Branche: 21.07.2012

Sat-IP: Satellitenfernsehen auf Tablets, Smartphones und Computern

SES und Astra stellen mit Sat-IP ihre Vision der Zukunft des Satellitenfernsehens vor. Sat-IP soll Satellitenfernsehen in bester Qualität auf beliebigen IP-Endgeräten ermöglichen: also Fernsehen auf Smartphone, PC oder Tablet, ohne dass dafür eine schnelle Internetverbindung oder DVB-T-Empfang nötig wären.

B_0712_SatIPSat-IP: Die Zukunft des Satellitenfernsehens?

Via Satellit ausgestrahlte TV-Programme problemlos auf dem iPad, Android-Gerät oder der Spielkonsole zu empfangen, das könnte schon bald Realität werden. Ermöglichen soll es der neue Standard Sat-IP, den der Satellitenbetreiber SES gemeinsam mit Partnern entwickelt hat: Sat-IP übersetzt die linear über Satellit ausgestrahlten Fernsehprogramme für die Nutzung auf IP-basierten Endgeräten. Dabei werden die Satellitensignale direkt in die heimische IP-Infrastruktur also etwa Ethernet oder WLAN eingespeist, die Programme werden also nicht via Internet abgerufen. Für die Zuschauer soll es somit möglich werden, ohne Medienbruch und ohne zusätzlichen Verkabelungsaufwand TV-Programme auf ganz verschiedenen Endgeräten zu sehen — und das ohne eine schnelle Internetverbindung zu erfordern.

Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer von Astra Deutschland, sagt dazu: »Nach der Digitalisierung steht das Satellitenfernsehen vor dem nächsten Quantensprung. Sat-IP ermöglicht Satellitenfernsehen auch auf Geräten ohne integrierten Sat-Empfänger wie Tablets oder Smartphones – und das über jede vorhandene IP-Infrastruktur. Für die Übertragung der TV-Programme ins heimische IP-Netzwerk fallen keine Gebühren an, Sat-IP ist bis auf die Anschaffung der nötigen Hardware kostenlos. Der Satellit unterstreicht damit seine führende Rolle beim Fernsehempfang im digitalen Zeitalter – und wird für neue Zielgruppen interessant, die sich für technische Innovationen begeistern.«

Für die Umwandlung der Satellitensignale sorgen spezielle, kompakte Sat-Server. Hier soll sukzessive eine Reihe von Gerätetypen auf den Markt kommen. Voraussichtlich schon zur IFA 2012 sollen Konverterboxen erhältlich sein, die bis zu vier verschiedene TV-Kanäle gleichzeitig an vier verschiedene Endgeräte übertragen können. Modelle mit acht Tunern könnten bald folgen. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen spezielle Satellitenreceiver oder sogar IP-LNBs auf den Markt kommen, die die Sat-IP-Konverter-Logik bereits implementiert haben.

Nach der Umwandlung werden die Satellitenprogramme über das Heimnetzwerk zu den Empfangsgeräten – den Clients – transportiert. Tablets, PCs, Laptops, Smartphones, Connected TVs, Spielkonsolen oder MediaPlayer sind automatisch für den Empfang geeignet, wenn sie über die entsprechende Software verfügen. Bei vielen soll ein Software-Update oder eine App ausreichen, um Sat-IP-fähig zu werden.

Für jede Wohnsituation soll es passende Lösungen geben: Der Zuschauer kann frei entscheiden, über welches IP-Netz er die Programme übertragen möchte. Über Ethernet stehen mindestens 100 Mbps zur Verfügung. Gleiches gilt für moderne Powerline-Adapter. Somit lassen sich immerhin acht HD-Programme oder 25 bis 30 SD-Programme gleichzeitig übertragen. Über WLAN steht in der Regel etwas weniger Bandbreite zur Verfügung, wobei die Nettodatenrate von der Entfernung zum Access-Punkt und von Interferenzen zu Nachbarnetzen abhängig ist.

Aus der Sicht von SES Astra eröffnet Sat-IP den Herstellern viele Möglichkeiten, um eine große Bandbreite innovativer Hard- und Software zu entwickeln und zu vermarkten. Auch für TV-Sender sieht SES Astra Vorteile. Elsäßer: »Gerade im linearen Live-Broadcast-Betrieb ist der Satellit für die Übertragung die wirtschaftlichste Lösung für die Sender. Durch Sat-IP wird sichergestellt, dass sie mit ihrem Angebot alle relevanten Endgeräte erreichen. Dadurch wird die Sender-Reichweite erheblich gesteigert, Multiscreen-Fernsehen wird so einfach wie nie zuvor.«

Sat-IP soll als offener, herstellerunabhängiger europäischer Standard etabliert werden und wurde von SES bereits bei der europäischen Standardisierungsorganisation Cenelec eingereicht.

Autor
red
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