Branche, Report, Top-Story: 13.03.2013

Auf geht’s: Alpine Ski-WM in Schladming

Im Februar fand in Schladming die Ski-Weltmeisterschaft der Abfahrtsdisziplinen statt. Host-Broadcaster dieses großen Sport-Events war der Österreichische Rundfunk, der für die internationalen Lizenznehmer ein umfassendes Programm in 1080i und 5.1 Dolby Surround produzierte. film-tv-video.de war vor Ort in Schladming und hat mit den Produktionsverantwortlichen gesprochen.

Alpiner Skisport gehört für die Wintersportnationen zu den Top-Events des Winterhalbjahres. Das Lauberhorn-Rennen in der Schweiz oder die Hahnenkammabfahrt in Kitzbühel zählen zu den herausragenden Rennen, doch bei einer Ski-Weltmeisterschaft, wie sie nur alle zwei Jahre stattfindet, kulminieren Zuschauerinteresse und Ehrgeiz der Athleten natürlich in besonderer Weise.
In diesem Jahr fand die Skiweltmeisterschaft im österreichischen Skiort Schladming statt. »Die letzte Alpine-Ski-WM, die wir In Österreich ausrichten durften, fand schon vor zwölf Jahre in St. Anton statt. Da war die WM in Schladming für uns natürlich schon etwas Besonderes, das wir auch lange und intensiv planten« berichtet Ing. Michael Götzhaber, Technischer Direktor beim ORF.

Der Österreichische Rundfunk produzierte als Host-Broadcaster der WM das Weltbild, und dafür waren rund 340 Mitarbeiter des Senders vor Ort in Schladming, um die eindrucksvollen Bilder zu produzieren, die es während von Ski-WM im Fernsehen zu sehen gab. Zusätzlich zum Weltbild realisierte der ORF auch die nationale Berichterstattung des eigenen Senderverbunds. »Dabei trennten wir allerdings die Zuständigkeiten strikt zwischen Host-Tätigkeit und nationaler Berichterstattung«, erläutert Claudio Bortoli, der die Gesamtleitung für Technik und Produktion innehatte.

Das Host-Broadcasting umfasste mehrere Kernbereiche: Zum einen war das natürlich die Produktion der Damen- und Herren-Rennstrecken an der Planai, dem Schladminger Hausberg. Die Planai-Abfahrten der Damen und der Herren mündeten in einen gemeinsamen Zielhang, um den eine Arena aufgebaut wurde, die rund 30.000 Zuschauer fasste. Direkt an der Planai hatte der ORF die Ü-Wagen platziert, die nationales und internationales Signal produzierten. Zusätzlich hatte der ORF hier weitere Container für Produktion und Administration aufgebaut.

Zweiter Bestandteil des Host-Broadcastings waren der Bau und die Installation des International Broadcast Centers (IBC). Das IBC wurde im Auftrag des ORF in der Nähe der Kongresshalle auf einer Fläche von 6.000 Quadratmetern als Container-Dorf vom Münchner System- und Rental-Haus Sono Studiotechnik gemeinsam mit dessen Sub-Dienstleister Riedel errichtet. Auf dem dafür genutzten Gelände waren dann in der heißen Produktionsphase auch die Produktionsfahrzeuge der weiteren Sender untergebracht, darunter die von ARD und ZDF.

Neben der Planai-Rennstrecke und -Arena und dem IBC gab es mit der Medal Plaza noch einen weiteren Ort, der in die Berichterstattung eingebunden war. Hier fanden die Siegerehrungen, aber auch zahlreiche Konzerte und weitere Live-Events statt. Zudem hatte der ORF direkt an der Medal Plaza mit dem ORF-Haus eine attraktive Location errichtet, in der Gäste empfangen, aber auch nationales österreichisches Radio- und TV-Programm produziert wurde – darunter das tägliche WM-Studio des ORF, das Treffpunkt der WM-Stars wurde. »Mit dem ORF-Haus hatten wir es aufgrund der räumlichen Nähe zur Medal Plaza natürlich recht einfach, die Sportler direkt nach der Siegerehrung zu uns ins WM-Studio zu holen«, berichtet Sportchef Hans Peter Trost und ergänzt: »Zudem war das ORF-Haus als vollwertige Broadcast-Location konzipiert und bot uns viele Möglichkeiten der Berichterstattung.«

