Projektion, Report, Studie, Top-Story: 06.06.2003

Langzeit-Dauertest von TI: LCD- vs. DLP-Projektion

Natürlich ist Texas Instruments als einziger Hersteller von DMD-Chips, die ja das Herz der DLP-Projektion sind, nicht neutral, wenn es um den Vergleich dieser Technologie mit anderen bildgebenden Systemen geht. Dennoch sind die Ergebnisse eines von TI in Auftrag gegebenen Labor-Dauertests interessant.

Um den Hintergrund dieser Studie zu verstehen, sollte man sich in Erinnerung rufen, dass DLP-Projektoren bei sonst gleicher Ausstattung und Funktionalität teurer sind als LCD-Projektoren. Gleichzeitig haftet den DMD-Chips, die bei der DLP-Projektion als bildgebende Elemente fungieren, immer noch an, dass sie mit bewegten Elementen arbeiten und deshalb von vielen Anwendern eine höhere Fehler- und Pixel-Defektrate angenommen wird, als bei LCD-Projektoren. Andererseits gibt es auch immer wieder Berichte über LCD-Projektoren, deren Bildqualität aufgrund von Alterungsprozessen abnehme.

Der Marktanteil von DLP-Projektoren liegt derzeit laut TI bei rund 25 %, den größten Marktanteil hat die LCD-Technik.

Im Auftrag von Texas Instruments (TI) testete das am Rochester Institute of Technology beheimatete Munsell Color Science Laboratory sieben Videoprojektoren. Es handelte sich dabei nach Angaben von TI um frei verfügbare, im Handel erhältliche Modelle verschiedener Hersteller. Fünf Projektoren arbeiteten nach dem LCD-, zwei nach dem DLP-Prinzip. Die beiden DLP-Projektoren waren 1-Panel-Geräte, die LCD-Projektoren arbeiteten dagegen mit drei Panels. Die Lichtleistung der DLP- und zweier LCD-Projektoren betrug 2.000 Lumen, die der anderen LCD-Projektoren 800, 1.000 und 1.100 Lumen.

Bei allen Projektoren wurden die Lampen gewechselt, wenn 50 % der Anfangs-Lichtleistung auf der Leinwand erreicht waren oder wenn die teilweise eingebaute Warnlampe das empfahl. Die Geräte wurden rund um die Uhr in einem abgedunkelten Raum bei rund 25 Grad Celsius Raumtemperatur betrieben. Alle Projektoren wurden mit den gleichen Bildsignalen aus der identischen Quelle gespeist.

Man kann einwenden, dass die Bedingungen und Voraussetzungen praxisfremd waren, die bei diesem Langzeittest der Projektoren herrschten: Kaum ein Projektor aus der Preis- und Leistungsklasse der getesteten Geräte ist für Dauerbetrieb ausgelegt. Die Ergebnisse könnten anders aussehen, wenn die Geräte regelmäßig abgeschaltet worden wären oder solche mit stärkeren Lüftern eingesetzt worden wären, um die thermische Belastung zu reduzieren. Da nur insgesamt sieben Projektoren getestet wurden, ist das Ergebnis aus statistischer und wissenschaftlicher Sicht auch nicht repräsentativ.

Aber trotz all dieser Einwände bleibt das Ergebnis interessant und kann zumindest als Indikator dienen: Die Bildqualität bei den LCD-Projektoren verringerte sich im Verlauf des Tests stetig, während sie bei DLP-Projektoren ziemlich konstant blieb. Zur Beurteilung der Bildqualität wurden Daten erfasst, aber es gab auch eine visuelle Beurteilung durch Testpersonen. Bei den LCD-Projektoren veränderten sich Farbwiedergabe und Kontrastverhalten teilweise erheblich. Als Ursache dafür gelten die organischen Filtermaterialien, die in LCD-Projektoren verwendet werden.

Das lässt auch den Rückschluss zu, dass D-ILA-Projektoren, die im Test leider nicht zum Einsatz kamen, nicht die Probleme von LCD-Projektoren zeigen würden, weil D-ILA wie DLP nicht mit organischen Materialien arbeitet. Das lässt sich aber auf LCOS-Projektoren nicht übertragen, den dort gibt es sowohl solche, die mit organischen wie auch solche, die mit anorganischen Materialien arbeiten.

Schon nach knapp 1.400 Betriebsstunden waren die Bildveränderungen eines LCD-Projektors so massiv, dass er aus dem Rennen genommen wurde. Bei zwei weiteren LCD-Projektoren sank laut Studie die Bildqualität nach 2.160 und 2.352 Betriebsstunden auf ein »inakzeptables« Niveau.

Bei den getesteten DLP-Projektoren traten solche Effekte laut TIs Studie nicht auf. Auch konnten während der gesamten Betriebsdauer keine Pixeldefekte bei den DLP-Projektoren festgestellt werden. Hierzu merkte Ian McMurray, European Marketing Manager DLP-Produkte bei Texas Instruments, im Rahmen der Präsentation der Studie an, dass bei den DMD-Chips zwar während der Herstellung Pixeldefekte auftreten können, wie bei anderen pixelhaft aufgebauten Chips auch. Über den Ausfall einzelner Pixel während des laufenden Betriebs sei von DLP-Geräten dagegen nichts bekannt.

Interessant: Beim Lampenwechsel änderte sich bei den getesteten Geräten laut Studie letztlich nur die Lichtleistung, die anderen Parameter blieben gleich. Die Bildverschlechterung, die bei Kontrast und Farbwiedergabe gemessen wurde, hat also nichts mit der Lampe zu tun, sondern mit dem bildgebenden System.

Ein PDF mit Bildbeispielen über Art und Stärke der Qualitätsveränderungen von vier der getesteten Projektoren steht zum Download zur Verfügung. Es stammt von TI und zeigt laut Hersteller die Bilder der beiden DLP-Projektoren im Vergleich zu denen von zwei LCD-Projektoren. LCD-Projektor 1 hat eine Anfangs-Lichtleistung von 2.000 Lumen und wurde nach 2.532 Stunden aus dem Rennen genommen, LCD-Projektor 5 (mit 1.000 Lumen Anfangs-Lichtleistung) nach 3.458 Stunden. Die Bilder stammen jeweils vom Ende der Betriebsdauer. Die Bilder der DLP-Projektoren (mit jeweils 2.000 Lumen Anfangs-Lichtleistung) wurden laut TI nach mehr als 4.000 Betriebsstunden aufgenommen.

Downloads zum Artikel:

Picture_Reliability.pdf

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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