Kurznachrichten: 02.01.2019

News: Kurz und knackig

Die Besucherzahlen deutscher Kinos liegen weit hinter den Erwartungen, während die Politik um die Finanzierung von ARD, ZDF und D-Radio streitet. Einige große Produktionsfirmen nutzen den Jahreswechsel, um sich in Teilbereichen neu aufzustellen und Personalentscheidungen bekannt zu geben.

Kino

Die deutschen Kinos und Verleiher verfehlen 2018 voraussichtlich die Erfolge der letzten Jahre. Hans-Joachim Flebbe, Cinemaxx-Mitgründer und heutiger Betreiber der Astor Film Lounges, erwartet, dass 2018 die 100 Mio.-Besuchergrenze nicht erreicht wird. Dazu habe u.a. der lange Sommer beigetragen und der Umstand, dass es wegen der Fußball-WM kein attraktives Filmangebot gegeben habe. Er bestätigt damit den Trend, den der Verleiherverband VDF bereits im Spätsommer ausgemacht hatte.
Frankreichs Kulturministerium befürwortet die Kappung des Kinofensters. Die Wartephase wird für OnDemand-Dienste von vier auf drei Monate nach dem Kinodurchlauf reduziert. PayTV-Betreiber können ihre Lizenzen nun nach acht (statt acht bis zehn) Monaten refinanzieren. Frei empfangbare Sender dürfen Kinoproduktionen jetzt nach 22 (28) Monaten senden. Filme mit weniger als 100.000 Kinozuschauern können im PayTV nach sechs, frei empfangbar nach 20 Monaten gezeigt werden. Abonnements-Abrufdienste können – nach Vereinbarung mit der Filmbranche – von 36 auf 17 Monate vorziehen.

Broadcast

Vor dem Brexit müssen etliche TV-Sender ihre Zulassungen neu ordnen: Nach EU-Recht von der britischen Medienbehörde Ofcom zugelassene TV-Sender brauchen für »Resteuropa« neue Lizenzen. Die bekam der Turner-Konzern für Programme mit den Zielmärkten Irland/Malta, Griechenland, Frankreich, Polen und Rumänien von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) – ebenso wie NBC Universal Global Networks Deutschland für »Syfy« und fünf Kanäle für Frankreich bzw. »Eura-Feeds«. Es handelt sich jeweils um Pay-Kanäle mit Hauptsitz in München; die Zulassungen durch die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) steht noch aus.
Die Ministerpräsidenten der Bundesländer diskutieren offenbar eine Erhöhung des Rundfunkbeitrages auf 18 Euro pro Monat ab 2021. Unklar ist, ob und ab wann die Beitragshöhe an die Inflationsrate gekoppelt werden könnte (ähnlich wie Parlamentarier-Diäten mit der Lohnentwicklung steigen). Laut BR und ZDF geben die Anstalten jetzt schon 18,35 Euro monatlich aus – 85 Cent mehr als die erhobenen 17,50 Euro –, um Umfang und Qualität halten zu können. Dazu greifen sie auf angesparte Mittel zurück.
Die Finanzierung von ARD, ZDF und Deutschlandradio durch den haushaltsbezogenen Rundfunkbeitrag ist keine unerlaubte staatliche Beihilfe nach europäischem Recht. So urteilte der Europäische Gerichtshof. Das Landgericht Tübingen hatte das Urteil zur Klarstellung für ein dort laufendes Verfahren erbeten. Bisher sind Klagen gegen die 2013 in Kraft getretene Umstellung in allen Instanzen gescheitert. Nur die Beitragspflicht für Zweitwohnungen wurde vom Bundesverfassungsgericht gekippt.
Kein Grund zur Besorgnis sieht die EBU im Ausstieg des flämischen VRT (1. Dezember 2018) und der schweizerischen SRG (3. Juni 2019) aus DVB-T. Laut EBU-Marktforschung sind in beiden Ländern zusammen keine 200.000 Haushalte betroffen. Die Schere zwischen Kabel (Schweiz: 80 Prozent, Flandern 95 Prozent) und Antenne klaffe nirgends im Europa der 28 so weit auseinander. Insgesamt nutzen 29,1 Prozent der europäischen Haushalte DVB-T bzw. DVB-T2. In Deutschland sind es laut Digitalisierungsbericht 2018 2,5 Mio. Haushalte bzw. 6,5 Prozent.

Unternehmen

Bavaria Film will künftig mindestens einen eigenen Kinofilm jährlich produzieren. Laut dem Vorstandsvorsitzenden Achim Rohnke habe es die Fehleinschätzung gegeben, »man könne das Kinogeschäft quasi nebenbei laufen lassen«. Das Studio, das am 1. Januar den 100. Gründungstag begeht, hatte sich in der Vergangenheit auf TV-Produktionen konzentriert.
Die RTL Group führt zum Jahreswechsel das gerade mehrheitlich übernommene Multiplattform-Netzwerk Digimove mit dem Bereich UFA X für digitales Storytelling zusammen. So soll ein integriertes »Powerhouse« für Produktion, Aggregation und Monetarisierung kurzformatiger europäischer Videoinhalte entstehen. Von UFA X wechseln Tobias Schiwek (CEO) und Nancy Julius (COO) in die Geschäftsführung an die Seite von Olaf Herzig (Chief Sales Officer) und Christoph von Schwerin (Chief Financial Officer).

Personalia

Constantin stellt nach Angaben des Mediendienstes dwdl seine Entertainment-Tochter neu auf. Eine neue Abteilung für Fiction soll der von RTL kommende Gunther Burghagen als Executive Producer aufbauen. In gleicher Funktion wird Stefan Sprenger, auf Tabea van Hoefer (zu Sony gewechselt) folgend, im Showbereich tätig.
Dietlinde Stroh leitet künftig Tower Productions (»Das große Backen«, »Undercover Boss«), die Entertainment-Tochter von All3media/BBC Studios. Stroh kommt von Talpa Germany und folgt Arne Kreutzfeld.
  Arne Kreutzfeld führt die neue Firma Black Flamingo von Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt.
Kay Siering, auf Dirk Pommer folgend, leitet SpiegelTV nun gemeinsam mit Götz Hoefer. Siering ist seit 2014 als stellvertretender Chefredakteur, Produzent und Moderator im Unternehmen.
Channing Dungey ist ab Februar in einer neugeschaffenen Position verantwortlich für die Eigenproduktionen von Netflix. Dungey leitete zuvor den Entertainment-Bereich bei ABC.
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