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Der digitale Herkules

In der digitalen Welt ist zwar so manches einfacher — doch mindestens ebenso vieles komplexer und unübersichtlicher als früher. Content lässt sich in vielen Fällen leichter und vielleicht auch günstiger produzieren — doch spätestens in der Postproduktion gilt es dann, erste Hürden zu überwinden.
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Unterschiedliche Formate, Codecs und Frameraten des Ausgangsmaterials zu einem schlüssigen Ganzen zu kombinieren, das kann eine aufreibende Angelegenheit sein: Statt sich mit den kreativen Aufgaben zu befassen, muss man zuerst das »digital housekeeping« erledigen, also transkodieren, importieren, wandeln. Dabei nähert man sich all zu oft per Versuch und Irrtum einer Lösung oder einem Workaround an. Wer höhere Ansprüche hat und etwa auch die Metadaten aus der Aufzeichnung in die Post übernehmen und dort weiter nutzen will, der muss noch höhere Hindernisse überwinden.

Aber irgendwann ist die Produktion dann abgeschlossen und der fertige Film oder Beitrag liegt vor. Und dann? Dann kommt »digital housekeeping part 2 — the neverending story«. Die Produktion muss für verschiedenste Verbreitungskanäle aufbereitet und bereitgestellt werden: per Transkodierung, Export und Wandlung nähert man sich dann … — aber das hatten wir ja schon.

In einer idealen Welt — etwa bei einer Produktdemo im Rahmen einer Messe — greift bei all diesen Arbeitsschritten ein Rad ins andere, man produziert den Content — rappzapp — einmal und wertet ihn dann — ruckzuck — vielfach aus. Quasi vollautomatisch entstehen Versionen fürs Fernsehen, fürs Smartphone, den Tablet-PC oder die Kinoleinwand. Ungefähr so: »Just click on the clip, drag it in the watchfolder and boom — it‘ s done.«

So wie es aber in der realen Welt meist schon daran hapert, Daten zu übernehmen, die am Set erfasst wurden, läuft auch das »Multi-Platform-Publishing« am anderen Ende der Produktionskette nicht von alleine. Wie denn auch: Content, der synchronisiert zum TV-Programm auf dem »Second Screen« angeboten werden soll, generiert sich eben nicht von allein.

Bei fast allen, oft sehr interessanten Ansätzen, die im Rahmen der NAB2012 zu solchen Fragen gezeigt werden, bleiben jedoch entscheidende Fehlstellen offen: Immer mehr Content soll immer schneller und billiger produziert und dann möglichst zeitnah auf möglichst vielen Kommunikationswegen mehrfach ausgewertet werden. Das zu Lösen, ist eine Herkulesaufgabe — und Herkules wurde schließlich auch nicht mit einem Schlag zum Helden, sondern musste dafür zwölf scheinbar unlösbare Aufgaben bewältigen: Entsprechend wird uns dieses Thema noch etliche Messen lang begleiten.

Sie werden sehen.

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Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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