Die drei zentralen Orte der Berichterstattung Planai, IBC und Medal Plaza, waren über einen Glasfaserring verbunden. Ing. Michael Götzhaber erläutert, dass man schon lange vor der WM den kompletten Berg für die Glasfaserverkabelung vorbereitet, Kabel verlegt und 100 Auslässe vorgesehen haben, über die dann während der WM Kameras angeschlossen werden konnten. »Nur so war es überhaupt möglich, die Kamerapositionen so schnell und unkompliziert zu wechseln. Mit der früher üblichen Verkabelung am Berg wäre das gar nicht denkbar gewesen«, berichtet Sportchef Hans Peter Trost. Der ORF setzt mittlerweile bei allen Strecken, deren Rechte langfristig beim eigenen Sender liegen, auf Glasfaserverkabelung am Berg. Die bekannten Rennstrecken in Kitzbühel, St. Anton am Arlberg oder Semmering sind dementsprechend alle schon glasfaserverkabelt.

Kameratechnik an der Planai-Rennstrecke

Während entlang der Damen-Abfahrt 44 Kameras platziert werden konnten, waren es bei der Herren-Abfahrt aufgrund der längeren Strecke sogar 46. Die beiden ORF-Regisseure Fritz Melchert und Michael Kögler konnten bei der Produktion des Weltbildes also aus dem Vollen schöpfen.

Die große Anzahl der Kameras konnte nur mit einem ausgefeilten System bewältigt werden. Der ORF setzte eine separate Startregie ein, die den Start der Läufer jeweils als Vorschnitt an die Hauptregie übergab. Weiter gab es auch ein Ziel-Package, das ausgelagert war und den jeweiligen Ü-Wagen zugeliefert wurde. »Bei bis zu 46 Kameras muss man mit solchen Sub-Gruppen arbeiten, wenn man noch den Überblick behalten will«, erläutert Sportchef Trost.

Er erklärt das grundlegende Konzept der Übertragungen so, dass man großen Wert auf die emotionale Komponente der Live-Berichterstattung gelegt habe: »Wir hatten eine Datenbank, in der alle Personen, die den Sportlern nahe stehen, erfasst sind. Somit konnten wir die Sportler während ihres Rennens immer im Wechselspiel mit den Bildern der Verwandten und Freunde zeigen, was natürlich sehr spannend war.«

Die umfangreiche Kameratechnik am Berg unterstützte das Generalthema »Emotion« auch in anderer Hinsicht in der Berichterstattung: So waren unter anderem sieben Highspeed-Kameras im Einsatz, von denen fünf sogar Superzeitlupen lieferten: eine am Start, drei auf der Strecke und eine im Zielraum. Gerade bei den Slomos konnten die Regisseure auf extreme Bilder zugreifen, die Zeitlupen waren so gut, dass bei etlichen Einstellungen sogar die Augen der Rennläufer hinter der Skibrille zu erkennen waren. Zwei Ultra-Slowmotion-Kamerasysteme des Typs Antelope waren ebenfalls im Einsatz. Sie können sogar  bis zu 5.000 Bilder pro Sekunde aufzeichnen, bei der WM wurden 2.500 fps genutzt. Der TV-Dienstleister LMC war für Installation und Betrieb dieser Kameras zuständig und bearbeitete sie einem separaten mobilen Produktionsmobil, das ebenfalls auf dem Planai-Gelände stationiert war. Weiter setzte LMC eine Antelope Pico ein, die mit 340 fps Bilder aus der Zuschauermenge einfing.

Für besonders dynamische Bilder sorgten in Schladming zusätzlich zwei Camcat-Highspeed-Systeme: sie verfolgten die Athleten als fliegende Kameras. Erstmals erlaubte die FIS bei einem Wettbewerb dieser Art den Kameras sogar die Überquerung der Piste.

