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Big screen, big entertainment?

Gehen Sie öfter mal ins Kino? Oder wenigstens ab und zu? Obwohl man das eigentlich kaum glauben möchte, hat diese Frage gerade in der Medienbranche ihre Berechtigung: Viele Menschen, die zwar beruflich Kontakt mit Bildern für die große Leinwand haben, gehen selbst gar nicht ins Kino.

Der Regisseur und Produzent Helmut Dietl gehört nicht dazu und bewahrt sich so selbst davor, im technischen Elfenbeinturm zu sitzen. So berichtet Dietl, dass er mehrfach seinen aktuellen Film »Vom Suchen und Finden der Liebe« im Kino besucht habe – und dabei jedes Mal auf Grund unterschiedlichster Qualität einen ganz anderen Film gesehen habe: »Vielleicht dient’s der Vielfalt«, urteilte Dietl ironisch über seine Erlebnisse.Andere Filmschaffende bestätigen Dietls Erlebnisse, berichten von nagelneuen Kinokopien der gleichen Produktion, die stark unterschiedlich ausfallen, was die Dichte, die Farben und den Kontrast angeht. Nimmt man dann noch hinzu, was mit der Vorführtechnik noch alles schief laufen kann und wie die Kopien oft schon nach kürzester Zeit aussehen, was Schmutz, Fussel und Kratzer betrifft, dann kann man verstehen, warum einige der qualitätsverwöhnten Filmschaffenden nur noch ganz selten ins Kino gehen.

Die Situation ist bizarr und grenzt ans Absurde: Da mühen sich Experten in Mannschaftstärke damit ab, Bilder von ganz besonderer Aussagekraft und Brillanz zu schaffen. Kameraleute, Coloristen und Postproduction-Experten kitzeln aus dem Bildmaterial das Maximum heraus, um genau die vom Regisseur gewünschte Bildstimmung, den passenden Look zu erreichen, es wird um feinste Nuancierungen und Details gekämpft. Und was dann, ein paar Kopierprozesse später, beim Zuschauer im Kino ankommt, entspricht dem am Ende der Postproduction erreichten Ergebnis nur noch im Ansatz. Von der Qualität, die im Zuge der TV-Auswertung beim Fernsehzuschauer übrig bleibt, soll an dieser Stelle lieber ganz geschwiegen werden.

Mit Digital Intermediate scheint die Film-Postproduction nun in eine Ära ein zu treten, in der die immer intensivere Postproduction ohne Qualitätsverlust möglich und bezahlbar wird. Nun muss dringend im weiteren Verlauf des Filmproduktionsprozesses, in der Distribution etwas passieren, Im TV-Bereich wird das HDTV sein, aber was passiert im Kino?

Digitale Projektion in den Kinos könnte eine bessere und vor allem gleichbleibend gute Qualität liefern – das sieht nicht nur Helmut Dietl so. Es hängt am Geld: Solange hochwertige digitale Projektoren deutlich teurer sind als Filmprojektoren – derzeit etwa um Faktor 10 – werden wohl die wenigsten Kinobetreiber umsteigen können oder wollen. Natürlich spielt auch der Kopierschutz beim Transfer der Spielfilme in die Kinos und beim Handling der Daten dort, eine nicht minder wichtige Rolle. Die Horrorvorstellung der Rechteinhaber ist schließlich ein Spielfilm in Kinoqualität in den Händen von Raubkopierern – womöglich noch vor dem offiziellen Kinostart.

Größere Kinos haben damit begonnen, zumindest einzelne Kinosäle mit digitaler Technik aus zu statten. Auf Festivals wie der Berlinale werden digital produzierte Filme jetzt in immer größerem Umfang auch digital projiziert. Popcorn, Nachos und Flaschenbier sind eben keine langfristige Garantie, die Massen ins Kino zu locken.

Sie werden sehen.

Autor: Christine, Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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