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Ob gut oder schlecht: Die Lage wird sich ändern

Der ständige Wandel aller Dinge, er lässt sich natürlich auch in unserer Branche trefflich beobachten — besonders deshalb, weil er hier vergleichsweise zügig vor sich geht. Da liegt es durchaus nahe und ist verständlich, nach einfachen Leitlinien zu suchen. Sprichwörter, Binsen- und Branchenweisheiten helfen aber meist nicht weiter, besonders dann nicht, wenn ein größerer Wandel stattfindet und man eben in einer schnelllebigen Branche unterwegs ist.

Also muss man versuchen, aus Fehlern in der Vergangenheit zu lernen und die Gegenwart richtig zu deuten und zu analysieren. Nur so kann man etwas mehr Sicherheit bei Entscheidungen für die Zukunft gewinnen — und abschätzen, wie sich wohl die allgemeinen Trends auf die eigenen Aktivitäten auswirken.
 
Dabei ist eine wichtige Grundlinie in unserer Branche klar zu erkennen: Was früher mit dedizierter Hardware erledigt wurde, hat sich in weiten Teilen in Richtung Software verlagert. Der nächste Schritt ist das, was meist als Cloud beschrieben wird.

Soft- statt Hardware

Ein Gerät, unterschiedliche Apps drauf: das bietet Green Machine.

So mancher zuckt dabei zurück — und natürlich gibt es Aspekte, die einem dabei Schauer über den Rücken jagen können. De facto wird es aber nichts nutzen, einfach nur in Abwehrhaltung zu gehen — außer man steht kurz vor der Rente und die Zukunft des Unternehmens ist einem gleichgültig. In allen anderen Fällen wird man sich damit beschäftigen müssen — selbst wenn man nur nach Auswegen und Alternativen suchen will.
 
Natürlich wird es auch weiterhin spezialisierte Hardware geben: Mischpulte etwa kann man im Live-Einsatz nicht so einfach ersetzen und ein Smartphone ist ganz sicher auch nicht die richtige Kamera für jeden Zweck. Aber selbst bei den gewählten Beispielen hat sich der Schwerpunkt verschoben: Die Software bestimmt und verändert auch hier heutzutage viel stärker die Funktionalität, als die Hardware — auch bei Mischern und Kameras.
 
Und auch in anderen, eher signaltechnischen Bereichen wird es noch geraume Zeit spezialisierte Hardware geben. Die Frage wird aber sein, ob diese notwendigerweise auch dort stehen muss, wo man ihre Funktionalität nutzt. Unter diesem Aspekt bekommt der Cloud-Begriff für unsere Branche einen neuen Klang. Früher hieß das Stichwort mal Rechenzentrum, heute werden flottere Begriffe verwendet, aber die Grundidee ist gleich: Man trennt Bedienoberfläche und Processing-Leistung — und vielleicht muss man die Hardware gar nicht mehr besitzen, sondern mietet lediglich die Leistung, die damit erbracht wird.
 
Natürlich birgt das auch Risiken, das soll hier keineswegs verschwiegen werden. Nur so kann man aber verteilte Strukturen aufbauen, deren Leistung sich bei Bedarf bündeln und effizient nutzen lässt. Das geht auf dem eigenen Firmengelände, aber natürlich letztlich auch über große Entfernungen. In vielen IT-Bereichen ist das längst Standard.
 
Wenn aber in einem »Rechenzentrum« Broadcast-Plattformen zur Verfügung stehen, auf die man — quasi wie bei einem Smartphone — jeweils die passende App laden kann, dann macht das auch Broadcast-Installationen sehr viel flexibler, als sie das heute sind.
 
Der Sender braucht UHD statt HD? Sie wollen ihre Inhalte in einem anderen Format oder Codec als bisher anbieten? Ach so, nicht als Ersatz, sondern zusätzlich?
 
Was heute ein teurer Alptraum werden kann, der einen nicht enden wollenden Rattenschwanz nach sich zieht, wird in Zukunft zwar in den allermeisten Fällen auch nicht einfach auf Knopfdruck und kostenlos möglich sein, aber wesentlich schneller und günstiger.
 
Die ersten Schritte in dieser Richtung sind gemacht — und wer am Ball bleiben will, muss mitgehen.
 
Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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