Editorial, Kommentar, Top-Story: 18.09.2015

Chinese Copycats

Dass chinesische Unternehmen mitunter Produkte anderer Hersteller direkt und ziemlich dreist kopieren, darüber haben wir im Umfeld der IBC und NAB schon öfter berichtet: Bei Leuchten, Stativen und Akkus etwa, wird man sehr leicht fündig.

Es gibt aber auch ein chinesisches Unternehmen, das in unserer Branche aus eigener Kraft erfolgreich ist, und mehr als alle anderen für den Erfolg chinesischer Hersteller im Medienbereich steht: DJI. Im Jahr 2006 gründete Frank Wang das Unternehmen, das sich auf Drohnen spezialisiert hat. Heute, keine zehn Jahre später, ist DJI Weltmarktführer im Drohnenmarkt — und glaubt man aktuellen Analysen, hat DJI einen Marktanteil von rund 70 % erreicht und allein im vergangenen Jahr über 400.000 DJI-Drohnen verkauft.

Das chinesische Unternehmen beliefert weltweit über 400 Händler und verkauft über diese, aber auch direkt, an professionelle Kunden aus der Film- und Werbeindustrie, aber auch aus dem Bau/Architektur-Bereich und der Landwirtschaft — sowie natürlich an zahllose Hobbyfilmer. Aktuell beschäftigt DJI weltweit über 2.800 Mitarbeiter, davon allein 600 Entwickler und Ingenieure.

Zweifelsohne eine Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht — und wer die Drohnenvorführungen bei der NAB oder aktuell während der IBC besuchte oder die zahlreichen Beiträge im Fernsehen sieht, die nun mit Drohnen erstellte Flugaufnahmen enthalten, der weiß: Ein Ende ist noch lange nicht erreicht.

Da bleiben die Nachahmer natürlich nicht aus. Und zwar auch keineswegs im Heimatland von DJI: So kann man nun bei den Fludgrohnen die aus westlicher Sicht interessante Situation beobachten, dass Chinesen von Chinesen kopieren. Vielleicht profitiert ja letztlich der Markt als Ganzes, wenn sich nun auch erfolgreiche chinesische Unternehmen mit den Nachahmern aus dem eigenen Land auseinandersetzen müssen.

Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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