Die längere Camcat-Strecke mit einer Distanz von etwa 500 m verlief an der Damen-Abfahrtsstrecke, entlang des sogenannten Wellentals. Die zweite Strecke verlief rund 450 m entlang der Herrenabfahrtspiste und endete im Zielbereich am Dach des Planaibahn-Gebäudes. Das Camcat-System bringt es auf Kamerageschwindigkeiten von bis zu 140 km/h, wobei der Kameraschlitten die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 2,8 Sekunden bewerkstelligt, wenn das nötig ist. Unter dem Camcat Buggy, also dem Kameraschlitten, hing ein fünfachsig kreiselstabilisierter Kamerakopf mit integrierter HD-Kamera. Die Wireless-Übertragung dieser Kamerasignale realisierte Riedel.

Als besonders eindrucksvoll empfanden viele Zuschauer die Aufnahmen von den Starts der Läufer, die der ORF mit sechs Kameras inszenierte, darunter Slomo-Kameras und auch eine kleine Krankamera. Bei diesen Passagen gelang es besonders gut, dem Zuschauer zu zeigen, wie steil und dynamisch es am Start zugeht. Fünf weitere Funkkameras setzte der ORF im Zielbereich ein und zeichnete damit die ankommenden Rennläufer auf: Wenn etwa Marcel Hirscher mit Hechtrolle jubelte oder Tina Maze im Ziel die Arme hochriss.

Zusätzlich zu den Kameras entlang der Strecken gab es noch Kameras auf dem gegenüberliegenden Berg bei Ramsau, die jeweils Einblicke auf die gesamten Strecken boten. Abhängig davon, ob Speed- oder Technik-Bewerbe stattfanden, wurden diese Kameras an zwei unterschiedlichen Positionen platziert. Weitere Totalen aus der Vogelperspektive lieferte ein Heli, der ebenfalls im Einsatz war. Hier sorgte ebenfalls Riedel für den Video-Downlink der Kamerasignale.

Weltpremiere für Brillenkamera

Eine echte Weltpremiere im WM-Wintersport feierte der ORF mit der nur 64 Gramm leichten Riedel Brillenkamera. Nach einer Idee der ORF-Regisseure Michael Kögler und Fritz Melchert lag das Augenmerk bei dieser Kamera auf Bildern aus der subjektiven Sicht des Athleten. Riedel entwickelte die Kameralösung zusammen mit dem ORF und dem Weltskiverband FIS. Das war schon deshalb eine Herausforderung, weil hier viele verschiedene Verbände und Organisationen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden mussten.

Die daraus entstandene, patentierte drahtlose Kameralösung RiCam ist in die Brillenbänder der Rennläufer eingearbeitet und besteht aus Kamera, Sender, Akku und Brillenband. Eine andere Lösung, um subjektive Szenen aus der Sicht der Fahren zu erhalten, bestünde theoretisch darin, eine Helmkamera einzusetzen, was aber aufgrund der Verletzungsgefahr und wegen einiger anderer Nachteile (Windwiderstand, Gewicht) bei den Rennen nicht zulässig ist.

Die drahtlose RiCam arbeitete in Schladming mit Sendetechnik im 2,3 GHz-Frequenzspektrum mit geringer Sendeleistung (50 mW). Riedel installierte daher entlang der Rennstrecke und im Zielbereich 14 Antennen und verband dieser per RF-over-Fibre-Technologie mit den Empfängern im TV Compound. Eine spezielle Diversity-Lösung sorgte zudem für eine unterbrechungsfreie Übergabe des Signals zwischen allen Antennen. Per Riedel-Mediornet wurde das Signal schlussendlich ans IBC übertragen.

Im Rahmen der WM wurde die neue Brillenkamera erst gegen Ende des Events und auch dann noch etwas verhalten eingesetzt: Nicht zuletzt deshalb, weil sich auch die Rennläufer erst daran gewöhnen mussten — und letztlich war die WM in Schladming für die RiCam auch ein großer Test. So stellte sich nach den ersten Rennen heraus, dass die Läufer noch Verbesserungswünsche haben: Das betrifft unter anderem den Aspekt, dass die Läufer ungewohnte Geräusche hörten, wenn etwa beim Slalom die Stangen auf die Carbonflügel über der Kamera knallten. Die Kamera wurde daher ein Stück weiter hinten am Brillenband angebracht. »Die RiCam war in Schladming zudem noch mit einem SD-Chip ausgerüstet«, so der Technische Direktor Michael Götzhaber, der weiter erläutert, dass »die Qualität der RiCam in dieser SD-Variante noch nicht ausreichend war, besonders dann, wenn die Lichtverhältnisse schwieriger wurden. Aber dieses Problem dürfte mit der nächsten HD-Kamerageneration gelöst sein«. Die HD-Variante ist schon in Arbeit, Teile davon standen sogar schon während der WM zur Verfügung, konnten aber noch nicht für den Carbon-Protektor angepasst werden, so Riedel.

