Editorial, Kommentar, Top-Story: 16.09.2013

4K, 8K — any K

Wir haben schon vor längerem mal nachgerechnet: 8K-Fernsehen ist im Grunde genommen totaler Quatsch — auch wenn es letztlich der logische nächste Schritt nach 4K sein wird. In anderen Bereichen, wenn man nicht an die klassische TV-Nutzung denkt, mag es an der einen oder anderen Stelle Sinn ergeben, Auflösungen von 8K oder mehr einzusetzen: Überall dort etwa, wo man nur Ausschnitte des Bilds nutzt, und auch dort, wo man sehr groß oder sehr breitwandig projizieren will, sich die Betrachter aber nah am Bild aufhalten. Im Fernsehbereich jedoch — wir bleiben dabei — ergibt 8K keinen Sinn.

Manch einer hält ja auch 4K schon für Quatsch oder zumindest für überflüssig, aber wer mit realistischem Blick den Markt betrachtet, dürfte wohl kaum noch Zweifel haben, dass 4K schon bald erhebliche Marktanteile erreichen wird — zumindest in der Produktion. Die Distribution dürfte noch etwas länger brauchen: zwar gibt es erste Ansätze und Ankündigungen, aber bis das Thema bei den Endkunden Breitenwirkung entfaltet, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern.

Weshalb ist 8K-Fernsehen Quatsch? Beim japanischen 8K-Fernsehsystem Super Hi-Vision ist die Auflösung auf 7.680 x 4.320 Bildpunkten bei einem Seitenverhältnis von 16:9 festgelegt und die Erfinder des Systems empfehlen einen Betrachtungsabstand vom 0,75fachen der Bildhöhe. Sitzt man weiter weg, dann hat man im Grunde gar nichts mehr von der höheren Auflösung, weil das menschliche Auge eben auch nur eine begrenzte Auflösung erreicht: Wenn man immer noch mehr Pixel anbietet, ohne den Betrachtungsabstand zu ändern, sieht man einfach keinen Unterschied mehr.

Was das in der Praxis bedeutet, machen folgende beiden Beispiele deutlich: Wer in einem 2 m langen Bett liegend Super Hi-Vision mit dem empfohlenen Betrachtungsabstand genießen will, der muss am Fußende des Betts ein Display mit einer Bilddiagonale von mehr als 5 m aufstellen. Oder andersrum betrachtet: Wer einen 100-Zoll-Fernseher mit Super-Hi-Vision-Auflösung aufbaut, dem empfehlen die Erfinder einen Betrachtungsabstand von 90 cm, wenn man in den Genuss der höheren Auflösung kommen und die Bildqualität wirklich ausnutzen will.

So betrachtet, wird das Wettrennen um immer mehr »K« vielleicht schon bald keinen Sinn mehr ergeben und auch keinen mehr hinter dem Ofen vorlocken. Heute allerdings scheint es noch zu funktionieren …

Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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