Kommentar, Top-Story: 01.02.2002

Von Tiefenschärfe und Schärfentiefe

Nein, die Redaktion von www.film-tv-video.de versteht sich nicht als Sprachhüter, sondern pflegt selbst einen Umgang mit der Sprache, den mancher als zu locker empfindet. Zudem passieren Fehler und es werden hie und da falsche Begriffe benutzt. Aber man muss eben lernfähig bleiben.

Beispiel: »Olympiade« und »Olympische Spiele«. Zwei Begriffe, die in Kürze wieder massiv auf uns niederprasseln und die von vielen als gleichwertig und letztlich gleichbedeutend betrachtet werden. Auch die Redaktion war hier früher nachlässig, bis ein Nutzer dieses Thema aufgriff und klarstellte: Olympiade heißt der Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen. Seither wird das bei www.film-tv-video.de (hoffentlich) stets korrekt benutzt.

Solcherlei kann man haarspalterisch finden, aber spätestens bei Fachbegriffen wird es kritisch. So wird ganz oft über die Tiefenschärfe gesprochen und geschrieben, obwohl der korrekte Begriff hierfür Schärfentiefe lautet. Nein, das ist nicht das Gleiche, denn »Hausrat« und »Rathaus« sind ja auch nicht das Gleiche. Befremdlich klingt schließlich auch »Nagelfinger«, wenn der »Fingernagel« gemeint ist: das Deutsche hat hierfür eben bestimmte Regeln. Wer’s immer noch nicht glauben mag: Worum geht’s denn bei der Schärfentiefe? Um die »Tiefe der Schärfe«, also um den Entfernungsbereich vor der Linse, der scharf abgebildet wird. Auch im englischen Sprachraum heißt es schließlich »depth of field«.

Vielleicht sehen Sie persönlich in »Tiefenschärfe« auch einen Grenzfall, bei dem sich die Umgangssprache gegenüber der korrekten Bezeichnung durchgesetzt hat. Dem lässt sich ja im einen oder anderen Fall auch etwas abgewinnen, etwa weil »YUV« und »601« griffiger und einfacher klingen, als die korrekten Bezeichnungen der damit oft fälschlich bezeichneten Signale. Aber Tiefenschärfe ist weder griffiger noch kürzer als Schärfentiefe.

Wie eingangs erwähnt, liegt es der Redaktion fern, sich als Sprachwart zu gerieren, also sagen Sie ruhig weiterhin zur Schärfentiefe wie sie wollen. Aber vielleicht liegt die »Pisa-Pleite« der deutschen Schüler ja auch nur an solchen »Unschärfen«. Man muss eben lernfähig bleiben. Sie werden sehen.

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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