Live-Szenen aus Fahrersicht während des Rennens, sowie die Eindrücke unmittelbar vor dem Start und nach der Zieleinfahrt gehören natürlich zu den dramaturgischen Highlights der neuen Kamera. ORF-Sportchef Hans Peter Trost sieht daher großes Potenzial in der Kamera, weil sie »Bilder liefert, an die man sonst nie herankommen würde — etwa direkt beim Start, wenn der Fahrer sich aus dem Starthäuschen abstößt.«

ORF-Sportchef Hans Peter Trost führt durchs ORF-Studio in Schladming.
TV-Dienstleister an der Planai

Der ORF beauftragte den österreichischen TV-Dienstleister Euro-TV mit der Produktion des Weltbildes der Ski-WM in Schladming. Euro-TV wiederum arbeitete mit den TV-Diensteistern TPC und TVN zusammen, um das internationale Bild der Herren- und Damenrennen zu realisieren. Sowohl das TVN- wie auch das TPC-Fahrzeug sind mit umfangreicher Sony-Technik ausgerüstet. TPC deckte bei der WM die Damenstrecke und TVN die Herrenstrecke ab, wobei TVN auch zusätzlich die Übertragungen der Medal Plaza übernahm. Bei der Produktion der Skirennen waren sowohl das TVN- wie auch das TPC-Fahrzeug bis an die Kapazitätsgrenze ausgelastet, berichtet Peter Fröhlich, der als Produktionsleiter der Host-Produktion für die Umsetzung an der Planai-Rennstrecke zuständig war.

Etliches an Technik war in zusätzliche Container ausgegliedert, etwa sechs EVS-Arbeitsplätze, darunter fünf Super-Slomo-Plätze und eine EVS für den Worldfeed+ der Damenstrecke. Sowohl vom TVN- wie auch vom TPC-Ü-Wagen konnte man auf die EVS-Systeme zugreifen. Insgesamt waren 23 vernetzte EVS-Maschinen an der Produktion in Schladming beteiligt, wobei bei dieser Zahl auch die vier EVS-Systeme der nationalen ORF-Regie eingerechnet sind. Teile der EVS-Maschinen stammen aus den TPC- und TVN-Fahrzeugen, weitere EVS-Maschinen waren ausgelagert.

Kurt Schwaller, Projektleiter bei TPC, erläutert, dass die beiden Fahrzeuge von TPC und TVN intensiv zusammenarbeiteten und Kameraquellen wechselseitig genutzt wurden. »Dabei war es natürlich von Vorteil, dass wir mit derselben Kameratechnik arbeiten«, sagt Kurt Schwaller: sowohl TPC wie auch TVN setzten Sony-Systemkameras ein.

»Die Kameras waren via Riedel-Mediornet angebunden«, erläutert Christoph Moll leitender TVN-Produktionsingenieur. Das TVN-Fahrzeug mit seinen drei Regien und 86 Vorschaumonitoren realisierte neben den Herrenrennen auch die Siegerehrungen auf der Medal Plaza, wie auch die Eröffnungs- und Schlussfeier. »Aus technischer Sicht war die WM in Schladming die umfangreichste Produktion, die wir für den ORF bisher realisiert haben«, sagt Christoph Moll und gibt ein Beispiel: »Bisher hatten wir keine Produktion, die 80 Mischereingänge erfordert hätte —aber es hat alles sehr reibungslos funktioniert«.

Peter Fröhlich ergänzt, dass die Vernetzung vieler externer Firmen nicht immer einfach zu realisieren war. So mussten ja etwa auch die Zeit-, Highspeed-, Analysesysteme eingebunden und integriert werden.

