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Kalenderbetrachtungen

Natürlich ist der Kalender letztlich nur eine ziemlich willkürliche Festsetzung dessen, wie wir die fortschreitende Zeit erfassen: Ein kulturell und religiös verankerter Maßstab. So wird etwa in Russland Weihnachten erst am 7. Januar gefeiert, das chinesische Neujahrsfest findet im Jahr 2015 nach unserer Zeitrechnung am 19. Februar statt, das persische am 20. März, das jüdische am 14. September, das islamische am 15. Oktober.

Alles relativ also: Aus astronomischer Sicht ist der Unterschied zwischen dem 31.12. und dem 1.1. ohnehin nicht größer, als zwischen zwei Tagen davor oder danach. Die Uhr tickt immer unerbittlich weiter, es gibt in Wahrheit keine »Zeit zwischen den Jahren«.

Trotzdem empfinden die meisten den Jahreswechsel in der einen oder anderen Form als Zäsur. Vielleicht liegt es nur an der hohen Feiertagsdichte, die nun ansteht, vielleicht hat es andere, tiefere Gründe: Die Mehrzahl der Menschen in unserem Kulturkreis versucht im aktuellen Zeitfenster, weiter nach vorn zu schauen und sie blickt intensiver zurück, als zu anderen Terminen.

Wie sieht ihre persönliche Bilanz aus? Haben Sie 2014 erreicht, was Sie sich vorgenommen hatten? Die aufgetretenen Herausforderungen erfolgreich gemeistert? Das Beste draus gemacht? Schauen Sie zufrieden zurück und erwartungsfroh nach vorn? Oder gab es mehr Frust als Freude und der Blick ins kommende Jahr erfüllt mit Sorge? Was steht 2015 an?

Durchatmen, runterkommen und dann wieder durchstarten: So lautet wohl für die meisten Leser dieser Zeilen die kurzfristige Prognose. Wir sind dann beim Durchstarten ins Jahr 2015 gern wieder dabei und begleiten Sie in unserem Themengebiet, wenn Sie mögen.

Die zahllosen Jahresrückblicke der vergangenen Wochen haben uns die kollektiven Ereignisse des ablaufenden Jahres noch einmal vor Augen geführt — und auch deren Ambivalenz demonstriert: Ein Meer von Fahnen im Fußballsommer löst andere Assoziationen aus, als ein Meer von Fahnen im Winter in Dresden.

Aber auch wenn die Nächte lang und dunkel sind, es gibt immer Grund zur Hoffnung: Ab heute werden schließlich — aus astronomischen Gründen und unabhängig vom jeweiligen Kalender — die Nächte auf der Nordhalbkugel der Erde wieder kürzer.

Sie werden sehen.

 

P.S.: Herzlichen Dank an alle, die uns in diesem Jahr in der einen oder anderen Form geholfen, getragen, gelobt, empfohlen oder sonstwie unterstützt haben. Schöne Feiertage!

 

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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