Editorial, Kommentar, Top-Story: 18.04.2007

NAB2007: 4K oder lieber doch Super-16?

Es ist eines der Standardargumente aus der traditionellen Filmwelt: »Digitalkameras liefern zu geringe Auflösung und können weder die Tiefe noch den Kontrastumfang und schon gar nicht die feine Auflösung eines Filmbildes liefern.« Über die Jahre war und ist dies immer wieder zu hören – je nachdem, wer es ausspricht, in abgemilderter oder schärferer Form. Das wird sich auch so schnell nicht ändern — allerdings könnten den Skeptikern auf mittlere Sicht die Argumente ausgehen, wenn es so weitergeht, wie es sich in diesem Jahr während der NAB andeutet.

4K-Auflösung, bisher ein Randthema in der High-End-Postproduction und der Projektion, ist nun auch bei den Digitalkameras angekommen. Hersteller wie Red Digital Cinema und Dalsa präsentieren Kameras, die mit 4K-Sensoren ausgerüstet sind. Die Kamera Red One soll mit ersten Mustern in diesem Sommer ausgeliefert werden, Dalsas Evolution soll Anfang kommenden Jahres soweit sein. Sicher, bis diese Kameras soweit sind, dass sie in größeren Stückzahlen hergestellt werden und auf breiteter Basis im Einsatz sind, werden noch einige NABs ins Land gehen. Doch die Weichen sind gestellt — 4K kann in der Akquisition schnell Realität werden, wenn es die Anwender wollen. Den Anfang wird — wie so oft — Hollywood machen. Dort wo 4K fürs Digital Cinema als Anforderung schon längst definiert ist und wo auch Digital-Camcorder und -Kameras von Sony, Panasonic und Grass Valley schon seit geraumer Zeit im größeren Stil bei TV-Serien eingesetzt werden, dürfte die Branche die Vorteile einer voll digitalen Kette von der Akquisition über die Postproduktion bis hin zu Präsentation im Kino erfahrungsgemäß schnell erkennen und umsetzen.

»Was brauchen wir 4K, wo doch noch nicht einmal 2K und selbst HD erst allmählich und immer noch recht verhalten eingesetzt werden?« Ein berechtigter Einwand, zumindest aus europäischer Sicht: Schließlich wird zwar jährlich neu der Durchbruch für HD verkündet, aber so ganz viel ist davon in der Praxis vieler Anwender eigentlich nicht zu spüren. Die NAB2007 lässt aber hierzu keine Fragen mehr offen und zeigt überdeutlich, dass die Würfel längst gefallen sind und sich die Entwicklung hin zur digitalen Aufzeichnung in HD und höheren Auflösungen nicht mehr aufhalten lässt. Gleichgültig, wie die Anbieter heißen, HD-Kameras haben schon längst keinen Exotenstatus mehr, und zunehmend wird auch Equipment verfügbar, das den Anschluss von Filmobjektiven und –zubehör an HD- und 2K-Kameras erlaubt. HD, 2K und 4K werden innerhalb kurzer Zeit auch die letzten Skeptiker überrollen, weil schon längst bloß noch hier die Musik spielt: Es wird kein neues professionelles SD-Equipment mehr entwickelt.

Das Ende für die klassische Filmaufzeichnung ist dagegen noch längst nicht eingeläutet. Wie wäre es sonst zu erklären, dass Arri für die im vergangenen Jahr vorgestellte Super-16-Kamera bis dato schon zahllose Vorbestellungen entgegen nehmen durfte? Die Polarisierung des Marktes scheint eben auch vor der Akquisition nicht halt zu machen. Und so kommt es, dass sich auf der einen Seite die Produzenten mit der digitalen 4K-Aufzeichnung beschäftigen, wenn genug Geld dafür da ist, während sich viele andere die HD-Option erst für die Zukunft eröffnen wollen, indem sie heute auf die Filmaufzeichnung mit Super-16 setzen — sei es, weil sie ihre klassische Arbeitsweise nicht ändern wollen, weil sie sich von der Vielzahl IT-basierender Lösung überfordert fühlen oder eben ganz einfach deshalb, weil sie heute mit Super-16 billiger produzieren können.

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Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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