IBC

Mit der Einrichtung und dem Betrieb des IBC der Ski-WM hatte der ORF das Systemhaus Sono Studiotechnik aus München beauftragt. »Die Zusammenarbeit mit Sono verlief ausgezeichnet«, urteilt Technik-Direktor Michael Götzhaber. Zum Leistungsumfang der Installationen gehörte unter anderem die Glasfaser-Anbindung der Produktionsorte Planai und Medal Plaza an das IBC. Zusätzlich war Sono Studiotechnik auch für eine 3-Kamera-Regie für die Übertragung der Pressekonferenzen verantwortlich.

Als zentrale Komponente hatte Sono im IBC eine Platinum-Kreuzschiene von Harris installiert, die im Zusammenspiel mit elf Multiviewern des Typs HView XD Pro im IBC im Einsatz war. Fürs Signal-Processing installierte Sono zudem weiteres Harris- und Snell-Equipment.

Sono hatte schon im Vorfeld der Planung fürs IBC großen Wert darauf gelegt, möglichst viel Technik auf engstem Raum unterzubringen, was beispielsweise für die Installation der Platinum-Kreuzschiene mit integrierten Multiviewern sprach. Auf diese Weise konnte Sono kompakte, mobile Fly-away-Units für die Live-Produktion bauen, bei denen Routing und Monitoring in einem einzigen Frame untergebracht waren, was enorm viel Verkabelungsarbeit vor Ort ersparte. Die komplette Systemkonfiguration im Schaltraum des IBC wurde mit dem VSM implementiert und im Live Einsatz betrieben. Im IBC waren hierzu mehr als 40 Bedienpanels von L-SB sowie weitere virtuelle Panels für die multilateralen Schaltungen im Einsatz.

Für die Bereiche Glasfaser-Übertragung und Intercom war Riedel Communications als Subunternehmer für Sono tätig. Riedel installierte ein komplexes Glasfasernetzwerk, das 42 MediorNet-Mainframes und 60 RockNet.Audio-Interfaces umfasste. Mediornet kombiniert Signaltransport, Routing und Signalbearbeitung/-konvertierung und bewältigte in Schladming 92 Kamera-, 160 HD-Video-, 200 Audiosignale sowie Ethernet und Intercom. Für die Kommunikation in Schladming waren drei Riedel-Artist-Systeme im Einsatz.

Signalverteilung im IBC

Von der Planai wurden rund 80 Signale ins IBC übertragen, und diese teilten sich ziemlich genau hälftig auf Herren- und Damenabfahrt auf, so Wolfgang Maier, Technical Venue Manager des IBC. Hinzu kamen einige Redundanzsignale, sodass schlussendlich rund 100 Signale im IBC aufliefen.

»Zusätzlich erhielten wir natürlich noch weitere Signale der anwesenden Broadcaster und auch von den Pressekonferenzen, für die Sono eine 3-Kamera-Regie realisiert hatte. Insgesamt kamen wir somit auf rund 150 Signale«, so ORF-Mann Gottfried Grabner. Alle Signale wurden geprüft und im MCR, der zentralen Routing- und Switching-Stelle, weitergeleitet.

EVS und ArdisDDP-Speicher

In Schladming arbeitete der ORF mit zwei Speicherwelten: In der EVS-Welt wurden wie erwähnt Live-Mitschnitte, Interviews und mehr aufgezeichnet. In der Ardis-Welt wurde unter anderem das ENG-Material auf einen zentralen Arids-DDP-Speicher gespielt und stand dann den angeschlossenen und vernetzten Final-Cut-Schnittplätzen zur Verfügung. Der Ingest-Container war auf dem Planai-Areal untergebracht und speicherte das ENG-Material das die ORF-Teams mit Sony-Camcordern des Typs PDW-700/800 in HD und teilweise noch mit IMX-Band-Camcordern in SD aufgezeichnet hatten. Nach dem Ingest auf den 144 TB fassenden Ardis-Speicher stand das Material sofort fürs Editing zur Verfügung.

