Planar Tracker hätten die anamorphe Verzeichnung »besser als erwartet« bewältigt – »entscheidend für Clean-up und Set Extensions bei bewegter Kamera.« Magic Mask habe manuelles Rotoscoping zudem in mehreren Fällen verhindert, auch wenn das Tool nicht für jeden Fall optimal gewesen sei.

Templates und Farbmanagement wurden als »fixed foundations« behandelt, um konsistente Deliveries zu gewährleisten. Die Plates lagen als 4K MXF DNxHR HQX 12-Bit mit 1,8-fachem anamorphen Squeeze in »Arri Wide Gamut 4/LogC4 vor.

©Overmind Studios
Originalszene.
©Overmind Studios
VFX mit anderem Horizont.
©Overmind Studios
Finaler Shot.

»Unser Projektmanagement lief über Ramses von RxLaboratory – und wir haben ein eigenes Fusion-Plugin gebaut, das sich mit der Ramses-API verbindet, um typische Delivery-Fehler zu eliminieren. Kein Suchen in Ordnerstrukturen, keine falschen Dateinamen – das alles wurde automatisch erledigt. Wenn man einen Shot öffnete, war alles bereits korrekt eingerichtet.«

Als konkretes Beispiel für die Locations-Arbeit nennt Tobias Kummer einen Weitwinkel-Wüstenshot, in dem die Pustynia Błędowska als Israel fungiert. »Im Originalplate war der Waldrand an den Rändern des Drehortes zu sehen, was nicht zum intendierten Schauplatz passte. Das ursprüngliche Framing hätte dazu geführt, dass Auto und Köpfe der Darsteller die Horizontlinie schneiden – daher habe ich eine leicht veränderte Kameraposition erbeten, um sie unterhalb des Horizonts zu halten.« Die kleine Anpassung am Set ersparte später viel Rotoscoping-Aufwand.

In Fusion Studio kombinierte der Shot Tracking, Matte Painting und Atmosphäre. Für Transformation und Skalierung wurden Point Tracks eingesetzt. Der Hintergrund wurde als »Matte Painting aus Fotos der echten israelischen Wüste« aufgebaut, treibender Sand stammte aus »einer EmberGen-Simulation, die wir erstellt hatten und wiederverwendeten«, Hitzeflimmern entstand mit »einem Fast Noise Node, der in einen Displace Node speiste.« Dieser Shot wurde schon in Version 2 abgenommen.

Konzept und Machart der Serie

Die 23 Jahre von 1939 bis 1962 markieren eine weltgeschichtliche Zäsur, in der die Weichen für die Gegenwart gestellt werden. Viele drängende Probleme, viele Konfliktherde unserer sich weiter globalisierenden Welt wie in der Ukraine und Russland, in Israel und Palästina, in Nordafrika oder dem Sudan haben Wurzeln in diesen Jahren.

©LOOKSfilm, Tobias Fritzsch
v.r.n.l.: Regisseurin Olga Chajdas mit Nils Arndt (Rolle: Harry Daghlian) und Meriel Hinsching (Rolle: Joan Hinton).

Der Zweite Weltkrieg, den Deutschland entfachte, war gleichzeitig Folge und Anstoß weltweiter Entwicklungen seit dem Beginn des
20. Jahrhunderts. Mit der Entdeckung der Kernspaltung in Berlin, die 1939 veröffentlicht wird, beginnt eine neue Ära. Durch die damit ermöglichte Drohung endgültiger Vernichtung werden seitdem Machtansprüche durchgesetzt und Spaltungen der Welt wie der Kalte Krieg zementiert.

Die Serie erzählt den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen aus transnationaler Perspektive für eine jüngere Generation. Der Nationalsozialismus, der Holocaust und der von Deutschland entfachte Vernichtungskrieg sind Kernmotive in den ersten Folgen der Serie. Dominante Themen in den Jahren nach 1945 sind der entstehende Kalte Krieg, neue Konfliktherde wie im Nahen Osten und der Prozess der Dekolonisierung in Afrika. Schlusspunkt der Erzählung bildet das Jahr 1962, in dem der Front de Libération Nationale (FLN) die Unabhängigkeit Algeriens von der Kolonialmacht Frankreich erkämpft.

®LOOKSfilm, Tobias-FritzschSechs reale Charaktere aus Deutschland, Israel, Frankreich, der Sowjetunion und den USA erzählen parallel und radikal subjektiv die unterschiedlichen Lebenswege und Wahrnehmungen ihrer Welt: Wernher von Braun, Hedwig Höß, Nikita Chruschtschow, Joan Hinton, Golda Meir und Frantz Fanon. Die historische Drama-Erzählung ist das Rückgrat der Serie. Durch akribische Recherche nähert sich die fiktionale Umsetzung den historischen Ereignissen so weit wie möglich an.

Auf der bildlichen Ebene ist das Drama verwoben mit wenig bekannten Archivaufnahmen, die für diese Produktion erstmals koloriert wurden. Dadurch entsteht eine so nie dagewesene emotionale Nähe der Handlung, ein Gefühl für die Zeit, ein Eintauchen in den Moment des Geschehens. Der Ton arbeitet mit weiteren Erzählebenen, um die Welt unserer Protagonistinnen und Protagonisten lebendig werden zu lassen: Frappierende Reden von Politikern in ihrem Originalton, ein eingesprochener Chorus von Zeitzeugen auf Basis ihrer Tagebücher und Briefe, eine Kompilation von Nachrichten und Propaganda aus der Zeit.

©LOOKSfilm, Mateusz-Wichlacz
Joan Hinton (Meriel Hinsching) ist eine der wenigen Frauen, die am streng geheimen Manhattan-Projekt in Los Alamos mitarbeiten.

Der Anspruch der Multiperspektivität der Serie manifestiert sich auch im diversen, internationalen Team der Kreativen, Historiker_innen und Redakteur_innen aus Belgien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Polen, Russland, der Schweiz, Serbien, Tschechien, der Ukraine, Ungarn und den USA. Der Dreh erfolgte in der Originalsprache der Charaktere, also auf Deutsch, Englisch, Französisch, Hebräisch, Jiddisch und Russisch. Mit »DIE SPALTUNG DER WELT: 1939-1962« setzt das Team um Headautor Jan Peter und LOOKSfilm-Produzent Gunnar Dedio die beiden mehrfach preisgekrönten, transnational erzählten historischen Serien »14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs« (2014) und »Krieg der Träume« (2018) fort.