Report, Top-Story, Trend: 20.07.2000

1080/24P-Special: Interview mit Ben Wiedenmann

Ben Wiedenmann berichtet im Gespräch mit www.film-tv-video.de von den Erfahrungen mit der HD-Technolgie aus Produzentensicht.

? Welche Vorteile bietet die 24P-Aufzeichung aus Produzentensicht? Gibt es wirtschaftliche Aspekte, die für HD sprechen?

BEN WIEDENMANN: Wir können noch keine Pauschalurteile fällen, es handelt sich ja um die erste 24P-Produktion überhaupt und wir müssen erst einmal die genaue Nachkalkulation abwickeln. Und selbst die wird in den nächsten zwei Jahren noch nicht repräsentativ sein, denn die Preise für 24P-Produktionen werden sicher noch fallen. Aber Trends können wir auf jeden Fall ausmachen: Wir glauben, dass Super-16 eine starke Konkurrenz durch 24P bekommen wird und gehen davon aus, dass 24P kurz- bis mittelfristig das Super-16-Format ablösen wird – aus Effizienz- und aus Kostengründen.
Was das Material betrifft, haben wir ebenfalls interessante Erfahrungswerte. Derzeit kostet ein 32-min-HD-Band rund 160 Mark, ein 40-min-Band rund 195 Mark. Legt man diesen Preis für eine Berechnung zugrunde, so kann man sagen, dass man im Vergleich zu 35-mm-Filmmaterial zwischen 5500 % und 5900 % Materialkosten einsparen kann. Das sind natürlich nur Hausnummern, und es kommt auch immer aufs Drehverhältnis und auf die Arbeitsweise an. Aber es liegt auf jeden Fall eine gewaltige Ersparnis vor, und die wird vermutlich noch höher, denn man kann davon ausgehen, dass die Preise der 24P-Produkte nach der Markteinführung noch etwas nachgeben.

? Konnten Sie dank der neuen 24P-Technologie auch Zeit im Produktionsprozess einsparen?

BEN WIEDENMANN: Die Zeitersparnis ist ein gewaltiger Faktor, denn man kann direkt vom Set, quasi aus der Kamera heraus in die Postproduktion gehen. Dort ist das Material im Schnittsystem sofort verfügbar und lässt sich nachbearbeiten. Geht man statt dessen beim konventionellen Film den Weg übers Kopierwerk, benötigt man dafür ein bis zwei Tage für die Materialentwicklung, fürs Musterziehen und für die Abtastung, bevor man das Material dann endlich auf der digitalen Ebene weiterbearbeiten kann. Diesen Umweg erspart man sich bei der 24P-Produktion.
Im Falle von »Gone Underground« haben wir natürlich besonders Gas gegeben. Da waren wir schon vier Tage nach dem Dreh mit dem Rohschnitt fertig und saßen im Color-Matching. Die Feinarbeiten mussten dann natürlich noch gemacht werden, ebenso auch die Tonnachbearbeitung. Aber es ist schon eine große Erleichterung, wenn man mit einem farbkorrigierten Bild in die Mischung und zum Komponisten gehen kann, weil es für diese Leute dann viel einfacher ist, anhand des fertigen Bildes die Stimmung des Filmes zu erfassen um die Musik und die Mischung entsprechend anzugleichen.

? Sie gehen davon aus, dass 24P Super-16 ablösen wird. Wie sieht es denn mit dem Vergleich von HD mit 35 mm aus?

BEN WIEDENMANN: Wir haben heute im Münchener Arri-Kino die 35-mm-Nullkopie unseres digital produzierten Kurzfilms abgenommen und wir sind begeistert: Der Normalverbraucher wird keinen Unterschied zu einem konventionell produzierten 35-mm-Film sehen, soviel kann man jetzt schon sagen. Es gibt zwar noch bestimmte Effekte, die man ausbessern muss und die man beim Drehen beachten muss. So muss man beim Dreh auf feine Strukturen achten, um Moirée-Effekte zu verhindern. Aber wenn man das alles berücksichtigt, wird auch ein Profi kaum noch in der Lage sein, zu sagen, ob das Ausgangsmaterial 24P oder 35-mm-Film war. Aus unserer Sicht der Dinge haben wir heute einhellig festgestellt: 24P ist kinofähig.

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Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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