Als Produktions-Codec wählte der ORF XDCAM HD 422, in der EVS-Welt wurde hingegen mit ProRes 422 gearbeitet. Somit war zwangsläufig eine Lösung erforderlich, die den Austausch der unterschiedlichen Codecs/Formate ermöglichte. Hierfür setzte der ORF eine Lösung auf, bei der durch die Anbindung von vier EVS IP-Director-Systemen via UNC-Pfad an den DDP-Speicher ein sehr stabiler Workflow mit den eingesetzten EVS XT2/XT3-Servern gewährleistet wurde. Parallel bewältigte der DDP-Server sechs Streams in ProRes 422 via EVS-Ingest-Server, vier Streams in ProRes 422 via ToolsOn Air Just-In sowie vier XDCAM-Transfers via Sony PDWU1/U2.

»Eine zentrale Rolle spielte beim Austausch der Files der Content Manager, der die Vielzahl der Daten und Quellen verwalten und dafür sorgen musste, dass die Files jeweils vorlagen und notfalls auch verschoben wurden«, erläutert Claudio Bortoli.

Second Screen mit der Schladming App

Der ORF entschied sich im Vorfeld der WM in Schladming relativ kurzfristig dazu, eine Second-Screen-Applikation zu entwickeln: Eine App, die umfassende Zusatzinfos der Ski-WM lieferte, die man mit Smartphones oder Tablets abrufen konnte.

»Wir haben für die App eine Schnittstelle an unsere große Sportdatenbank geschaffen, sodass es möglich war, unzählige Infos über die Sportler abzurufen«, erläutert Michael Götzhaber. Er ergänzt, dass die App zusätzlich drei Live-Streams enthielt. Einer davon war das internationale Signal, für die beiden anderen Live-Streams beschäftigte der ORF im IBC einen Mitarbeiter, »der aus allen Signalen, die im IBC aufliefen, zwei zusätzliche Live-Streams produzieren konnte«, so Götzhaber. Zusätzlich enthielt die App noch weitere Zusammenschnitte und Beiträge, die teilweise auch in Wien entstanden.

Das Streaming realisierte die APA (Austria Presse Agentur) und legte dies auf eine Bandbreite von bis zu 250.000 gleichzeitig zugreifenden End-Usern aus. »Das eigentliche Problem ist aber am Veranstaltungsort gar nicht die Kapazität des Streamings, sondern die Netzabdeckung der Mobilfunkanbieter«, so Götzhaber: Die Mobilfunknetze sind meist nicht für Events wie in Schladming ausgelegt ist, wo auf einen Schlag 35.000 Zuschauer per Handy ihre Nachrichten und Fotos verschicken und posten wollen.

The next step

Olympia und Fußball toppen in der Live-Berichterstattung zwar vieles, doch was bei einer Ski-WM geboten wird, kann sich auch sehen lassen: 46 Kameras, die ein Rennen verfolgen, wollen bewältigt werden, und angesichts des Technikparks stellt man sich die Frage, wie es beim alpinen Skisport weitergehen wird in der Berichterstattung . Noch mehr Kameras? Michael Götzhaber glaubt eher, dass sich künftig zusätzliche Einstellungen etablieren werden und auch die Daten der Rennläufer übertragen oder GPS-Daten ausgewertet und in die Berichterstattung integriert werden: »Das ist alles schon angedacht, und die Firma Riedel kann sich hier natürlich auch der Erfahrungen aus der Formel 1 bedienen.«

Servus Schladming

Der ORF lieferte bei der Ski-WM eine überzeugende Leistung als Host-Broadcaster: das konnte man nicht nur live am Fernsehgerät verfolgen. Auch viele Mitarbeiter der anwesenden TV-Sender aus aller Welt bestätigten dies in Schladming. »Wir hatten rund zwei Jahre Zeit, um die WM in Schladming zu planen, und diese intensive Planung hat sich letztlich ausgezahlt: Die WM ging aus technischer Sicht einwandfrei über die Bühne, die Rechteinhaber haben alle ihre Signale erhalten und wir hatten keine nennenswerten Probleme«, resümiert der Technische Direktor Götzhaber. In zwei Jahren begibt sich der Ski-WM-Zirkus dann in die USA nach Vail, wo die Vorbereitungen für die nächste Alpine-Ski-WM schon begonnen haben.

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Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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