Kommentar, Top-Story: 07.04.2000

Es fallen wieder Entscheidungen!

Von leichter Lähmung bis zur schweren Agonie: Das war in etwa die Bandbreite der Zustandsbeschreibungen für den deutschsprachigen Broadcast-Markt, die bis in die jüngste Zeit immer wieder von den eher skeptischen bis pessimistischen Stimmen abgegeben wurden. Eine der wesentlichen Ursachen dafür: Die nächste Runde im Formatkrieg, in dem zunächst DVCPRO und Betacam SX gegeneinander antraten, dann die erweiterte DVCPRO-Produkt-Familie mit dem Teil-Alliierten D9 gegen MPEG-2 nach Sony-Lesart.

Panasonic hat es dabei verstanden, die mittlerweile fast gänzlich, aber keineswegs ohne Blessuren überstandene Krise von Sony zu nutzen, um sich besser als je zuvor weltweit im Broadcast-Markt zu etablieren. Fehler und Mißverständnisse in der Produkt- und Formatpolitik bei Sony sorgten aber nicht automatisch dafür, dass die Kunden auf breiter Front ins Panasonic-Lager wechselten. Zwar erhielt Panasonic vielfach neue Chancen sein jüngstes Digitalformat zu präsentieren, aber generell war der Markt eher verunsichert und verhielt sich abwartend.

Nun ist der Entscheidungsdruck so groß geworden, sind Ersatz-Investitionen so drängend und unabdingbar fällig, dass endlich wieder Entscheidungen fallen: Wie www.film-tv-video.de schon vorab aus dem Sender-Umfeld erfahren hat, werden zur NAB 2000 einige weitreichende Investitions-Entscheidungen deutschsprachiger Broadcaster bekanntgegeben. Die Entscheidungen besonders der öffentlich-rechtlichen Broadcaster für oder gegen ein Videoformat werden in Deutschland sehr aufmerksam beobachtet und traditionell sehr wichtig genommen. Dabei übersteigt die Symbolwirkung der Investitions-Entscheidungen öffentlich-rechtlicher Sender deren tatsächliche Investitionsvolumina um ein Vielfaches. Selbst wenn man die Programm-Zulieferer der Sender mitrechnet, die ja über kurz oder lang auch auf das jeweils aktuelle Format des Senders umschwenken, erklärt das noch nicht diese Signalwirkung.

Den ernst zu nehmenden Insider-Informationen zufolge sieht es derzeit so aus, als sei es Sony gelungen, nach dem WDR noch eine zweite ARD-Anstalt mit seinem MPEG-2-Konzept zu überzeugen. Aber Panasonic soll bei einer anderen ARD-Anstalt zumindest ganz nah an einer Entscheidung pro DVCPRO dran sein. Wenn sich das so bewahrheitet, stünde es dann innerhalb der ARD 2:1 für Sony und MPEG-2. Unterdessen verdichten sich weitere Hinweise darauf, dass die NAB 2000 als Plattform für weitere Format-Entscheidungen europäischer Broadcaster dienen wird: Auch in Österreich und der Schweiz sind offenbar die Würfel gefallen.

Wir bleiben dran. Sie werden sehen.

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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