Editorial, Kommentar, Top-Story: 09.09.2006

Der nächste Schritt: 3D-Kino

Viel öfter als in den vergangenen Jahren taucht während der IBC2006 das Thema Stereoskopie auf, besonders im Zusammenhang mit 3D-Kinofilmen. Tatsächlich gehen in den USA immer mehr Spielfilme auch in einer 3D-Version an den Kinostart — besonders Animationsfilme. Aber auch Realfilme werden in wachsender Zahl als 3D-Movies kommen. Der Hintergrund ist klar: Die Kinobesucherzahlen in den USA sinken, da braucht es neue Attraktionen. Das digitale Kino kommt dem entgegen, 3D-Kino ist auf der digitalen Ebene leichter und in besserer Qualität zu realisieren, als je zuvor. Die Produzenten können den Zuschauern ihre 3D-Filme ohne allzu großen Aufwand nicht nur in Themenparks oder umfunktionierten Imax-Kinos zeigen, sondern künftig auch überall dort, wo Digital Cinema Fuß gefasst hat.

Kein Wunder also, dass das Thema auch bei den Herstellern auf der Agenda steht: im Produktionsbereich, bei Postproduction-Firmen wie Quantel und Assimilate, im Projektorenbereich und auch bei den Flachbildschirmen.

Freilich gibt es ganz unterschiedliche Ansätze, 3D-Bilder zu produzieren und später zu projizieren, doch eines ist allen aktuellen Systemen gemeinsam: Sie sind dem, was man aus der 3D-Vergangenheit kennt, um Meilen voraus. Vorbei sind die Zeiten, in denen Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit gar nicht so wenigen Zuschauern das 3D-Erlebnis vergällten: In der digitalen Nachbearbeitung ist nun ein wesentlich besseres Matching der beiden Bilder für das rechte und das linke Auge realisierbar, Schärfeeindruck, Farbwiedergabe und Bildqualität werden sehr viel besser, die »stimmenden« Bilder rufen dann auch bei empfindlichen Zuschauern keine Wahrnehmungsprobleme mehr hervor.

Prominenter 3D-Promoter ist der Regisseur James Cameron, der sich seit geraumer Zeit mit 3D-Produktionen beschäftigt und auf der Basis zweier Sony-HDCAM-Camcorder ein System für stereoskopische Aufnahmen entwickelt hat — und damit auch schon einige Produktionen abwickelte. Fujinon zeigte während der vergangenen NAB am eigenen Stand ein für James Cameron hergestelltes Stereo-Objektivsystem.

Eine Firma, die bei der Produktion von 3D-Filmen auf der Höhe der Zeit agiert, kommt aus Los Angeles und heißt Cobalt. Ihr Gründer Steve Schklair arbeitet derzeit an einem 3D-Film über die amerikanische Football-Liga. Schon im kommenden Jahr soll der Film in den Kinos zu sehen sein und den Zuschauern ganz neue Perspektiven vom American Football liefern. Ein anderes Projekt, das im kommenden Jahr in die Kinos kommen soll, ist ein U2-Konzertfilm, der dank Surround-Ton und 3D-Bild dem Zuschauer das Gefühl vermitteln soll, mitten im Konzert zu stehen. Wer Beispiele aus Schklairs 3D-Aufnahmen gesehen hat, glaubt ihm das sogar. Während der IBC präsentierte Schklair bei einer Veranstaltung von Assimilate Material aus verschiedenen Produktionen.

Sport- und Musik sind aus Schklairs Sicht jedenfalls optimal dazu geeignet, den Zuschauer zu fesseln. Und nun, da die Aufzeichnungssysteme für 3D qualitativ besser und zudem billiger und leichter werden, könnter er damit gar nicht so falsch liegen. Denn eines ist sicher: Wenn sich digitale Kinos erst einmal einigermaßen etabliert haben und die Vorteile dieser Art der Projektion den Kinobetreibern, den Zuschauern und natürlich auch den Produzenten klar sind, dann wird der Wunsch nach neuen Entwicklungen nicht ausbleiben. Spätestens dann kann 3D-Kino sogar auf breiterer Basis kommen.

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Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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